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StartseiteComputer und KommunikationDer Club der Enzyklopädisten06.03.2004

Der Club der Enzyklopädisten

Mit Wikipedia entsteht ein freies und universelles Lexikon im Netz

<strong>Informationstechnologie. - Nicht nur die Linux-Gemeinde setzt auf die Open-Source-Idee . Was als ideologisches Fundament für vernetzte Softwareentwickler begann, hat mitlerweiler viele Nachahmer. Musiker und Publizisten bespielsweise veröffentlichen zunehmend nach den Regeln der Offenere Quellen. Beispiel Wikipedia: Ohne Verlag und ohne Kapital entsteht im Netz ein globales Lexikon. </strong>

Von Claudia Sanders

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Deutsches Wikipedia

Die unendlichen Weiten des Internets - wer sich in ihnen zurecht finden möchte, klickt eine Suchmaschine an, und schaut was Google und Co. so ausspucken. Oder er macht sich auf zu den Seiten von Wikipedia. Der Amerikaner Jimmy Wales initiierte das Projekt vor drei Jahren:

Vor einigen Jahren hatte ich die Idee, dass ich eine freie Open Source Enzyklopädie kreieren wollte, die umsonst vertrieben werden kann und für jedermann in der Welt ist.

Der Begriff Wiki stammt übrigens aus Hawai, wo Wikiwiki soviel bedeutet wie schnell, schnell. Und das Prinzip hinter der Wikipedia sei so einfach wie bestechend, meint Jimmy Wales:

Wir haben Software die es jedem ermöglicht an dem Projekt teilzunehmen, Artikel zu bearbeiten und wir haben Tausende von Helfern, die arbeiten 24 Stunden am Tag, die ganze Zeit; Sie überprüfen, bearbeiten Artikel und fügen neue hinzu und machen die Enzyklopädie besser und besser.

Wer die Seite aufruft, kann sofort mit machen. Egal ob er sein Wissen zur Ringelrobbe oder zur Quantenphysik niederschreiben möchte: Jeder kann ein neues Stichwort anlegen. Doch ob sein Eintrag so stehen bleibt, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Denn jeder kann auch vorhandene Artikel verändern. Gleichzeitig gibt es zu jedem eingetragenem Stichwort einen Diskussionsfaden, wo herzhaft über die neidergelegten Fakten debattiert wird. Kurt Jansson ist einer derjenigen die in Deutschland Administratoren-Rechte bei der Wikipedia haben:

Man kann sicher sein, dass Artikel die längere Zeit im System sind, zum Beispiel einen Monat existieren, schon von mehreren Leute Kontrolle gelesen worden sind und das zumindest in denen keine offensichtlichen Fehler drin sind... unsere Grundidee ist, je mehr Leute daran mitarbeiten desto besser wird der Artikel mit der Zeit.

Jeder kann die Texte der Wikipedia frei nutzen, sie unterliegen keinen Urheberrechten. Die Administratoren kontrollieren regelmäßig, ob die Nutzer nicht irgendwo - urheberrechtliche geschützte Texte wohlmöglich abgeschrieben haben.

Ich denke es sind über 200 Leute, die regelmäßig mitarbeiten und etwa Tausend, die sehr oft mitmachen und eine unbestimmte Anzahl von Leuten die sich im Laufe der Jahre mal beteiligt haben.

Für manche gewöhnungsbedürftig ist, das in der deutschen Wikipedia geradezu gelichberechtigte Verhältnisse herrschen, es gibt keinen allein Verantwortlichen. Kurt Jansson:

Kümmern um die deutsche Wikipedia tun sich in Deutschland zur Zeit 50 Administratoren, das sind also Nutzer die ein bisschen besondere Rechte eingeräumt bekommen haben. Die dürfen dann zum Beispiel auch mal einen Artikel löschen, dass er unseren Anforderungen nicht genügt und können auch mal Nutzer aussperren, wenn jemand penetrant versucht Vandalismus
zu betreiben, was aber nur sehr selten vorkommt.


Die für jedermann frei zugängliche virtuelle Enzyklopädie muss auch finanziert werden- denn die vollständig werbefrei Seite bringt keinerlei Gelder ein.

Wir haben jetzt eine Stiftung gegründet und wir sammeln Spenden und so finanzieren wir das Projekt zur Zeit.

Ende des vergangenen Jahres rief Jimmy Wales die Wikipedia-Nutzer zu Spenden auf, damit die hohen Providerkosten gedeckt sind. Innerhalb von wenigen Tagen kamen so rund 26 Tausend Dollar zusammen. Die Wikipedia, die es mittlerweile in 69 Sprachen gibt und wo allein bei der deutschen Ausgabe rund 59 Tausend Stichwörter verzeichnet sind, soll es bald auch in gedruckter Form geben

Und wir planen unsere erste englische Buchversion, die voraussichtlich Ende des Jahres erscheinen wird, wir verhandeln gerade mit einem Verlag, und wir planen weitere Ausgaben in anderen Sprachen im nächsten Jahr.

Wobei die deutsche Wikipedia erst einmal nur ein rein virtuelles Projekt bleiben soll. Nur Reader zu einzelnen Themenschwerpunkten planen die Administratoren

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