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StartseiteSport am WochenendeDer große Schweiger des NS-Fußballs08.03.2012

Der große Schweiger des NS-Fußballs

Eine Biographie beschreibt das Leben des Fußballers Paul Janes (1912-1987)

Bekanntlich tragen viele Sportler-Biographien apologetische Züge. Mit seinem Buch über Paul Janes, Deutscher Meister 1933 mit Fortuna Düsseldorf und langjähriger Rekordauswahlspieler des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), hat Michael Bolten indes eine vorbildliche Lebensbeschreibung vorgelegt.

Von Erik Eggers

Die undatierte Aufnahme zeigt den deutschen Fußball-Nationalspieler Paul Janes. (picture alliance / dpa - Schirner Sportfoto)
Die undatierte Aufnahme zeigt den deutschen Fußball-Nationalspieler Paul Janes. (picture alliance / dpa - Schirner Sportfoto)

Am 20. Oktober 1933 verlangte der Völkische Beobachter, das Parteiorgan der NSDAP, vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) eine neue Rhetorik. Die Auswahlspieler sollten nicht mehr "Internationale" heißen, da diese Bezeichnung, so die Parteipropaganda, der "Denkweise des Liberalismus entstamme". Vielmehr sei die einzig richtige Bezeichnung dafür "Nationalspieler". Diese NS-Wortschöpfung hält sich bis heute im deutschen Sport.

Michael Bolten beschreibt in seiner hervorragend recherchierten Biographie über den Fußballstar Paul Janes, der am 11. März 100 Jahre alt geworden wäre, noch viele weitere sporthistorische Preziosen aus dem "Dritten Reich". Damit trägt der Autor dem Umstand Rechnung, dass der Außenverteidiger von Fortuna Düsseldorf nun einmal 70 seiner 71 Länderspiele unter dem Hakenkreuz bestritt. "(…) der ehemalige Volksschüler und gelernte Maurer Paul Janes fand sich in der Rolle des außenpolitischen Botschafter Nazideutschlands wieder", so formuliert es Bolten.

Janes, 1912 als Sohn eines Fabrikarbeiters in Leverkusen-Küppersteg geboren, war ein einfacher Mensch. Sein Spitzname bei der Fortuna, wohin er 1930 wechselte und 1933 die Deutsche Meisterschaft feierte, lautete "Dä Bur", der Bauer. Der große Schweiger war, wie Bolten herausarbeitet, nicht jene ideale Projektionsfläche für die NS-Sportpropaganda, wie sie etwa die Schalker Szepan und Kuzorra darstellten. Er war laut Bolten auch kein Parteimitglied. Doch er profitierte durch den NS-Sport, etwa dadurch, dass er nach Initiative des Reichssportführers 1937 Angestellter bei der Stadt Düsseldorf wurde.

So ist dieses Buch mehr als eine Biographie des einstigen "Rekordnationalspielers", der erst 1970 von Uwe Seeler überholte wurde. Es ist der gelungene Versuch, die sportliche Karriere Janes‘, der 1987 starb, mit der komplizierten Ära des NS-Regimes zu verweben.





Michael Bolten: Paul Janes und die Fliege am Torpfosten, Werkstatt-Verlag Göttingen 2012, 224 Seiten, 16,90 Euro.

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