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Deponien für Klimagas

Umwelt. - Kohlendioxid aus Industrie und Verkehr gilt als zusätzliche Heizquelle für das Klima. Neben der Reduktion der Emissionen könnten auch unterirdische Lager einen Weg zu niedrigeren Kohlendioxidkonzentrationen darstellen. Ein neues Projekt untersucht jetzt die CO2-Lagerung.

Von Jan Lublinski | 26.09.2005

Die Speicherung von Kohlendioxid in der Erde, im Fachjargon Kohlendioxid-Sequestrierung genannt, war lange eine Idee, die lange nur von Umweltschützern und Grundlagenforschern ernst genommen wurde. Das aber hat sich geändert, seit der Kohlendioxid-Ausstoß für die deutsche Industrie zu einem Kostenfaktor geworden ist. Wenn Unternehmen in Zukunft das von ihnen produzierte Kohlendioxid unter Tage speichern, so müssen sie weniger Emissions-Zertifikate kaufen und können somit Geld einsparen. Insbesondere die Energieversorger fragen sich nun, ob, wo und wie diese neue Technologie wirtschaftlich eingesetzt werden kann. Fest steht auf jeden Fall:

"Wir haben in Deutschland vor allem Speicherkapazitäten in Norddeutschland, im norddeutschen Becken zu erwarten, das nördlich vom Münsterland bis in die Nordsee hinein ragt und dann sich von der niederländischen Grenze bis zur polnischen Grenze sich erstreckt. Überall dort sind Gesteine vorhanden, in denen Kohlendioxid theoretisch gespeichert werden könnte. Wir schätzen, dass etwa vier fünftel des Speicherpotenzials, das wir in Deutschland haben, sich in Norddeutschland befinden wird."

Franz May von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover. Zumindest im Prinzip lässt sich im deutschen Boden das gesamte Kohlendioxid speichern, das die Nation im Laufe von einigen Jahrzehnten produziert. Die Kohlendioxid-Sequestrierung könnte also eine wichtige Brücke werden: hin zu einer Energiewirtschaft der Zukunft, die ausschließlich mit regenerativen Energieträgern auskommt. Das Bundesforschungsministerium unterstützt diese Entwicklung nun mit dem breit angelegten Förderprogramm namens "Geotechnologien". In zehn interdisziplinären Forschungsschwerpunkten soll es dabei weniger um Grundlagenforschung als um konkrete Technologieentwicklung gehen, denn...

"Viele Leute, die aus der Praxis kommen, die Erdgas-Speicherung oder -Transport betreiben, sind der Meinung: Wir haben die technischen Komponenten, es gibt Abscheideanlagen, es gibt Pipelines, Kompressoren für Kohlendioxid – im Grunde sind die technischen Komponenten da. Es geht weniger um die Erforschung einzelner Grundlagen als um das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten im industriellen Maßstab mal zu erproben."

Die Technische Universität Clausthal sowie einige Projektpartner, zu denen auch die beiden großen Energieversorger Vattenfall und E.ON-Ruhrgas gehören, wollen eine konkrete Machbarkeitsstudie erarbeiten - für ein Kraftwerk, das einerseits Erdgas fördert und verbrennt und das andererseits das produzierte Kohlendioxid an Ort und Stelle zurück in die Erde pumpt, was wiederum die Erdgasförderung unterstützt. In anderen Projekten wollen die Experten alternative Speichermöglichkeiten überprüfen: Die Unterbringung des Kohlendioxid in Kohleflözen und in stillgelegten Kohlegruben - sowie die unterirdische Umwandlung von Kohlendioxid in festen Kalk. Außerdem: die Speicherung von Kohlendioxid in salzwasserhaltigen Sandsteinschichten, den so genannten salinen Aquiferen - ein besonders viel versprechender Weg, meint Bernhard Krooss von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen:

"Die Zwischenspeicherung von Erdgas beispielsweise in Aquiferen ist Stand der Technik. Es wird also schon seit Jahrzehnten für die Monate höheren Gasbedarfes, in den Sommermonaten, zwischengespeichert in verschiedenen Speichersystemen. Diese Technologie ist bekannt. Man kann ausgehend von dieser Technologie relativ schnell auf Kohlendioxid-Technologie umschalten, wobei wiederum die speziellen chemischen und physikalischen Eigenschaften von Kohlendioxid berücksichtigt werden müssen. Dann kommen eben so Fragen wie Korrosion, Standfestigkeit der Bohrungseinrichtungen über geologische Zeiträume zum Tragen."

Fragen der Sicherheit und der Kontrolle bilden weitere Schwerpunkte des Geotechnologienprojektes: Wie lässt sich nachprüfen, dass das Kohlendioxid wirklich dort bleibt, wo man es ursprünglich einmal hingepumpt hat? Und: Auf welche Weise lässt sich kontrollieren, ob ein Kraftwerk tatsächlich eine bestimmte Menge Treibhausgas im Boden entsorgt hat? Für Antworten auf diese Fragen wird der deutsche Steuerzahler in den kommenden drei Jahren 7,5 Millionen Euro ausgeben. Aber auch die verschiedenen Unternehmen beteiligen sich an der Finanzierung der neuen Forschungsprojekte, und sie werden es sich gut überlegen, ob und wo sie hier in Zukunft weiter investieren werden.