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StartseiteVerbrauchertippAuf ewig online?04.05.2018

Den digitalen Nachlass regelnAuf ewig online?

Immer mehr Daten werden elektronisch gespeichert - und auch nach dem Tod eines Menschen nicht einfach gelöscht. Doch wie bei Gegenständen, Vermögen oder Immobilien kann man auch beim digitalen Nachlass vieles im Voraus regeln.

Von Iris Mide

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Eine Seniorin sitzt an ihrem Laptop und hat ihre Hand auf einer Maus liegen (dpa / Sebastian Gollnow)
Ob beim Onlinebanking, bei Email-Anbietern oder bei Streamingdiensten - an vielen Stellen werden heute persönliche Daten digital gespeichert (dpa / Sebastian Gollnow)
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"Meist beschäftigt man sich nur damit: Wer erbt das Auto, wer erbt das Haus und welche Tasse geht an welche Tante", sagt der Dresdner Rechtsanwalt für Erbrecht Franz-Josef Günther. Viel zu oft vergessen werde dagegen der digitale Nachlass, der heutzutage immer wichtiger wird.

Nicht nur Jüngere hinterlassen ihre Spuren im Internet, auch viele Senioren finden Gefallen an neuer Technik.

"Digitaler Nachlass ist alles, was Sie irgendwo abgespeichert haben. Und später einmal, wenn Sie verstorben sind, dann wollen Ihre Erben möglicherweise wissen, wo sie denn überall gemeldet gewesen sind, welche Emails Sie geschrieben haben, all das wollen sie wissen bzw. müssen sie wissen, damit die Verträge auch gekündigt werden können." 

Wer soll Zugriff auf die persönlichen Daten haben?

An schier unendlichen Stellen werden heute persönliche Daten digital gespeichert. Beginnend beim Onlinebanking, über Konten bei sozialen Netzwerken, Email-Anbietern, Onlinekaufhäusern, Partnerbörsen, Streamingdiensten, bis hin zu Daten, die bei Versicherungen, Ärzten, Vereinen, Berufsverbänden oder auch bei Geschäften hinterlegt sind. Denn hinter fast jeder Kundenkarte verstecken sich gespeicherte persönliche Daten. Dazu kommen noch Dokumente und Fotos auf Datenträgern wie USB-Sticks oder dem Smartphone.

"Letztendlich muss man sich auch damit beschäftigen, was passiert, wenn ich nicht mehr bin und wer soll Zugriff darauf haben. Deswegen muss man da rechtzeitig Vorsorge treffen. Das ist ganz wichtig."

Vertrauensperson aussuchen

Besonders sensible Daten, die niemanden etwas angehen, sollte man schon zu Lebzeiten löschen oder weitgehend reduzieren. Auch ungenutzte Accounts kann man löschen, um seine digitalen Hinterlassenschaften übersichtlich zu halten. Bei manchen sozialen Netzwerken wie Facebook ist es möglich, zu Lebzeiten Einstellungen für die Zeit nach dem Tod vorzunehmen. Datenträger hingegen kann man verschlüsseln, damit nur Personen darauf zugreifen können, die das Passwort haben.

Denn bestenfalls, so Rechtsanwalt Günther, wählt man eine Person aus, die nach dem Tod über die Daten verfügen darf.

"Dann sollte ich einer Vertrauensperson sagen, wo all diese Daten gespeichert sind. Und diese Daten sollte man dann in Listen zusammenfassen bzw. die Accounts in Listen zusammenfassen. Und dann immer den Benutzernamen und dazu auch das Passwort hinterlegen. Und dann welche Maßnahme möchte ich: Löschen, Ruhestatus, Information an die, die es angeht - all diese Möglichkeiten gibt es." 

"Rechtsrat nicht immer nur aus dem Internet holen"

Wichtig ist, diese Liste immer wieder zu aktualisieren. Man kann seinen Willen im Testament niederschreiben. Für den Digitalen Nachlass ist eine einfache Vorsorgevollmacht ausreichend, meint Anwalt Franz-Josef Günther.

"Man kann die Vollmacht auch beglaubigen lassen bei einem Notar. Das empfiehlt sich manchmal, um die Glaubwürdigkeit zu erhöhen. Eine notarielle Urkunde ist nicht erforderlich." 

Zur Sicherheit sollte man in der Vollmacht auch vermerken, dass diese unwiderruflich über die eigene Lebenszeit hinaus Gültigkeit hat. Das Wichtigste sei aber, so der Appell des Erbrechtsanwalts, die Regelung des Digitalen Nachlasses nicht auf die lange Bank zu schieben.

"Tun Sie es einfach! Und wenn Sie unsicher sind, holen Sie sich Rechtsrat. Das gibt es teilweise auch bei den Verbraucherzentralen. Sie können natürlich auch zu Anwälten oder Notaren gehen. Mein Tipp: Holen Sie sich den Rechtsrat nicht immer nur aus dem Internet. Das ist nicht immer auf dem aktuellen Stand."

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