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StartseiteKommentare und Themen der WocheEndlich den echten Gegner ausgemacht13.09.2019

Demokraten im US-Wahlkampf Endlich den echten Gegner ausgemacht

Statt sich weiter untereinander zu prügeln, hätten die demokratischen Präsidentschaftsbewerber endlich verstanden, wer ihr eigentlicher Gegner sei: Präsident Donald Trump und seine Politik, kommentiert Martina Buttler. Nur so könne sich eine oder einer von ihnen noch als Gegenentwurf entwickeln.

Von Martina Buttler

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Präsidentschaftsdebatte der US-Demokraten in Detroit am 31. Juli 2019 (picture alliance / ZUMA Press / Brian Cahn)
"Die Wähler werden erleichtert aufatmen, denn das Hickhack der ersten beiden TV-Debatten ist vorbei", kommentiert Martina Buttler das Verhalten der demokratischen Präsidentschaftsbewerber (picture alliance / ZUMA Press / Brian Cahn)
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Endlich finden die Demokraten in den USA ihren echten Gegner. Sie prügeln sich nicht mehr so sehr untereinander, sondern richten den Blick auf den, gegen den es am Ende wirklich geht: US-Präsident Donald Trump. Die Wähler werden erleichtert aufatmen, denn das Hickhack der ersten beiden TV-Debatten ist vorbei. Im riesigen Kandidatenkreis der 20 kämpfte da jeder erst mal darum, überhaupt wahrgenommen zu werden. Angriffe auf den in den Umfragen führenden Joe Biden waren da ein willkommenes Mittel. Ja, die gab es auch diesmal – aber mit einem anderen Ergebnis.

Ein anderer Stil, ein anderer Umgangston

Konnte die kalifornische Senatorin Kamala Harris vor einigen Wochen noch in den Umfragen klettern, weil sie sich Obamas Vize vorgenommen hat, so ging der Biden-Angriff für Mitbewerber Julian Castro dieses Mal nach hinten los. Die Stimmung ändert sich, die Demokraten fangen endlich an das zu tun, wonach viele ihrer Wähler lechzen: Zeigen, was anders werden kann, wenn eben sie und nicht Donald Trump gewählt werden. Ein anderer Stil, ein anderer Umgangston – abgesehen von anderen politischen Positionen.

Beto O’Rourke aus El Paso bekam von den Kollegen und Kolleginnen sogar auf offener Bühne Lob dafür, wie deutlich er sich nach dem  Attentat in einem Walmart in seiner Heimatstadt mit zahlreichen Toten positioniert, Trump herausgefordert und klare Kante gezeigt hat in Sachen Waffengesetze. Sturmgewehre will er den Amerikanern nämlich abnehmen. Damit prescht er weiter nach vorn als sich das sogar viele Demokraten vorstellen können, aber für ihn geht die Rechnung auf. Er setzt Duftmarken.

Kein Charismatiker in Sicht

Haben die Präsidentschaftsbewerber in den ersten beiden TV-Debatten noch Barack Obama scharf kritisiert, geht es nun endlich gegen ihren eigentlichen Gegner: Trump und seine Politik. Nur wenn die Demokraten das endlich verstehen und umsetzen, hat vielleicht eine oder einer eine Chance, sich in den nächsten Monaten auch wirklich als Gegenentwurf zu entwickeln. Denn wer da in einem Jahr versucht, den US-Präsidenten aus dem Weißen Haus zu vertreiben, ist immer noch völlig unklar. Den Zahlen nach ist Joe Biden seit Monaten in den Umfragen vorn. Aber die Zweifel daran, ob er Trump eben auch wirklich etwas entgegensetzen kann, wenn der mit der Abteilung Attacke auf ihn zujagt, verstummen nicht.

Ein großer Charismatiker wie Barack Obama ist derzeit nicht in Sicht. Aber bis zur ersten Vorwahl der Demokraten in Iowa sind es noch gut vier Monate. Zeit, um Profile zu schärfen. Das Bewerberfeld wird in den nächsten Wochen weiter schrumpfen. Diejenigen, die schon dieses Mal Schwierigkeiten hatten, die Hürden für die Teilnahme an der TV-Debatte zu nehmen, werden es in den nächsten Wochen ganz sicher nicht leichter haben. Spender und Umfragen – das ist die Währung um die es geht und nicht jeder der 10, die gestern auf der Bühne waren, wird da mithalten können. Doch je kleiner das Feld, desto geringer der Druck irgendwie aufzufallen, und sei es durch Angriffe untereinander. Das tut den Debatten gut. Das tut dem Wahlkampf gut. Das tut den Demokraten gut.

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