Dienstag, 02.06.2020
 
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Denkfabrik DekolonisierungFeindbild Islam

Die französische Kolonialmacht stützte in Algerien, Tunisien und Marokko einerseits muslimische Autoritäten. Besser Islam als Kommunismus, lautete die Devise. Zugleich galt die fremde Religion als etwas Gefährliches, denn in ihrem Namen lehnten sich die Unterdrückten gegen die Besatzer auf.

Von Suzanne Krause

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Eingang der Großen Moschee in Paris (picture alliance / abaca / Bardos Florent)
Die Große Moschee in Paris ist ein imposanter Komplex, auf siebeneinhalbtausend Quadratmetern im Karree gebaut (picture alliance / abaca / Bardos Florent)
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Paris, 5. Arrondissement. Im Südosten der Stadt, inmitten eines gutbürgerlichen Wohnviertels mit historischen Backsteinfassaden, ruft der Muezzin Freitags gen 13 Uhr zum Gebet, in die "Grande Mosquée", die traditionsreiche Große Moschee. Diese Moschee ist ein imposanter Komplex, auf siebeneinhalbtausend Quadratmetern im Karree gebaut, weißgetünchte fensterlose Mauern, ein-, zweistöckige Gebäude mit grünen Schindeldächern, dazwischen arabische Gärten. Über dem Eingang schwebt eine güldene Mondsichel, das Entrée ist verziert mit bunten Mosaiken, rechts ragt ein in orientalischer Steinmetzarbeit gestaltetes Minarett 33 Meter in den Pariser Himmel.

Neben dem Haupteingang steht eine zierliche, elegant gekleidete Mittfünfzigerin mit kurzen braunen Locken. Jalila Sbaï lässt ihren Blick schweifen und sagt: Die "Grande Mosquée" sei ein Symbol für die historische Beziehung Frankreichs zum Islam.

"Die Moschee von Paris wurde während der französischen Kolonialherrschaft in Afrika erbaut. Die Idee dazu kam schon früher auf. Schließlich umgesetzt wurde das Projekt dann 1920 – als Dankesgeste für die Zehntausende muslimischen Soldaten aus den Kolonien, die im ersten Weltkrieg für Frankreich ihr Leben gelassen hatten."

Licht der Aufklärung mit kriegerischen Mitteln

Ein Thema, bei dem Jalila Sbaï Expertin ist: Die Professorin forscht am renommierten Collège de France zur Zeitgeschichte der arabischen Welt. 2018 veröffentlichte sie ein umfangreiches Werk zur "muslimischen Politik Frankreichs".

Denn mit seinen Eroberungszügen in Afrika war Frankreich Anfang des 20. Jahrhunderts zur zweitgrößten kolonialen Weltmacht aufgestiegen. Dahinter standen wirtschaftliche Interessen, vor allem aber der Wunsch, das Licht der Lumières, der Aufklärung, Frankreichs Humanismus in die afrikanische Welt zu tragen. Dort eroberte die Armee Länder in der Subsahara, vor allem aber in Nordafrika. Bei der dortigen Bevölkerung handelte es sich zumeist um arabische Muslime. Frankreich sah den Islam als Bindeglied. Als Angelpunkt seiner "muslimischen Politik".

Die Rolle Algeriens

1848, nach fast 20 Jahren Eroberungskrieg, hatte Paris Algerien zu französischem Territorium erklärt, drei Départements eingerichtet. Die Einheimischen wurden offiziell zu Franzosen -  aber als "französische Untertanen" wurden ihnen gewisse Bürgerrechte verwehrt. Seine Unabhängigkeit konnte sich Algerien erst 1962 in einem Krieg zurückerobern, dessen Wunden beidseits des Mittelmeeres längst nicht verheilt sind. Paris hatte auch die beiden Nachbarländer annektiert: Tunesien wurde 1881 französisches Protektorat, 1912 folgte Marokko, 1956 wurden sie in die Unabhängigkeit entlassen.

Im Hintergrund Algerien-Franzosen, Gegner der Unabhängigkeit Algeriens, während einer Demonstration Ende Januar 1960 in Algier. Im Vordergrund an den Barrikaden französische Fallschirmspringer.  (dpa/Picture Alliance)Barrikaden in Algier 1960 - ein Eindruck vom Algerienkrieg (dpa/Picture Alliance)

In ihrer historischen Studie beleuchtet Sbaï die vielschichtige Politik, mit der Paris zwischen 1911 und 1954 die Gebiete insbesondere in Nordafrika, dem Maghreb, zu einem arabisch-muslimischen Großreich formen wollte. Den regionalen Eigenheiten von Algerien, Marokko und Tunesien auch im religiösen Bereich zum Trotz.

Marokkos Sultan kam nach Paris

Dabei war im damals schon laizistischen Frankreich 1905 per Gesetz die strikte Trennung von Staat und Kirche durchgesetzt worden. Welchen speziellen Weg Paris im Umgang mit dem Islam einschlug, zeigt das Beispiel der "Grande Mosquée de Paris".

Die Stadt Paris stiftete das Gelände. Der französische Staat subventionierte per Gesetz den Bau des "muslimischen Instituts mit Moschee, Bibliothek, Studien- und Konferenzsaal" mit 500.000 Francs. Zu dessen Eröffnung im Juli 1926 kam sogar Staatspräsident Gaston Doumergue, erzählt Sbaï:

"Die Einweihung übernahm der Sultan von Marokko, symbolhaft für die religiöse Union des muslimischen Reichs Frankreichs."

Auf der Rückseite des Gebäudekomplexes geht es durch einen begrünten Innenhof links in den prachtvollen Hammam. Rechter Hand liegt das ebenso traditionsreiche Restaurant 'Aux portes de l'Orient'.

Eine Flucht von kleinen Räumen, verzierte Holzdecken, die Wände zinnoberrot, mit leuchtenden Mosaik-Friesen verziert, als Tische dienen kreisrunde Kupfertabletts. Es riecht nach Minze-Tee und orientalischen Gewürzen.

Pforte zum Orient

Jalila Sbaï hat sich an einem der letzten freien Tische niedergelassen und ein Couscous mit Huhn bestellt.* Seitdem das Restaurant 1926 den Betrieb aufgenommen hat, öffnete es Generationen von Franzosen gewissermaßen Pforten zum Orient.

"Das Restaurant war eine Hochburg des mondänen, intellektuellen und politischen Pariser Lebens und ist dies auch heute noch ein bisschen. Bei unzähligen Festen und Empfängen trafen sich hier alle von Rang und Namen, sogar die deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg. Im Mittelpunkt stand dabei natürlich die allgemeine Kultur Nordafrikas und nicht die Religion."

Zu diesem mondänen Ort hatten jedoch die meisten Muslime, die im "französischen Mutterland" lebten, keinen Zutritt. Während des ersten Weltkriegs waren 180.000 Algerier, zumeist junge alleinstehende Männer, in Waffenfabriken, in der Landwirtschaft und im Transportsektor beschäftigt.

Ihr Alltag wurde von der Religion geprägt – auf Wunsch vieler damaliger Unternehmer, Politiker, Kirchenverantwortlichen, so Jalila Sbaï.

"Man erlaubte den zugewanderten Muslimen nicht nur, ihre Religion auszuüben, häufig ermunterte man sie sogar dazu. Weil man hoffte, sie so von der französischen Gesellschaft fernzuhalten, damit sie sich nicht politisierten. Man fürchtete negative Auswirkungen in den Gebieten unter französischer Herrschaft, falls die Arbeiter dort politische Ideologien einschleppten, insbesondere den Kommunismus."

Gebetsräume für muslimische Arbeiter

Die Wohnheime für muslimische Arbeiter in Frankreich wurden mit Gebetsräumen ausgestattet, mancher Unternehmer rüstete in seiner Fabrik entsprechend nach.

"Zudem holte man nicht nur Imame, sondern auch Chefs sogenannter islamischer Bruderschaften aus dem Maghreb. Mit dem Ziel, die Muslime in Frankreich von ihren eigenen religiösen Führern betreuen zu lassen."

Was auch bedeutet: Abseits der restlichen, christlichen  Bevölkerung. Gleichzeitig war mancher Katholik in Frankreich von einem überzeugt: Auch wer den islamischen Glauben praktiziert, strebt ein ehrsames, gottesfürchtiges Leben an.

Jalila Sbaï hat den Untertitel ihres Werks zur "muslimischen Politik Frankreichs" als Frage formuliert: "Ein christliches Projekt für den Islam?" Darin resümiert sie ihre These:

"Bis zu Beginn der 1950er-Jahre, in der Kolonialzeit, versucht Frankreich, die Kräfte des zersplitterten muslimischen Reichs bei sich im 'Mutterland' zu zentralisieren. Die Achse, die diese Politik bestimmt, ist der Islam - er soll reformiert werden, indem man ihn "christianisiert", um die Muslime zu assimilieren."

Eine wesentliche Rolle dabei spielten die kolonialen Verwaltungsinstitutionen. Dort fanden sich vielfach Christen in Schlüsselpositionen. Ideologisch wurde darüber debattiert, ob das Christentum des Islam überlegen sei. Wobei die Meinungen dazu selbst bei den Katholiken weit auseinander gingen.

Dominique Avon erinnert an die Anfangsjahre. Avon leitet das Pariser "Studieninstitut für den Islam und Gesellschaften der muslimischen Welt" und erforscht die Beziehungen zwischen Kirche und Islam.

"Die Eroberung von Algerien war insofern nicht geplant, als es anfangs kein Projekt der Kolonialisierung gab. Somit verfügte 1830 auch die katholische Kirche nicht über einen diesbezüglichen Plan."

Freundschaft zwischen Erzbischof und Emir

Acht Jahre später dann trat in Algier der erste Erzbischof, Antoine-Adolphe Dupuch, an. Der Katholik freundete sich mit dem damaligen Emir von Algier an, Abdelkader. Der religiöse Führer engagierte sich für eine Reform des Islams. Und leitete militärische Feldzüge gegen die Invasoren – beides war der französischen Armee ein Dorn im Auge, sagt Dominique Avon:

"Als die Armee Abdelkader nach dessen Kapitulation hatte festnehmen können, wurde er trotz gegenteiliger Versprechen mit seiner Familie im Loire-Schloss Amboise unter Hausarrest gestellt. Der Erzbischof von Algier setzte sich daraufhin für Abdelkaders Freilassung ein."

Auch für die katholische Kirche war und blieb die Lage in Algerien überaus komplex. Ihr Traum von einer Wiederbelebung der Kirche in Nordafrika wie zu Zeiten von Kaiser Augustus war bald ausgeträumt. Unter anderem, weil sich die fast ausschließlich muslimische Bevölkerung dagegen wehrte.

"Zudem widersetzt sich die französische Armee den Missionars-Projekten der ersten beiden Erzbischöfe in Algier."

Aus Pariser Perspektive war der Islam der gemeinsame Nenner der arabisch-muslimischen Bevölkerung. Als solchen hatte Frankreich darauf gesetzt, ihn nach den Eroberungszügen zu instrumentalisieren.

Erbitterter Widerstand im Namen des Islam

Doch speziell in Algerien leisteten die Einwohner lange Jahre erbitterten Widerstand – im Namen des Islam. Nationalstaatliches Denken war damals noch unbekannt, wie Historikerin Jalila Sbaï erinnert.

"Die Gewalt, mit der die Muslime ihren Boden verteidigten, hat die Franzosen überrascht. Und bei ihnen zu massiver Gegengewalt geführt, wie sich in zahllosen Berichten nachlesen lässt. Im öffentlichen Bewusstsein in Frankreich galt der Islam als etwas ungemein Gefährliches. Die Kultus-Strukturen mussten zerstört werden, um zu verhindern, dass die Eroberer aus Algerien rausgeworfen werden. Da ging es um die Stabilität des französischen Reichs."

Die Kolonialherren setzten auf eine Kontrolle des religiösen Alltags in Algerien. Sie beschlagnahmten den Besitz muslimischer Gemeinden und zerschlugen die traditionellen Organisationsstrukturen. Gerade im ländlichen Raum wurden Koranschulen geschlossen, Imame in den Moscheen ihres Amts enthoben, in die Flucht getrieben. Fürderhin war es die französische Verwaltung, die das Kultus-Personal bezahlte. Und somit dafür sorgte, dass in den Moscheen nicht zum Widerstand aufgerufen wurde.

Macrons: Kolonialisierung war Verbrechen

Das erinnert an die Politik von Napoléon Bonaparte. Der selbsternannte Monarch hatte in Frankreich darauf gesetzt, die traditionell königstreue katholische Kirche an sich zu binden. Per Konkordat stellte Napoléon ab 1802 den Klerus in den Staatsdienst: bis 1905 erhielten Bischöfe und Priester Lohn vom Staat, sie wurden Beamte. Ähnlich wurde später in Algerien verfahren.

"Als dann im Mutterland 1905 das Gesetz zur strikten Trennung von Staat und Kirche verabschiedet wurde, war es unmöglich, dies in den besetzten Überseegebieten umzusetzen, weil man dort die traditionellen Strukturen und Finanzen zerstört hatte. Das führte zu einem Paradox: Frankreich als nunmehr laizistischer Staat hat auf französischem Boden, in Algerien, weiterhin den muslimischen Kultus finanziert."

Frankreichs Kolonialherrschaft in Algerien wirft bis heute lange Schatten und führt regelmäßig zu Historiker-Kontroversen.

Emmanuel Macron bei einer Pressekonferenz bei seinem Besuch in Algier im Dezember 2017 (picture alliance / Bensalem - App/MAXPPP/dpa)Emmanuel Macron bei einer Pressekonferenz bei seinem Besuch in Algier im Dezember 2017 (picture alliance / Bensalem - App/MAXPPP/dpa)

55 Jahre nach Ende des Algerienkriegs, Anfang 2017, besuchte Emmanuel Macron Algier. Der damalige Kandidat im französischen Präsidentschaftswahlkampf gab eine historische Erklärung ab, die beidseits des Mittelmeeres für Wirbel sorgte

Die Kolonialisierung von Algerien sei, so Macron "ein Verbrechen gegen die Menschheit/Menschlichkeit" gewesen. Für das Frankreich sich entschuldigen müsse.

"Tod-Feinde"?

Das fordert auch der Politologe Olivier Le Cour Grandmaison. In mehreren Büchern hat er sich sehr kritisch mit der kolonialen Vergangenheit Frankreichs beschäftigt. Sein letztes Werk, das Ende 2019 erschien und viel Beachtung fand, geht den historischen Vorstellungen auf den Grund, die Frankreich sich vom Islam und den Muslimen gemacht hat. Sie galten, so der Buchtitel, als "Tod-Feinde".

"Der Titel "Tod-Feinde" ist ein Zitat, deshalb steht es in Anführungszeichen. Es ist mir bewusst, dass der Begriff gewalttätig wirkt. Aber ich halte die Wortwahl für notwendig – denn sie ist eine präzise Synthese der wesentlichen Islamdarstellungen, die Frankreichs Eliten, Gelehrte, Politiker, Akademiker Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts schmiedeten."

Das Zitat hat Olivier Le Cour Grandmaison dem renommierten Schriftsteller, Philologen, Philosophen und Historiker Ernest Renan entliehen.

"Bei der elitären Konstruktion der Islamophobie, die Ende des 19. Jahrhunderts aufkam, nahm Ernest Renan einen zentralen Platz ein."

An Renans Arbeiten orientierten sich unzählige andere Wissenschaftler: Historiker, Ethno-Psychologen, Soziologen, Experten im Bereich Kolonialrecht und andere. Denn damals boomten die orientalischen Studien. Zwar waren Renans Thesen keineswegs unumstritten, doch die Kritiker fanden weit weniger Gehör als der so überaus renommierte Gelehrte.

Renans Spätfolgen

Peu  à peu habe Ernest Renan in der Gesellschaft den Ton angegeben mit seiner Darstellung des Islam, sagt Politologe Le Cour Grandmaison.

"In seiner Vorstellung war der Islam eine im Kern kriegstreiberische Religion. Im Wesen feindlich gegenüber dem freien Gebrauch der Vernunft, also auch gegenüber dem technologischen und wissenschaftlichen Fortschritt. Dem Fortschritt ganz generell. Folglich entstand das Bild einer Religion, dessen Anhänger als die "Anderen", als "Barbaren" galten. Als Haupthürde bei der Ausdehnung der einzigen lohnenswerten Zivilisation – der europäischen, genereller gesagt, der westlichen."

In Renans Gefolge schmückten andere die Muslime mit weiteren vorgeblichen Eigenheiten aus: Die "Araber" seien faul, triebgesteuert, fatalistisch, fanatisch.

Geprägt wurde ein negatives Bild, das in der dritten Republik ebenso in der damals beliebten sogenannten Kolonialliteratur Eingang fand wie auch in Schulbüchern. Und dass bis heute Spuren im kollektiven Unterbewusstsein hinterlassen hat.

Der Bau der "Grande Mosquée de Paris" vor knapp hundert Jahren galt als Symbol für die "religiöse Union des muslimischen Reichs Frankreichs". Seine Kolonien hat das Land längst verloren. Und von einer "religiösen Union" fühlen sich Frankreichs Muslime weit entfernt.

Laizismus-Leitfaden

Seit mehr als dreißig Jahren sorgt das Thema Islam im Land regelmäßig für Schlagzeilen. Als 1989 Schülerinnen einer Mittelschule in Creil in einem Fernsehbeitrag das Kopftuch zum Glaubensbekenntnis erklärten, löste das eine erste Großdebatte aus. Seitdem wurden Kopftuch- und Burkaverbote erlassen, es gibt einen Laizismus-Leitfaden für Schulen, Universitäten, Sport- und Kulturvereine, Privatwirtschaft. Die Laicité gilt als mindestens so wichtig wie Liberté, Egalité und Fraternité. Häufig werden in den hitzigen Debatten Vorurteile aus der Kolonialzeit neu aufgelegt.  

Eine Frau mit Kopftuch auf einer Demonstration gegen das Kopftuchverbot in französischen Schulen im März 2013 (Picture Alliance / Remi Ochlik)Eine Frau mit Kopftuch auf einer Demonstration gegen das Kopftuchverbot in französischen Schulen im März 2013 (Picture Alliance / Remi Ochlik)

Staatspräsident Emmanuel Macron hat kürzlich dem muslimischen "Separatismus" den Kampf angesagt, er will Kultusfinanzen und Imam-Ausbildung neu ordnen, eine Reform des "Islam de France".

DEN Islam – im Singular - hat es so allerdings nie gegeben, die Religion hat viele Gesichter. Die Historikerin Jalila Sbaï warnt vor Vereinfachungen:

"Die muslimische Bevölkerung ist so stigmatisiert worden, dass sie sich immer mehr auf ihre jeweilige Ursprungskultur zurückbesinnt. Seit zwei Jahren nehmen "ethno-kulturelle" oder auch "ethno-religiöse" Moscheen zu. Gläubige mit Wurzeln in der Subsahara haben ebenso ihre eigenen Gebetsräume wie jene, deren Vorfahren aus Marokko stammen. Wir sprechen hier von der zweiten, dritten Generation. Nun gehen immer mehr nicht einfach in die nächstgelegene Moschee, sondern in eine, die der eigenen Ursprungskultur entspricht. Wir wissen nicht, wo das auf Dauer hinführen wird."

*Das Treffen fand statt, bevor Corona-Beschränkungen erlassen wurden.

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