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StartseiteAtelier neuer MusikRitual und Kalkül29.08.2015

Der Avantgardist Karel GoeyvaertsRitual und Kalkül

Eine einzige Geste aus Bachs 'Matthäus-Passion' reichte Karel Goeyvaerts aus, um damit eine ergreifende Musik zu gestalten. Zwanzig Minuten lang wird dieses Motiv in 'Ach Golgatha' wiederholt. Mal tritt ein Klang hinzu, mal verschwindet einer und wird durch Stille ersetzt. Durch einfache Addition oder Subtraktion lässt die Musik die sie konstituierende Mechanik erkennen. Gleichzeitig wird deutlich, wie musikalische Zeichen entstehen, deren Wirkung über das unmittelbar Gesagte hinausgeht.

Von Thomas Beimel

Ein Pferd mit Kutsche und Touristen fährt über den historischen Marktplatz der belgischen Stadt Antwerpen, in der Karel Goeyvaerts lebte (picture-alliance / dpa / Jörg Carstensen)
Geburts- und Wirkungsstätte Goeyvaerts: Antwerpen (picture-alliance / dpa / Jörg Carstensen)

Das Spätwerk von Karel Goeyvaerts (1923 - 1993) ist voller Wegweiser, deren Ziel die spirituelle Dimension des menschlichen Lebens ist. Zu Beginn seiner Karriere gehörte der belgische Komponist noch zu den Mitbegründern des Serialismus. Die extreme Determinierung aller musikalischer Parameter erschien ihm eine angemessene Konsequenz auf die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs zu sein, gleichzeitig erlebte er sie aber auch als Ausdruck einer fundamentalen Lebensangst. Um sich davon zu befreien, beschloss er, nicht mehr der damaligen Modeströmung zu folgen und einen eigenen kompositorischen Weg zu suchen.

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