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Startseite@mediasresDie Jagd auf Zuckerberg ist eröffnet28.10.2019

Demokraten vs. FacebookDie Jagd auf Zuckerberg ist eröffnet

Bislang galten die Firmen aus dem Silicon Valley eher als liberal. Doch die Demokraten fangen an, sich von Facebook und ihrem Chef zu distanzieren. Zumindest in diesem Fall gehe eine Liaison zu Ende, kommentiert Brigitte Baetz.

Von Brigitte Baetz

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Die demokratische Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez. (picture alliance/dpa/CNP)
Die demokratische Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez hat Mark Zuckerberg im US-Kongress kritisch zum Umgang von Facebook mit Fake News befragt. (picture alliance/dpa/CNP)
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Insgesamt 81 Millionen Dollar gaben Donald Trump und Hillary Clinton im letzten Präsidentschaftswahlkampf aus, um auf Facebook Anzeigen zu schalten, gut Dreiviertel davon kamen vom republikanischen Wahlkonto. Und Trumps Leute brüsteten sich schon damals, das Geld effektiver als ihre demokratischen Gegner angelegt zu haben.

Jetzt schon hat allein Trumps Wiederwahlkampagne, wie der "New Yorker" berichtet, 24 Millionen Dollar in digitale Werbung investiert. Heute wie damals setzen Trumps Kampagnenmanager auf das, was Facebooks Algorithmus am stärksten belohnt: nämlich Emotionen und Geschichten. Geschichten, die nicht unbedingt wahr sein müssen, damit Facebook sie veröffentlicht; wie das unlängst auch Joe Biden erfahren musste, den Donald Trump via Facebook beschuldigte, Hilfsgelder an die Ukraine versprochen zu haben, um seinem Sohn Hunter Vorteile zu verschaffen.

Plötzlich im Visier der Demokraten

Trump und Facebook ergänzen sich wie Topf und Deckel. Wie das Portal Netzpolitik recherchiert hat, rufen rund 84 Prozent seiner Werbeschaltungen die Nutzerinnen und Nutzer zu einer Handlung auf, sprich: eine Spende zu tätigen, ein T-Shirt zu kaufen oder an einer Umfrage teilzunehmen. Das ist eine bewährte Methode, um Daten zu generieren, Facebooks ureigenes Geschäftsmodell und auch für Wahlkämpfer attraktiv, um noch genauer über ihre Anhänger Bescheid zu wissen.

Der Treppenwitz der Geschichte: Eigentlich gelten die großen Techfirmen der amerikanischen Westküste als begeisterte Unterstützer der Demokraten. Die wiederum liebten bislang die so locker-dynamischen jungen Gründer in ihren Turnschuhen, die in ihren Firmen auf Diversität achten und ihre Mitarbeiter mit veganen Snacks bei Laune halten. Dagegen warf Donald Trump dem Silicon Valley immer wieder vor, seine Kritiker zu unterstützen. Nun aber dreht sich der Spieß um und Facebook ist in das Visier der Demokraten geraten.

Die Jagd ist eröffnet

Während Joe Biden aus der Attacke auf seine Person den Schluss zog, kaum noch in sozialen Medien Werbung zu schalten, haben vor allem die Frauen der Demokratischen Partei die Jagd auf Zuckerberg eröffnet: Erst Elizabeth Warren, die absichtlich die Falschmeldung auf Facebook postete, dass der Facebook-Chef nun offiziell Trumps Wiederwahl unterstütze und die auch kein Geheimnis daraus macht, Facebook zerschlagen zu wollen, wenn sie Präsidentin sei. Und in der letzten Woche der neue Shooting-Star der Demokraten, Alexandria Ocasio-Cortez.

Auf ihre kritischen Fragen bezüglich "Fake-News" während einer Kongress-Anhörung rettete sich Mark Zuckerberg in die etwas kindliche Antwort, dass er Lügen böse finde. Aber Lügen in politischen Anzeigen, so gab er zu, würde Facebook nicht unterbinden. Und so geht nun die Liaison zwischen dem Silicon Valley und den Demokraten zu Ende, zumindest was Facebook betrifft.

Im September hatte Zuckerberg Trump besucht – und wenige Tage später verkünden lassen, politische Anzeigen im Wahlkampf 2020 nicht einem Faktencheck zu unterziehen.

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