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StartseiteInformationen am MorgenWahlkampf mit Männercharme und Frauenpower12.10.2018

Demokraten in TexasWahlkampf mit Männercharme und Frauenpower

Beto O'Rourke ist die große Hoffnung der Demokraten bei den Zwischenwahlen in Texas. Ausgerechnet im Stammland der Republikaner an der Grenze zu Mexiko mischt der charismatische Politiker die Karten neu - mit der Latina-Richterin Veronica Escobar an seiner Seite.

Von Thilo Kößler

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Der demokratische US-Politiker Beto O'Rourke während einer Wahlkampfveranstaltung im texanischen Plano, am 15.09.2018.  (AFP / Laura Buckman)
Der demokratische US-Politiker Beto O'Rourke während einer Wahlkampfveranstaltung im texanischen Plano, am 15.09.2018. (AFP / Laura Buckman)
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Es gilt als das möglicherweise spannendste Rennen der Zwischenwahlen am 6. November: Ausgerechnet in Texas, einem Stammland der Republikaner, macht ein Demokrat dem prominenten republikanischen Senator und ehemaligen Präsidentschaftsbewerber Ted Cruz den Sitz streitig. Beto O'Rourke heißt er, ist 46 Jahre alt, groß, schlank, sportlich. Man sagt, er sehe so gut aus wie Robert Kennedy und habe Charisma wie Barack Obama. So, wie hier in Denton, einem Vorort von Dallas, füllt er Plätze und Parks bei seinen Wahlkampfauftritten.

Vielfalt als Bereicherung

Er kämpfe nicht gegen jemanden. Und er führe keinen Wahlkampf gegen eine politische Partei, sagt Beto O'Rourke. Er kämpfe für den Staat Texas. Für sein Land. Und für jeden einzelnen hier.

Beto O'Rourke setzt auf den politischen Gegenentwurf zu Donald Trumps grimmiger, weltabgewandter Programmatik. Beto O'Rourke kommt aus El Paso, direkt an der Grenze zu Mexiko. Vielfalt sei für ihn keine Bedrohung, sondern eine Bereicherung, sagt er. In seiner Heimat mit den beiden Grenzstädten El Paso und Ciudad Juarez kämen drei Millionen Menschen aus zwei Ländern zusammen - und sie lebten gemeinsam, nicht getrennt.

Dort, wo Donald Trump das Schlupfloch für alle Verbrecher und Vergewaltiger ausmacht, sieht Beto O'Rourke einen gemeinsamen Lebens- und Wirtschaftsraum. Die Grenze zwischen Mexiko und den USA sieht er als Chance, Einwanderung als Gewinn.

Kampfansage an Fremdenfeindlichkeit und Rassismus

"Beto for Senate" - diese T-Shirts sind mittlerweile überall in El Paso zu sehen. An der Seite von Beto O'Rourke kämpft Veronica Escobar um den Einzug ins Repräsentantenhaus und seine Nachfolge dort: Beide kennen sich seit vielen Jahren aus der Lokalpolitik in El Paso. Veronica Escobar hat ihre Wurzeln in Mexiko und schickt sich an, neben Sylvia Garcia aus Houston zur ersten texanischen Latina-Abgeordneten im Kongress zu werden. Gemeinsam mit Beto O'Rourke möchte sie Anwalt für die große Gemeinde der Zuwanderer sein. Escobar, wortgewandt, offen, freundlich wie O'Rourke, will sich für die Anliegen der Armutsflüchtlinge und für die Asylsuchenden einsetzen.

Auch Escobar will Donald Trump etwas entgegensetzen und dem Nationalismus, der Fremdenfeindlichkeit und dem Rassismus den Kampf ansagen.

Veronica Escobar will die große Gemeinschaft der Latinos für die Wahlen mobilisieren. Sie gelten traditionell als chronisch wahlabstinent: Die Wahlbeteiligung in El Paso liegt insgesamt - gemessen an der Gesamtbevölkerung im Wahlalter - bei deprimierenden neun Prozent. Insgesamt liegt die Wahlbeteiligung in Texas nur bei knapp 50 Prozent. Es sei noch nicht gelungen, diese Bevölkerungsgruppe davon zu überzeugen, dass eine starke Regierung dabei helfen kann, für eine starke Gemeinschaft zu sorgen.

Mit rosa Farbe gegen dunkle Zeiten

Seit es der 28-jährigen Politaktivistin Alexandria Ocasio-Cortez in New York völlig überraschend gelang, bei den Vorwahlen den langjährigen Kongressabgeordneten Joseph Crowley aus dem Rennen zu werfen, machen in den USA Frauen von sich reden, die in die Politik drängen: Noch nie hat es so viele Frauen gegeben, die sich für öffentliche Ämter in Regierungen und Parlamenten bewerben. Unter ihnen viele Afroamerikanerinnen und Latinas. Die Rede ist von einer "pink wave" - einer rosafarbenen Welle. Veronica Escobar sagt: Ich gehöre dazu. Donald Trump habe für ein politisches Erwachen unter Frauen gesorgt, sagt sie.

In diesen dunklen Zeiten, sagt Veronika Escobar müsse man einfach politisch aktiv werden - denn Trumps Politik des Hasses halte immer mehr in den Gemeinden Einzug.

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