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StartseiteKalenderblattDer Brenner, der nicht von Bunsen war30.03.2011

Der Brenner, der nicht von Bunsen war

Vor 200 Jahren wurde der Chemiker Robert Wilhelm Bunsen geboren

Wenn man von Fachkreisen absieht, ist sein Name der Welt nur durch einen einzigen, banal wirkenden Gegenstand geläufig ... des Bunsenbrenners wegen, eines vielseitigen Gasbrenners, der heute noch zu jedem Chemielabor gehört.

Von Mathias Schulenburg

Robert Wilhelm Bunsen, deutscher Chemiker (picture alliance / dpa)
Robert Wilhelm Bunsen, deutscher Chemiker (picture alliance / dpa)

Dabei hatte der am 30. März 1811 in Göttingen geborene Chemiker Robert Wilhelm Bunsen noch ganz andere Meriten erworben, darunter solche, die einen Nobelpreis wert gewesen wären – wenn es den zu seiner Zeit schon gegeben hätte.

Bunsen studierte an der Göttinger Universität Chemie und Physik und habilitierte sich dort auch. In dieser Zeit entwickelte er ein Mittel gegen Arsenvergiftungen, das noch heute aktuell ist. Nach vier Jahren als Chemielehrer an der Höheren Gewerbeschule in Kassel – an der er sich unter anderem erfolgreich mit der Chemie und Physik des Hochofens befasste – entschloss sich die dortige Landesregierung, ihn gegen einen Marburger Chemieprofessor auszutauschen, was die Universität, die dem 28-Jährigen wenig zutraute, hell empörte. Dabei war Bunsen für Marburg ein großer Gewinn. Seine Aufklärung der Zusammensetzung der hochgiftigen "Cadet'schen rauchenden Flüssigkeit" dort – die sich für Laien vor allem durch einen bestialischen Gestank auszeichnet – galt Fachleuten als Sensation. Ebenfalls ein Produkt der Marburger Zeit: Das "Bunsen-Element", eine Zink-Kohle-Batterie, die bis zur Erfindung des Dynamos die ergiebigste Quelle elektrischen Stroms war. Eine Variante hat es als "Flachbatterie" bis in die Gegenwart geschafft.
Bunsen – unbeweibt und vornehmlich Forschung und Lehre verpflichtet – folgte noch einem Ruf nach Breslau, bevor er 1852 einen Lehrstuhl der Universität Heidelberg übernahm. Dort begründete er zusammen mit dem Physiker Gustav Kirchhoff die Disziplin der chemischen Spektralanalyse, die – im Wortsinne – sehr weit reichende Folgen haben sollte. Im November 1859 schrieb Bunsen einem Freund:

"Kirchhoff hat eine wunderschöne, ganz unerwartete Entdeckung gemacht, indem er die Ursache der dunklen Linien im Sonnenspektrum aufgefunden hat. Hierdurch ist der Weg gegeben, die stoffliche Zusammensetzung der Sonne und der Fixsterne mit derselben Sicherheit nachzuweisen, mit welcher wir Schwefelsäure, Chlor usw. durch unsere Reagentien bestimmen."

Jedes chemische Element nämlich sendet, durch Hitze oder sonstwie angeregt, eine Mixtur sehr reiner Lichtfarben aus oder verschluckt diese, je nach Umstand. Wird ein solcher Lichtstrahl von einem Prisma in die Einzelfarben zerlegt, entsteht auf einem Bildschirm dahinter ein Muster, ein Spektrum, dessen Analyse die sichere Bestimmung der beteiligten Elemente ermöglicht. Wer etwa im Spektrum Schwingungsverhältnisse findet, wie sie dieser Tonfolge von Richard Strauss zu eigen sind, weiß: Der Lichtspender ist Wasserstoff. Bunsen und Kirchhoff ermöglichten so die Analysen auch ferner Sternatmosphären, was unter anderem sicher stellte, dass die chemischen Elemente im ganzen beobachtbaren Universum gleich sind, und die Naturgesetze dazu.
Schließlich forderten die Spektren die Physiker heraus, Erklärungsmodelle zu konstruieren, was zur Atomphysik und schließlich zur Quantentheorie führte.
Auf Erden entdeckte Bunsen mit der Spektralanalyse zwei neue Elemente, Rubidium und Cäsium, im Mineralwasser von Bad Dürkheim, von dem er das Volumen eines Schwimmbeckens verarbeitete, um nennenswerte Mengen der Stoffe zu gewinnen.
Bunsen gelang es auch, von anderen entdeckte Elemente erstmals rein zu erhalten – darunter Barium und Strontium, weshalb jedes Feuerwerk vom Ruhm des Chemikers kündet, denn das grüne Leuchten wird in der Regel von Barium verursacht, das rote von Strontium. Das Blau könnte von Bunsens Cäsium kommen, wenn das nicht so teuer wäre.

Nur ein winziger Schatten lastet auf Bunsens Ruhm – den Bunsenbrenner hatte nicht wirklich er erfunden, sondern der Engländer Michael Faraday, dessen Konstruktion der Heidelberger Instrumentenbauer Peter Desaga – auf Bunsens Geheiß – weiterentwickelt hatte und als "Bunsenbrenner" verkaufte, wohl weil der berühmte Name dem Absatz förderlich war.

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