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StartseiteCorsoDas Dilemma der Kleinkunst06.11.2019

Der Klavierkabarettist Matthias ReuterDas Dilemma der Kleinkunst

„Wenn ich groß bin, werd ich Kleinkünstler“ heißt das aktuelle Programm des Kabarettisten Matthias Reuter. Aber er hat auch ein neues Buch am Start, das den seltsamen Titel trägt „Rentnerfischen im Hallenbad“. "Ich bin ein bisschen in den Kleinkunstbereich reingerutscht," so Matthias Reuter im Dlf.

Matthias Reuter im Corsogespräch mit Achim Hahn

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Matthias Reuter ((c) Harald Hoffmann)
Der Klavierkabarettist Matthias Reuter ((c) Harald Hoffmann)
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Viele seiner Geschichten gehen von persönlichen Erfahrungen oder Erlebnissen aus, die der Oberhausener Klavierkabarettist Matthias Reuter dann ins Absurde weiterspinnt. "Rentnerfischen im Hallenbad", der Titel seines neuen Buches, gehe zum Beispiel auf einen kabarettistischen Song zurück, erklärte Reuter im Corsogespräch. Darin beschreibe er, "wie ich Rentner morgens im Hallenbad aus dem Schwimmbecken angele, um sie abends in mein Kleinkunstprogramm zu setzen als Publikum."

Zur Kleinkunst sei er eher zufällig gekommen, weil er kein toller Autofahrer sei und deshalb als Germanist ohne Job nicht hätte Taxifahrer werden können. "Ich sehe das auch an als ein Geschenk an den deutschen Straßenverkehr." Er habe schon immer Songs fürs Klavier geschrieben, die auf offenen Bühnen aufgeführt wurden, und dann wäre es immer mehr gerworden. "Ich bin so ein bisschen in den Kleinkunstbereich reingerutscht."

Generationswechsel der Zuschauer

Das Dilemma der Kleinkunst, das darin besteht, dass sie heute die Jugend kaum mehr begeistert, sehe er zwar auch. Aber er schätze, dass ältere Zuschauer schon viele Programme gesehen hätten, "und die Kabaretterfahrung kommt mir eigentlich entgegen", erklärt Matthias Reuter im Dlf. "Wir kommen gut miteinander aus. Also ich werf die nicht wieder ins Becken zurück."

Tatsächlich frage er sich, was wäre, wenn diese Leute einmal nicht mehr kämen. Er hoffe auf das jüngere Publikum, das zum Beispiel zu Poetry Slam Veranstaltungen käme.

Plädoyer für das live gespielte Kabarettprogramm

Dass jüngere Zuschauer nicht mehr wissen, was sie mit Kleinkunst anfangen können, sei - so vermutet Reuter - ein mediales Problem. Viele würden sich Videos im Internet ansehen. "Es gibt zum Beispiel ganze Comedyprogramme, die auf Netflix laufen oder bei Amazon Prime, und dass dieses Aus-dem-Haus-Gehen ein wenig vernachlässigt wird, wobei ich glaube, dass da was verpasst wird. Denn Live ist tatsächlich etwas anderes. Es ist besser und macht meines Erachtens mehr Spaß - und man bekommt gekühlte Getränke."

Er glaubt, dass auch jüngere Leute etwas mit politischer Comedy anfangen können. Man müsse die Leute aber motivieren, dass sie überhaupt zu einer Kleinkunstveranstaltung gingen. "Ich glaube, dass im Programm mancher Kabarettfernsehsendung wie zum Beispiel 'Die Anstalt' viele junge Leute sitzen. Vielleicht machen die Medien da auch etwas falsch. Wenn man es prominenter präsentiert, ist automatisch auch die Resonanz größer."

Matthias Reuter befürchtet keinen Generationsabriss. "Ich glaube, man kann beides machen: zu Poetryslams gehen und dort sogar Leute kennen lernen, die auf Kabarettbühnen auftreten."

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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