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StartseiteKalenderblattDer Finanzier der Fürsten06.03.2009

Der Finanzier der Fürsten

Der Kaufmann und Bankier Jakob Fugger wurde vor 550 Jahren geboren

Er war der erste Kaufmann, der in den Grafenstand erhoben wurde: Jakob Fugger. Seine finanzielle Macht reichte so weit, dass er die Wahl zum deutschen Kaiser entscheiden konnte. Von den Zeitgenossen wurde er verehrt, aber auch gehasst. Für Martin Luther und den Humanisten Ulrich von Hutten war er das Feindbild des eiskalten Kapitalisten schlechthin; auf verschiedenen Reichstagen versuchte man vergeblich, seine Macht zu beschränken. Aber mit seinen Krediten lieferte der Kaufmann, der reicher war als die italienischen Medici, das Geld, das die hungrigen neu entstehenden Territorialstaaten der Frühen Neuzeit für ihren Aufbau brauchten. Heute vor 550 Jahren wurde Jakob Fugger, genannt "der Reiche", in Augsburg geboren.

Von Christian Berndt

Die Fuggerei in Augsburg, erbaut von Jakob Fugger, ist die älteste erhaltene Sozialbausiedlung  der Welt. (context medien Augsburg)
Die Fuggerei in Augsburg, erbaut von Jakob Fugger, ist die älteste erhaltene Sozialbausiedlung der Welt. (context medien Augsburg)

Die ganze Stadt ist im Freudentaumel. Augsburg ist stolz auf seinen Sohn, der gerade Geschichte geschrieben hat. In Frankfurt am Main haben die Kurfürsten 1519 den neuen König des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gewählt. Als Karl V. besteigt der Monarch aus dem Hause Habsburg den Thron, und im ganzen Reich weiß man, wem er diese Wahl zu verdanken hat: dem Augsburger Geschäftsmann Jakob Fugger. Er hat den Großteil der Summe aufgebracht, um die Stimmen der Kurfürsten zu kaufen und damit den Österreicher Karl gegen den französischen Konkurrenten durchzusetzen. Jakob Fugger steht im Zenit seiner Macht, und er ist so selbstbewusst, dass er den Kaiser noch vier Jahre später daran erinnern kann, wem er seine Macht verdankt: als die Firma Fugger wegen Monopolvergehen angeklagt wird, fordert Jakob unverblümt Hilfe.

"Es ist bekannt, dass Eure Kaiserliche Majestät die Römische Krone ohne meine Mithilfe nicht hätte erlangen können. Denn wenn ich hätte vom Hause Österreich abstehen und Frankreich fördern wollen, so hätte ich viel Gut und Geld erlangt. Welcher Nachteil aber hieraus Eurer Kaiserlichen Majestät erwachsen wäre, das hat Eure Majestät wohl zu erwägen."

Als Jakob Fugger am 6. März 1459 geboren wird, spricht nicht viel für diese sensationelle Karriere. Als elftes Kind einer erfolgreichen Kaufmannsfamilie ist er für eine geistliche Laufbahn bestimmt. Erst als mehrere Geschwister sterben, holen die älteren Brüder den 19-jährigen zurück in die Firma. In Rom und Venedig ausgebildet, wird er für die Innsbrucker Filiale der Firma zuständig, die mittlerweile in ganz Europa Geschäftsverbindungen unterhält. Das wird der Schlüssel zum Erfolg, wie der Wirtschaftshistoriker Lars Börner erklärt:

"Das machte natürlich die Fugger-Unternehmen stark. Sie waren überall in Europa mit Faktoreien vertreten und konnten entsprechend auch zeitgleich im Prinzip Geschäfte überall in Europa tätigen und entsprechend zum Beispiel auch im Bankgeschäft. Eines der Kerngeschäfte war dann eben auch, dass sie Gelder transferiert haben von einer Stadt in Europa in die andere, von Norden nach Süden."

1485 initiiert Jakob von Innsbruck aus einen Kredit an Erzherzog Sigismund von Tirol. Hier liegen die ergiebigsten Metallbergwerke Europas. Die Fugger lassen sich ihre Darlehen in Edelmetallen bezahlen, und Jakob, der selbst die Förderung übernimmt, macht mit genialem Geschäftssinn und - teilweise skrupellosem Hintergehen von Handelspartnern - eine Goldgrube daraus. Als 1490 der überschuldete Herzog vom deutschen König und späteren Kaiser Maximilian I. abgelöst wird, kann Jacob seine Beziehungen zu den Habsburgern spielen lassen. Die Fugger werden nun Finanziers des mächtigsten europäischen Herrscherhauses, sie bezahlen Kriege und Friedensverhandlungen, Beamte und Soldaten. Das Geld kommt von stillen Teilhabern, vor allem Kirchenfürsten, denen das kanonische Recht verbietet, Zinsen zu nehmen.

Lars Börner: "Die Kirchenleute, das waren die Leute, die viel Geld hatten, und die Gelder wollten die auch anlegen. Wenn man die Quellen liest, auch aus dem Vatikan, dann ist es kein Geheimnis, dass auch der Papst möglichst gerne hohe Renditen rausgezogen hat. Zinsverbot hin, Zinsverbot her."

Wie kein anderer passt sich Jakob Fugger, der mittlerweile die Firma vollständig dominiert, mit Können und Skrupellosigkeit der Dynamik des frühkapitalistischen Aufbruchs an. Martin Luther wettert:

"Aber das größte Unglück für die deutsche Nation ist gewiss das Kreditwesen. Es besteht nicht viel länger als 100 Jahre und hat schon fast alle Fürsten, Stifte, Städte, Adel und Erben in Armut, Jammer und Verderben gebracht. Hier müsste man wahrlich auch den Fuggern und dergleichen Gesellschaften einen Zaum ins Maul legen."

Jakob Fugger bemühte sich mit Wohltaten wie der Fuggerei in Augsburg, der bis heute ältesten erhaltenen Sozialbausiedlung der Welt, den Anfeindungen entgegenzutreten. Doch die Fürsten brauchten die Finanziers, die den neu entstehenden Territorialstaaten das Geld für den Aufbau lieferten. Nach eigener politischer Macht aber hat Jakob Fugger, anders als die italienischen Medici, die er an Reichtum noch übertraf, nie gestrebt. Zwar wurde er als erster Kaufmann in den Grafenstand erhoben, aber nicht einmal in seiner Heimatstadt Augsburg hatte er Zugang zu den höchsten Ämtern. Dort war nur Platz für das alteingesessene Patriziat - nicht aber für den Enkel eines eingewanderten Webers.

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