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StartseiteWirtschaft und GesellschaftDeutsche Fischer kämpfen um Fanggründe14.08.2019

Der Dorsch, der Hering und der BrexitDeutsche Fischer kämpfen um Fanggründe

Mitten im Hamburger Fischmarkt hat das deutsche Fischinformationszentrum über den Zustand der Branche und das Einkaufsverhalten der Deutschen berichtet. Da zeigt sich: Auf den Dorschfang sollte ganz verzichtet werden. Und dann spielt auch in der Fischwirtschaft US-Präsident Trump eine Rolle.

Von Axel Schröder

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Ein Dorsch wird von Bord eines Angelkutters mit einem Kescher aus dem Wasser der Ostsee geholt.  (ZB/dpa/ Bernd Wüstneck)
Die Dorschpopulation ist in teils schlechtem Zustand (ZB/dpa/ Bernd Wüstneck)
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Fischgeruch liegt in der Luft im langgestreckten, gekachelten Bau des Hamburger Fischmarkts, direkt an der Elbe. Die Fischkutter legen hier zwar schon lange nicht mehr an, aber ein guter Teil des Umschlags für Norddeutschland findet hier immer noch statt.

"Die Eigenanlandungen  der deutschen Fischerei und die in Aquakultur erzeugte Menge betrug im Jahr 2018 insgesamt 301.000 Tonnen."

An steigenden Fischpreisen hat auch Trump seinen Anteil

René Stahlhofen, der Vorsitzende des Hamburger Fischinformationszentrums FIZ zeigte sich heute hochzufrieden mit dem Absatz der Branche. Wie klein die Eigenanlandungen von Fisch in Deutschland aber sind, zeigt ein Blick auf zwei andere Zahlen: eine Million Tonnen werden exportiert, fast zwei Millionen Tonnen importiert, darunter so beliebte Arten wie Pangasius oder Thunfisch. Nach den Zahlen des Fischinformationszentrums essen die Deutschen pro Jahr im Schnitt 5,1 Kilogramm Fisch, Spitzenreiter sind die Hamburger mit 6,5 Kilo. Unterm Strich, so FIZ-Sprecher Matthias Keller, ist der Preis für die Ware gestiegen. Durch das Wachstum der Weltbevölkerung und auch durch die Politik von Donald Trump, so Keller:

"Herr Trump hat verfügt, dass in den Schulen mehr heimischer Fisch, also Alaska-Seelachs eingesetzt wird. Und das verteuert natürlich den Preis für uns, weil die Nachfrage exorbitant in diesen Ländern gestiegen ist. Genauso China, genauso Russland."

Der Brexit und die Sorge um Fanggebiete

Gespannt schaut die Branche zur Zeit auf die weiteren Brexit-Verhandlungen. Denn die britischen Fischer wünschen sich, dass sie nach einem Ausstieg aus der EU auch nicht mehr an das System der Fangquoten gebunden sind. Unterm Strich müssten dann deutsche Fischtrawler auf einen Teil ihres Fangs in der britischen See verzichten. Bislang sei dieses Risiko aber kaum abzuschätzen, so Matthias Keller vom FIZ:

"Es wird sicher nicht einseitige Vorteilsnahmen geben. Man wird sich angleichen müssen an ein Geben und Nehmen."

Allerdings sei die derzeitige britische Fischfangflotte schlicht zu klein, um die Kontingente anderer Länder einfach zu übernehmen.

Es bleibt das Problem mit der Überfischung

So entspannt die Stimmung der deutschen Fischwirtschaft ist, so angespannt ist die Situation für einige Fischpopulationen in der deutschen Ostsee. Dr. Christina Barz vom Rostocker Thünen-Institut:

"Beim Hering der westlichen Ostsee sehen wir jetzt ganz deutlich den Einfluss von Klimaveränderungen. Und zwar ganz spezifisch lokale Temperaturveränderungen, die den Hering der westlichen Ostsee beeinflusst."

Auch einige Dorschpopulationen in der westlichen Ostsee sind durch die jahrzehntelange Überfischung trotz bereits reduzierter Fangquoten in einem schlechten Zustand. Der Internationale Rat für Meeresforschung empfiehlt deshalb, ganz auf den Dorschfang zu verzichten. Eine Forderung, die auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace unterstützt und auf andere Fischarten ausgeweitet sehen möchte. Derzeit wird darüber verhandelt, ob den betroffenen Fischfang- und verarbeitungsbetrieben an der Ostseeküste bei einem Fangstopp mit Ausgleichszahlungen geholfen werden kann.

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