Freitag, 14.12.2018
 
Seit 08:10 Uhr Interview
StartseiteHintergrundDer Herr der fünf Ringe06.09.2013

Der Herr der fünf Ringe

Ein Deutscher will IOC-Präsident werden

Selbst für ein offenes Geheimnis war es schlecht gehütet: Seit langem gilt Thomas Bach als aussichtsreicher Kandidat für die Spitze des Internationalen Olympischen Komitees. Am Dienstag soll nun gewählt werden. Und nicht nur die Buchmacher glauben an seinen Sieg.

Von Philipp May und Heinz Peter Kreuzer

Thomas Bach will Präsident des Internationalen Olympischen Komitees werden. (dpa / Christian Charisius)
Thomas Bach will Präsident des Internationalen Olympischen Komitees werden. (dpa / Christian Charisius)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast

"You have presented to the world the best Olympic Games ever.”"

"”The Games must go on.”"

Es gilt als das höchste Amt im Weltsport – Präsident des Internationalen Olympischen Komitees. Herrscher über die Olympischen Spiele, Gebieter über ein Imperium mit Rücklagen von fast einer Milliarde US-Dollar, mit Beobachter-Status bei den Vereinten Nationen. Am Dienstag wird in Buenos Aires ein neuer Sport-Papst gewählt. Es könnte ein Deutscher werden.

""Nach vielen Gesprächen mit Freundinnen und Freunden im Nationalen und Internationalen Sport habe ich mich dazu entschlossen, bei der Wahl zum IOC-Präsidenten im September zu kandidieren."

Thomas Bach verkündet an diesem 9. Mai 2013 ein offenes Geheimnis. Seit Jahren zweifelt niemand im IOC daran, dass der umtriebige Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes auf den IOC-Thron strebt.

"Wer auf die Planche geht beim Fechten und daran denkt, was er tut, wenn er verliert, der trägt einen erheblichen Teil dazu bei, dass es dann tatsächlich so kommt."

Als erster von insgesamt sechs Kandidaten lüftet der Tauberbischofsheimer sein Visier. Er scheint sich seiner Sache sicher zu sein. Unter den Buchmachern ist Bach der klare Favorit. Doch wäre er auch der Beste?

Ist er der richtige Mann, um das Erbe des scheidenden Präsidenten Jaques Rogge fortzuführen? Daran gibt es Zweifel. Es geht um seine Seilschaften, geschäftliche Verstrickungen, es geht um seine Glaubwürdigkeit im Anti-Doping-Kampf. Doch um das zu verstehen, muss man das Internationale Olympische Komitee verstehen.

Rückblick, Lausanne 17. März 1999:

"My deepest apology to the athletes, the people of Salt Lake City an Utah the global Olympic family and the millions of citizens worldwide …"

Der lange Jahre allmächtige IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch ist schwer angeschlagen. Ganz kleinlaut muss er sich auf der Vollversammlung der Ringe-Organisation entschuldigen: Bei den Athleten, den Menschen in Salt Lake City, Millionen von Fans, bei der ganzen Welt.

Kurz zuvor war der Korruptionsskandal um die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2002 öffentlich geworden. Die US-amerikanische Stadt hatte den Zuschlag bekommen, vor allem dank massiver Zuwendungen an einzelne IOC-Mitglieder und sogar deren Familienmitglieder. Nun muss Samaranch harte Hand zeigen. Hektisch wird eine Fülle von Reformen vorbereitet. Das alles kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die größte Krise in der Geschichte des IOC, seine, Samaranchs Krise ist.

Die Kultur des Gebens und Nehmens im Internationalen Olympischen Komitee - Juan Antonio Samaranch, in früheren Jahren Gefolgsmann des spanischen Diktators Franco, hat sie etabliert - in über zwei Jahrzehnten an der IOC-Spitze. Ein System aus Netzwerken, Abhängigkeiten und Günstlingswirtschaft.

Und in Samaranchs Gunst ganz oben steht ein junger Deutscher: Thomas Bach.

"Er ist aus meiner Sicht einer der Söhne Samaranch. Ich weiß nicht, ob man sagen kann, der wichtigste. Samaranch hat der olympischen Bewegung durch seine großen finanziellen Sprünge, die das IOC machte, natürlich zur Bedeutung verholfen. Das IOC vor Samaranch war ein wirklich anderes. Und in dieses Gesamtkonzept passte Bach."

sagt Manfred von Richthofen, langjähriger Präsident des Deutschen Sportbundes und heute DOSB-Ehrenpräsident.

1981 - nur ein Jahr nach Samaranchs Thronbesteigung - wird Bach in die Athletenkommission des IOC berufen, 1991 vollwertiges IOC-Mitglied, 2000 erstmals Vize-Präsident. Ein scheinbar unaufhaltsamer Aufstieg.

Doch mit der Krise geht auch die Amtszeit des Paten Samaranch ihrem Ende entgegen. Im Sommer 2001 tritt der mittlerweile 81-Jährige ab. Der Belgier Jacques Rogge - Olympiasegler von 1972, Arzt mit makelloser Vita - gewinnt die Wahl um seine Nachfolge.

"Dr. Jacques Rogge."

"Wachablösung. Samaranch, das IOC-Urgestein, machte dem Belgier Platz. Rogge ist ein Mann, der für Wandel stehen soll: sauberer Sport, sauberes Sportmanagment!"

Die Erwartungen an den neuen IOC-Präsidenten sind hoch. Doch der Hoffnungsträger wird von den alten Seilschaften ausgebremst, das muss der Belgier 2005 nach der IOC-Vollversammlung in Singapur eingestehen. Sein Versuch, aus der geheimen Abstimmung über die Olympiavergabe 2012 eine offene zu machen, um den Druck auf die Mitglieder zu erhöhen, scheitert kläglich.

In den ersten Jahren seiner Amtszeit gelingt Rogge immerhin die Umsetzung der noch unter Samaranch beschlossenen Reformen. Jetzt darf nur eine Koordinierungs-Kommission die Olympia-Bewerberstädte besuchen. Für Mitglieder herrscht Besuchsverbot. Dick Pound, als langjähriger IOC-Spitzenfunktionär maßgeblich an den Reformen beteiligt und Rogge im Präsidentschaftswahlkampf 2001 unterlegen, sagt:

"Wenn es die Krise nicht gegeben hätte, würden wir noch immer nicht Athleten im IOC haben. Insgesamt hat eine Krise immer ihr Gutes. Unterm Strich stehen wir jetzt besser da."

Die neue Struktur löst aber nicht gleichzeitig die alten Netzwerke seines Vorgängers Samaranch auf. Im Hintergrund zieht der Spanier weiter die Strippen. Unter anderem werden ihm die entscheidenden Stimmen für die umstrittene Wahl Sotchis – ein Sommer-Urlaubsort in den russischen Subtropen - als Ausrichter der Winterspiele 2014 zugeschrieben.

Auch die Modernisierung des Olympiaprogrammes, eines der wichtigsten Reformvorhaben der Rogge-Ära, scheitert größtenteils. Sinnbildlich dafür steht der vorläufige Rausschmiss des Ringens, was zum PR-Desaster für die Ringe-Organisation geworden ist.

Eine Herzensangelegenheit Rogges ist die Einführung der Olympischen Jugendspiele, die 2010 in Singapur ihre Premiere feiern:

"Wir müssen auch dafür kämpfen, junge Leute zurück zum Sport zu bringen. Wir müssen den steigenden Bewegungsmangel und die daraus resultierende Fettleibigkeit bekämpfen. Unter diesem Aspekt werden die Olympischen Jugendspiele eine wichtige Rolle spielen und ein Teil des Puzzles, das wir zu Ende bringen müssen."

Auch bei der Dopingbekämpfung lässt Pound – immerhin Gründungspräsident der Welt-Antidopingagentur WADA - kein gutes Haar am scheidenden IOC-Chef. Rogges fehlende Führungsstärke habe dazu geführt, dass die Verbände den Anti-Doping-Kampf nicht ernst nehmen, meint Pound.

In der Tat fällt Rogges Bilanz auf diesem Gebiet zwiespältig aus. In seiner Ära werden zwar Athleten Medaillen nachträglich aberkannt und die Zahl der Kontrollen erhöht, aber von einer neuen, übergeordneten Strategie im Anti-Dopingkampf kann nicht gesprochen werden.

Zu einem milderen Urteil kommt Ed Hula, Chef des Branchendienstes "Around The Rings". Der US-Amerikaner hat die Amtszeit Rogges hautnah miterlebt. Zwar hätte er sich gerade in politischen Fragen oft mehr Mut gewünscht. Dennoch konstatiert Hula:

"Das IOC ist in den 12 Jahren unter Rogge eine stärkere Organisation geworden, mit guten Finanzen und starkem Rückhalt der Sponsoren und Fernsehsender. Er hat das IOC wie ein Unternehmen geführt, ohne wirkliche Ausrufzeichen zu setzen. Er hat Sachen eher im Stillen geregelt. Er war sehr vorsichtig, wie ein typischer Doktor."

Jacques Rogge selbst ist mit sich im Reinen. Nach 12 Jahren an der Spitze der olympischen Bewegung blickt der scheidende Präsident zufrieden zurück:

"Ich habe gesagt, ich rücke die Athleten in den Mittelpunkt der Olympischen Bewegung. Das war ein Erfolg, weil die Olympischen Spiele in meiner Ägide erfolgreich waren, die drei Sommer, zwei Winter – und zwei Jugendspiele. Und das ist das Wichtigste, gute Spiele für die Athleten, sie haben es verdient."

Von seinem Erben wünscht er sich Kontinuität:

"Mein Nachfolger wird die gleichen Herausforderungen und Prioritäten haben wie ich. Das ist der Erfolg der Spiele, die Weiterentwicklung der Olympischen Jugendspiele sowie die Bekämpfung von Doping, Spielmanipulation und illegalen Wetten. Dazu kommt die Sicherung der finanziellen Ressourcen, um den Sport in seiner Breite zu fördern und, dass wir den Sport als Mittel zur Entwicklungshilfe einsetzen."

Um seine Nachfolge bewerben sich gleich sechs Kandidaten. Ein Rekord. Neben Bach sind das: der Schweizer Denis Oswald, Präsident des Weltruderverbandes. Der Chef der Internationalen Box-Föderation, Ching-Kuo Wu aus Taiwan. Und der Weltrekordhalter im Stabhochsprung, Sergej Bubka, mittlerweile Oligarch und Multifunktionär.

Dennoch gilt Bubka, wie auch Wu und Oswald, als Außenseiter ohne reelle Chancen auf den Olympischen Thron. Fürchten muss Thomas Bach dagegen den Puerto Ricaner Richard Carrión und einen Diplomaten aus Singapur mit dem für Europäer fast unaussprechbaren Namen: Ser Miang Ng.

Der 64-jährige Ser Miang, wie Bach IOC-Vizepräsident, wirkt unscheinbar, hat sich jedoch einen Namen gemacht als Organisator der ersten Olympischen Jugendspiele, dem Lieblingsprojekt von Jacques Rogge.

Von "Neuen Perspektiven" spricht Ser Miang Ng. Das Motto von Thomas Bachs Wahlkampf ist dagegen "Einheit in Vielfalt" …

"... weil dadurch die Universalität der olympischen Idee und die Solidarität des internationalen Sports gut zum Ausdruck kommt und weil dieses Motto eben auch widerspiegelt, dass Führungsfähigkeit auch immer wieder Austausch bedeutet immer wieder Respekt vor verschiedenen Kulturen, Meinungen und Herangehensweisen."

Solche blumigen, allgemeingültigen Aussagen sind typisch für einen Wahlkampf im Internationalen Olympischen Komitee. Konkretes, etwa zum Umgang des IOC mit Menschenrechtsverletzungen oder dem Verhältnis von Sport und Politik, hört man nicht, auch nicht von Richard Carrión, der die Sprache der verschwurbelten Statements ebenfalls aus dem FF beherrscht.

"Die Zukunft unserer Bewegung wird von unseren Werten bestimmt. Unsere TV-Verträge und unser finanziellen Rücklagen werden uns nicht helfen, und ich bin zuversichtlich, dass die IOC-Mitglieder wissen, dass es in erster Linie um Werte geht."

Dass Carrión wie auch immer geartete "Werte" ins Zentrum seiner Kampagne stellt, ist kein Zufall. Der Banker aus Puerto Rico ist unter Rogge Chef der mächtigen Finanzkommission im IOC. Er verhandelte die milliardenschweren TV-Verträge, die der Ringe-Organisation immensen Reichtum garantieren. Unter seiner Ägide als Geldbeschaffer haben sich die Rücklagen des IOC auf 900 Millionen Euro verneunfacht.

Doch sein größtes Plus ist zugleich Carrións wunder Punkt. Der Chef der Banco Popular in Puerto Rico wird im IOC nicht als Mann der Werte, sondern nur als Mann der Zahlen wahrgenommen. Er war weder erfolgreicher Sportler noch Sportfunktionär. Ihm fehlt der Stallgeruch.

Den hat Thomas Bach zu Genüge. Niemand ist besser vernetzt als der Wirtschaftsanwalt aus Tauberbischofsheim. Seit über 30 Jahren – länger als die Hälfte seines Lebens – knüpft der 59-Jährige Beziehungsgeflechte im internationalen Sport. Er lernt bei schillernden Figuren wie dem Adidas-Chef Horst Dassler, der bis zu seinem Tod 1987 als heimlicher Herrscher des Weltsports gilt.

"Dassler war ein Genie. Er hat diese geheime Welt aus Schmiergeldern, gekauften Stimmen, beeinflussten Wahlen erschaffen. Er hat Thomas Bach gesagt: Komm‘, arbeite für mich. Und Bach kam und arbeitete für ihn. Das war die Welt, in der Thomas Bach Sportpolitik lernte."

Sagte der britische Enthüllungsjournalist Andrew Jennings, der in den letzten zwei Jahrzehnten zahlreiche Skandale im IOC und bei der FIFA aufgedeckt hat, kürzlich dem WDR Magazin "Sport Inside".

Schmiergelder, gekaufte Stimmen, beeinflusste Wahlen. Es gibt immer wieder Hinweise, dass Bach als Adidas-Direktor Ende der 80er-Jahre daran beteiligt gewesen war. Doch zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte ihm nie etwas.

So geschmeidig sich Bach auf dem Wirtschafts- und dem internationalen Sportparkett bewegt, so wenig tritt der Ex-Fechter dagegen im deutschen Sport in Erscheinung. Erst als im Jahr 2006 der Deutsche Sportbundbund mit dem Nationalen Olympischen Komitee zum mächtigen Deutschen Olympischen Sportbund fusioniert, kehrt Bach auf die nationale Bühne zurück. Als Präsident. Chef des Deutschen Sports, das ideale Sprungbrett für den nächsten Karriereschritt.

"Wir werden den gesellschaftspolitischen Wert des Sports deutlich machen und werden auch deutlich machen, dass der Sport auf die großen Themen dieser Zeit Antworten hat."

Doch Antworten ist der DOSB in sieben Jahren unter Bachs Führung meist schuldig geblieben. Zum Beispiel, wie er dem offensichtlichen Dopingproblem im deutschen Sport begegnen will. Mehr Geld von den Verbänden für die ineffektive und chronisch unterfinanzierte Nationale Anti-Dopingagentur lehnt er ab. Mit Händen und Füßen wehrt er sich gegen ein Anti-Doping-Gesetz, das in den meisten EU-Nachbarstaaten längst verabschiedet worden ist. Entsprechende Vorstöße lässt Bach abschmettern.

Auch führt Bach München und Garmisch-Partenkirchen in eine Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2018.

"Wenn wir nicht glauben würden, dass München eine gute Chance hätte, hätte der DOSB die Bewerbung nicht unterstützt. Wir haben immer gesagt, unser vornehmliches Kriterium ist die Erfolgsaussicht einer Bewerbung."

Doch in Wirklichkeit sind die Erfolgsaussichten der an sich starken Münchener Bewerbung gleich null. Weil das südkoreanische Pyeongchang – bei den Vergaben zuvor gleich zwei Mal knapp unterlegen – zum dritten Mal antritt. Das IOC ist in der Bringschuld. Die Entscheidung im Sommer 2011 ist eindeutig.

Hätte Thomas Bach, Vizepräsident im innersten Zirkel der Olympia-Entscheider, das nicht wissen müssen? Wieso hat er die bayerische Landeshauptstadt in diesen aussichtslosen Kampf geführt, der die Steuerzahler am Ende sieben Millionen Euro kostet?

Eine Bewerbung, um die noch dazu bedeutenderen Sommerspiele 2020, über die ebenfalls in Buenos Aires entschieden wird, wäre erfolgversprechender gewesen. Doch eine Olympiavergabe nach Deutschland und nur drei Tage später die Wahl eines deutschen Präsidenten? Im auf internationalen Ausgleich bedachten IOC praktisch undenkbar. Hat Thomas Bach also seine eigenen Interessen über die des deutschen Sports gestellt? Der Verdacht liegt nahe.

Bachs persönliche Erfolgsaussichten in Buenos Aires scheinen jedenfalls bestens zu sein. Und das, obwohl er - wie er kürzlich in einem Interview erzählte - erst seit rund anderthalb Jahren darüber nachdenke, sich um das Präsidentenamt zu bewerben.

"Als vermehrt IOC-Mitglieder an mich herangetreten sind und mich gefragt haben, da hab‘ ich dann begonnen, mich mit dieser Frage auseinanderzusetzen, vor allen Dingen auch zu überlegen, ob man sich das selbst zutraut."

Doch in Wirklichkeit arbeitet Thomas Bach schon deutlich länger an seiner Kampagne. Offenbar schon seit 2001, seit der Wahl von Jacques Rogge. Dabei paktiert er mit einflussreichen Strippenziehern im IOC.

Der einflussreichste unter ihnen ist Scheich Ahmed Al Sabah aus Kuweit, Chef der Vereinigung aller Nationalen Olympischen Komitees und Herr über den prall gefüllten IOC-Entwicklungsfonds. Wen er protegiert - gewinnt. Offen plauderte der Scheich kürzlich gegenüber "Sport inside" über seinen Pakt mit Bach.

"Es gibt eine Verabredung mit Dr. Bach und er muss auch die Maßgabe erfüllen. Wir werden an unserer Vision, unserem Fahrplan festhalten, und wir haben eine Verabredung seit 12 Jahren. Schon seit der Wahl von Jacques Rogge. Und wir werden diese Verabredung erfüllen und hoffen, dass die anderen das verstehen. Das ist meine persönliche Meinung, und ich habe sie bereits allen mitgeteilt. Ich denke, die Leute kennen meine Position bei dieser Wahl."

Die Worte des Scheichs werfen Fragen auf: Zum Beispiel, welche Gegenleistung er von Thomas Bach erwartet, sollte er ihm die entscheidenden Stimmen liefern.

Noch dazu ist öffentliche Unterstützung für einen Kandidaten nach den Regeln des IOC-Ethik-Codes klar verboten. Doch für Ed Hula vom Branchenmagazin "Around the rings" haben weder Al Sabah noch Bach Konsequenzen zu befürchten:

"Sie werden ihm möglicherweise raten, es nicht noch einmal zu tun. Ihn noch einmal über die Regeln informieren. Das ist alles, was Sie tun können. Das IOC ist nicht bekannt dafür, seine Mitglieder wegen solcher Vergehen zu bestrafen. Dann müsste es schon ein schwerwiegenderes Vergehen sein. Und der Scheich ist zur Zeit eines der mächtigsten Mitglieder als Präsident aller nationalen Olympischen Komitees. Er ist also schwer zu disziplinieren."

Für Ed Hula wäre Bach auch ohne die Hilfe des Scheichs Favorit. Auch Noch-Präsident Jacques Rogge spielt den Einfluss Al Sabahs herunter. Für ihn sei das Rennen um seine Nachfolge völlig offen.

"Ich glaube nicht an Königsmacher, ich glaube nicht an Leute, die 5, 10, 15 oder 20 Stimmen liefern können. Das gibt es nicht. Das IOC ist sehr unabhängig. Jedes Mitglied kann seine eigene Wahl treffen und absolut anonym abstimmen."

Und dennoch: Gerade einmal knapp über 100 Menschen stimmen am Dienstag über den neuen IOC-Präsidenten ab. Herr über den organisierten Sport weltweit. Herrscher über ein Milliardenimperium. Es erinnert an eine andere – ähnlich verschlossene Organisation mit hohen Werten.

"Habemus Papam."

Vom König des Hinterzimmers zum Papst des Weltsports. Wohl nicht einmal 50 Stimmen würden Thomas Bach aus Tauberbischofsheim dafür reichen. Es sieht gut für ihn aus. Er ist der Favorit. Doch wäre er auch der Beste?

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk