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StartseiteComputer und KommunikationDer Fotohunger der Nachrichtenagentur30.05.2009

Der Fotohunger der Nachrichtenagentur

Wie ein Pressefotograf Bilder verschickt und verwaltet

<strong>Profifotografen pflegen ihre Aufnahmen mit großem Aufwand, stellen sie doch ihr Kapital dar. Wie sie dabei vorgehen und welche Werkzeuge ihnen dabei helfen, schildert der Profifotograf Roberto Pfeil in Computer & Kommunikation.</strong>

Roberto Pfeil im Gespräch mit Maximilian Schönherr

Profifotografen stehen im digitalen Zeitalter unter Zeitdruck. (AP)
Profifotografen stehen im digitalen Zeitalter unter Zeitdruck. (AP)

Maximilian Schönherr: Spielt denn die Gesichtserkennung oder das Geo-Tagging für Sie als Profifotograf eine Rolle?

Roberto Pfeil: Das mag im Profibereich nicht machbar sein, weil wir müssen ja den Zeitungen Schlagworte anbieten, damit sie später die Bilder auch wieder finden. Das ist wichtig. Auch der Ort ist wichtig, wo so etwas aufgenommen worden ist, aber eben das Thema, sagen wir einmal, Bundespräsidentenwahl zum Beispiel. Das muss drin stehen, damit die Zeitungen genau danach suchen können, weil Zeitungen bestehen aus vielen Ressorts und jedes Ressort ist an seinen Bildern interessiert. Und deswegen müssen diese Schlagworte sein, sonst funktioniert das nicht, sonst findet man die Bilder definitiv nicht wieder.

Schönherr: Ihre Haupttätigkeit für AP ist die Sportberichterstattung. Das heißt Sie sitzen mit dem langen Teleobjektiv da und nehmen dann viele Bilder auf. Wie viele denn pro Spiel?

Pfeil: Das kommt auf das Spiel an, wenn das Spiel langweilig ist, wird nicht sehr viel dabei herumkommen. Im digitalen Zeitalter kann das schon so bei etwa 800 Bildern liegen, die man sich anschauen muss.

Schönherr: Was passiert dann mit diesen Bildern?

Pfeil: Vor Ort werden sie auf den Computer geladen und sofort von mir bearbeitet. Das, was ich meine, was wichtig ist, was das Spiel wieder gibt, wird dann auch sofort per UMTS in die Zentralredaktion geschickt und von dort aus weiter an die Kunden.

Schönherr: Das heißt, sie sind mit der Organisation beschäftigt, noch während das Spiel läuft. Der Aufwand ist schon erheblich?

Pfeil: Sie ist wesentlich erheblicher geworden als noch zu Zeiten von Filmen, wo wir noch das Spielfeld verlassen mussten, um das zu machen. Das geht jetzt nicht mehr, jetzt ist man wirklich die ganze Zeit mit der Produktion von Material beschäftigt, von der ersten bis zur letzten Minute.

Schönherr: Wie groß ist so ein Bild, wenn Sie das dann übermitteln an die Agentur?

Pfeil: Wir sind angehalten, unsere Bilder herunter zu rechnen, weil die Zeitungen nicht in der Lage sind, riesige Datenmengen - Sie müssen sich vorstellen, bei der Weltmeisterschaft bekamen einige Zeitungen bis zu 9000 Bilder von einem Spiel - zu verkraften. Wenn da jetzt die Datenmengen zu groß werden, dann killt das hinten den Computer. Also sind wir angehalten, unsere Bilder auf maximal 1,2 MB zu beschränken.

Schönherr: Und das läuft über UMTS mit welcher Geschwindigkeit pro Bild zunächst einmal an AP?

Pfeil: Das geht zunächst an AP, dort wird es noch einmal gegengelesen, es wird eine Geschwindigkeit von ungefähr 10 Sekunden pro Bild sein.

Schönherr: Und wie ist die Zeit bis zu der Ankunft beim Kunden?

Pfeil: Das wird dann wahrscheinlich noch einmal 5 Minuten dauern, denn Sie müssen sich vorstellen, der Redakteur, der dort sitzt, da laufen sehr viele Bilder auf, bis der meins sieht, das kommt ja auch auf die Wichtigkeit an, die wir den Ganzen geben, dann wird es entweder nach vorne geschoben oder es wird hinten an gestellt - immer erst die wichtigen Bilder und dann kommen die nicht so wichtigen Bilder.

Schönherr: Wenn Sie jetzt zuhause sind nach dem Spiel, passiert dann noch etwas oder ist für sie dann die Arbeit abgeschlossen?

Pfeil: Nein, ich mache dann noch die Nachbearbeitung für Themen, die für das Archiv wichtig sind. Also Zeitungen, sagen wir einmal, brauchen etwa den oder den Schiedsrichter ganz dringend, das wird dann sozusagen als Nachbearbeitung gemacht, weil das nichts Aktuelles ist und den aktuellen Dienst stören würde, mache ich das dann im Nachhinein und schicke dann erst die Bilder.

Schönherr: Wie verwalten Sie diese Bilder, damit sie dann etwas wieder finden? Angenommen, Sie werden von jemandem angerufen und müssen weg, und haben ein Bild noch nicht mit Metadaten versehen?

Pfeil: Die Daten sind ja von der Karte auf meinen Computer gewandert und die sind dort gelagert. Da passiert erst einmal gar nichts. Und wenn es länger dauert, dann werde ich die runterladen auf eine DVD, haben weil diese Mengen würden mir sonst die Festplatte blockieren.

Schönherr: Und wie finden Sie die Daten auf ihren DVDs?

Pfeil: Ich habe ich vor allem mit einem Datum versehen und einem Schlagwort, was für ein Assignment ich dort fotografiert habe. Zum Beispiel Fußball-Köln, dann weiß ich ganz genau, das ist der Event, den ich jetzt brauche.

Schönherr: Und die privaten Fotos, das ist das letzte Thema, was wir besprechen können?

Pfeil: Die privaten Fotos, ja die lagere ich auf einer externen Festplatte, wo sie dann zwischengelagert sind.

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