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Delta-VarianteWie geht es im Herbst weiter für die Schulen?

Unterrichtsszene: In einem Klassenzimmer sieht man zwei Kinder von hinten. Sie sitzen jeweils einzeln an einer Bank und blicken nach vorne zur Tafel, neben der ihre Lehrerin steht. (picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Patrick Pleu)
Wechselunterricht in einer vierten Klasse in Frankfurt/Oder im Februar: Ob nach den Sommerferien dauerhaft Regelunterricht stattfinden wird, hängt von vielen Faktoren ab. (picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Patrick Pleu)

Wie geht es nach den Sommerferien in den Schulen weiter? Diese Frage treibt nicht nur viele Eltern um, sondern auch Politik und Wissenschaft. Klare Antworten sind zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, weil die Entwicklung der Pandemie nur zu modellieren, aber keineswegs vorherzusehen ist. Dennoch gibt es Maßnahmen, von denen bekannt ist, dass sie das Ziel "Präsenzunterricht" zumindest wahrscheinlicher machen. Ein Überblick.

Der Stand der Dinge

Grundlage ist die Leitline "Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle der SARS-CoV-2-Übertragung in Schulen", deren Kurzfassung auf der Seite des Bildungsministeriums einzusehen ist. Erstellt wurde das Papier von verschiedenen Fachgesellschaften, darunter Robert Koch-Institut, Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, Kinderschutzbund und Bundeselternrat. Der Empfehlungskatalog stammt von Februar und soll, wie es im Titel heißt, als "lebende Leitlinie" verstanden werden. Regionale und lokale Flexibilität bei der Ausgestaltung müssten erhalten bleiben, heißt es. Die Verfasser betonen, dass die Empfehlungen auch hinsichtlich einer möglichen Verbreitung von Virusvarianten gültig sind.

Was wird empfohlen?

Ziel ist es, eine Übertragung des Virus weitgehend zu verhindern. Ausgangspunkt für die Maßnahmen ist daher das sogenannte AHA+L-Konzept, das auch im Alltag gilt: Abstand halten, Hygiene beachten, Maske tragen, regelmäßig lüften. Darüber hinaus werden - je nach Infektionsgeschehen - weitere Präventionsmaßnahmen empfohlen, etwa ein Einsatz von Luftreinigern in den Klassenräumen und ein versetzter Unterrichtsbeginn.

Was ist mit Tests?

Diese Frage ist zur Zeit noch nicht abschließend geklärt. Ein entsprechender Zusatz zur Leitlinie soll im Herbst veröffentlicht werden. Vor den Sommerferien waren an vielen Schulen, aber auch an Kindergärten und Kitas Massentests in verschiedenen Varianten üblich: etwa einzeln per Schnelltest oder gruppenweise mit Laborauswertung. Wie sinnvoll eine solche systematische Testung ist, die vor allem hilft, asymptomatische Kinder zu entdecken, wird noch diskutiert.

Was wird sonst noch diskutiert?

In aller Munde ist derzeit der Einsatz von Luftfiltern in Klassenräumen. Neben dem Einbau fester Geräte fördert die Bundesregierung nun auch mobile Luftfilter in Schulen. Dafür sollen den Ländern 200 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden. Wirtschaftsminister Altmaier betonte, die Bundesregierung wolle einen Beitrag dazu leisten, den Präsenzunterricht und die Kinderbetreuung aufrecht zu erhalten - auch wenn sich die Corona-Infektionslage im Herbst und Winter wieder verschlechtern sollte.

Die Wirkung mobiler Luftfilter in Klassenräumen zum Schutz gegen das Coronavirus ist nach einer Studie der Universität Stuttgart allerdings begrenzt. Die Geräte seien kein Ersatz für das Stoßlüften in Pausen, warnen die Experten, nachdem sie ein halbes Jahr lang an zehn Schulen die Wirkung der Filter gemessen haben. In Klassenräumen, die kleine oder zu wenige Fenster haben, sollte aber der Einsatz mobiler Geräte oder der Einbau stationärer Filter geplant werden.

Der Mobilitätsforscher Kai Nagel von der TU Berlin schreibt in seinem jüngsten Bericht an das Bundesministerium für Bildung und Forschung dagegen, seine Simulationen zu Schulen zeigten, dass Lüftungssysteme zusammen mit einem flächendeckenden Einsatz von Schnell- und/oder PCR-Tests die Infektionsdynamik verringern könnten. Würden solche Maßnahmen konsequent umgesetzt, seien Schulschließungen oder Wechselunterricht nicht notwendig. Politikerinnen und Politiker verschiedener Parteien betonen derzeit, diese Szenarien vermeiden zu wollen.

Wann kommen Impfungen für Kinder und Jugendliche?

Zugelassen für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren ist bisher ein mRNA-Impfstoff: Comirnaty von Biontech/Pfizer. Die Ständige Impfkommission empfiehlt dessen Einsatz derzeit nur für Mädchen und Jungen mit Vorerkrankungen, weil bei ihnen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 anzunehmen sei. Eine Impfung mit diesem Präparat für Kinder dieser Altersgruppe ist aber möglich. Die Impfkommission begründet ihren Beschluss mit der noch unzureichenden Datenlage für eine Empfehlung für Mädchen und Jungen ab 12 Jahren. Studien zu Sicherheit und Wirksamkeit von Impfstoffen bei Kindern und Jugendlichen laufen: Sowohl der Hersteller Biontech/Pfizer als auch Moderna führen derzeit entsprechende Untersuchungen durch.

(Stand: 17.7.)

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In unserem Nachrichtenblog finden Sie einen regelmäßig aktualisierten Überblick über die wichtigsten Entwicklungen. Lesen Sie auch:

+ Lage: Infektionszahlen in Deutschland (Stand 23.07.)

+ Auslands-Urlaub: Liste der Risikogebiete (Stand 16.07.)

+ Mutation: Wie gefährlich ist die Delta-Variante? (Stand: 22.07.)

+ Bildung: Wie geht es im Herbst weiter für die Schulen? (Stand 17.07.)

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