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StartseiteUmwelt und VerbraucherDer Kampf gegen Feinstaub06.03.2008

Der Kampf gegen Feinstaub

Bundesanstalt für Straßenwesen zur Luftqualität

Eine Richtlinie der Europäischen Union legt fest, wie hoch die Feinstaubbelastung sein darf. Weil dieser Grenzwert sehr oft überschritten wird, wurden in vielen Städten Umweltzonen eingerichtet. Es gibt darüber hinaus auch noch weitere Maßnahmen, wie die Luftqualität an Straßen verbessert werden kann. Darüber informiert eine Fachtagung der Bundesanstalt für Straßenwesen.

Von Dietmar Reiche

Ein Fahrzeughalter befestigt in Stuttgart an der Windschutzscheibe seines Autos eine der neuen Feinstaubplaketten. (AP)
Ein Fahrzeughalter befestigt in Stuttgart an der Windschutzscheibe seines Autos eine der neuen Feinstaubplaketten. (AP)

Es sind die Spürnasen der Stadt - kleine graue Kästen - ein Meter hoch mit antennen-ähnlichen Sensoren auf dem Dach. Ingenieur Klaus Beckert von der Firma MLU - Messtechnik für Luft und Umwelt erklärt, wie der kleine Apparat "Airpointer" funktioniert.

"Der Airpointer ist in der Lage, verschiedene Gase wie Stickoxide sowie Ozon und PM10 Fraktionen gleichzeitig kompakt zu messen, inklusive Datenerfassung und Übertragung."

PM10 steht für gesundheitsgefährdende Feinstäube mit Teilchen, die kleiner als 10 Mikrometer sind und bis zur Lunge vordringen. Wissenschaftler suchen nach Möglichkeiten, die bereits in der Luft bestehende Feinstaubbelastung zu verringern - vor allem in der Nähe von Strassen. Zum Beispiel durch die Begrünung von Mauern und Flächen. Dr. Manfred Thönnessen, Experte für Umweltanalytik und Bioindikation der Universität Köln

"Hecken und Grüngehölze sind, wenn sie richtig angewendet werden, eine effektive Möglichkeit, Feinstaubbelastungen zu minimieren. Pflanzen können Stäube zwischenspeichern und als solche können sie effizient sein, wenn sie ungeschickt angebracht werden, können sie genau das Gegenteil bewirken."

Staubfilterung und -speicherung, zum Beispiel durch die Fassaden, Strassen und - Dachbegrünung. Nicht jede Pflanze eignet sich.

"Wir wissen, dass die Blattoberflächen von wilden Wein, von Linden, Ahorn sich im Laufe der Vegetationsperiode mit Stäuben vollsetzen und dementsprechend Stäube akkumulieren. Die Blattoberflächen der Platane, des Efeus und des Ginkos reinigen sich selbst und werden dementsprechend durch Niederschläge immer wieder sauber gewaschen. Sie sind möglicherweise durch diese Eigenschaft sehr gute Staubfilter."

Noch fehlen belastbaren Daten. Im österreichischen Klagenfurt geht man einen anderen Weg Hier hat die Stadt auf einer Teststrecke den Winterdienst umgestellt. Eine 25-prozentige Calcium-Magnesium-Acetat-Lösung wird dem Streusalz beigemischt - eine Art Feinstaubkleber. Umweltdezernent Dr. Wolfgang Hafner.

"Wir können an einer stark befahrenden Strasse in Spitzenzeiten die Feinstaubbelastung um bis zu 30 Prozent reduzieren. Im Jahresmittel sind es zehn Prozent."

Darüber hinaus werden bestehende Lärmschutzwände mit speziellen Feinstaub-Filterkörben nachgerüstet. Die Tests werden von der Europäischen Union gefördert und dauern bis Ende 2009. Besonders umstritten sind Stickoxide. Das sind giftige Schadstoffe, die die Atemwege und den Herzkreislauf belasten. Der Baustoffkonzern HeidelbergCement hat Titanoxid in seinen Zement gemischt. und will durch die photokatalytische Reaktion das Stickoxid zerstören - so zu sagen ein Katalysator in der Hauswand oder in der Strasse. Projektmanager Siegfried Riffel.

"Nach den Messergebnissen von Italien wurde auf einer Versuchsstrecke im Jahresmittel eine Reduktion von 40 Prozent nachgewiesen."

Nachteil: Zur Photokatalyse braucht man Licht - also viel Sonne. Zudem ist der Spezialzement teuer, zehnmal mal so teuer wie herkömmlicher Zement. Der Bonner Umweltwissenschaftler Prof Peter Frahm versucht es hingegen mit einfachen Pflanzen wie zum Beispiel Moos. Die großflächige Straßenbegrünung verringert die Staubbelastung durch Ammoniak und Stickoxide, behauptet Frahm. Eine Art Feinstaubklebstoff, der aber nur im befeuchteten Zustand funktioniert. Das Umweltbundesamt hält hingegen das Moosmattenverfahren schon im Ansatz für kontraproduktiv. Mit diesen Fangmatten könne die Feinstauberzeugung weder vermieden noch unterbunden werden.

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