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StartseiteUmwelt und VerbraucherDer Klimawandel und die Auswirkungen im Ackerbau15.04.2004

Der Klimawandel und die Auswirkungen im Ackerbau

Das Beispiel Sachsen auf einer Fachtagung in Dresden

<strong> Die extrem starken Niederschläge vor zwei Jahren und die ausgeprägte Dürreperiode im vergangenen Jahr haben viele Landwirte verunsichert. Waren das einfach ungewöhnliche Wetterkapriolen oder aber Vorboten eines möglichen Klimawandels? Eine endgültige Antwort auf diese Frage bleibt offen, aber, so das Bundesland Sachsen, man sei klug beraten, sich schon heute auf die Konsequenzen einer möglichen Klimaveränderung einzustellen. Deshalb wurden dort alle vorhandenen Klimadaten ausgewertet, für die nächsten Jahrzehnte hochgerechnet, bezogen auf die Auswirkungen für die Landwirtschaft. Was die Prognosen ergeben haben und vor welchen Herausforderungen die Bauern stehen, darüber hat in Dresden die Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft informiert. </strong>

Von Uwe Klost

Klimaschutz in der Landwirtschaft (AP)
Klimaschutz in der Landwirtschaft (AP)

Dr. Frank Wechsung, vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, hat bereits eine recht genaue Vorstellung, welche Facette des bereits laufenden Klimawandels den Landwirten künftig die größten Probleme bereiten wird:

Der Niederschlagsrückgang wird am meisten zu schaffen machen. Mit der Temperaturerhöhung wird der Landwirt relativ leicht fertig, wenn diese verbunden ist mit gleich bleibenden Niederschlägen, oder gar ansteigenden Niederschlägen. Aber ein Niederschlagsrückgang, der verursacht die meisten Probleme.


Und das, so Wechsung, wird nach dem derzeitigen Stand der Forschung wohl vor allem in Ostdeutschland der Fall sein: In einem Streifen vom Thüringer Becken, über die Magdeburger Börde bis nach hin Brandenburg. Betroffen werden also wichtige Ackerbauregionen des Ostens sein - wenn unsere Annahmen denn stimmen, sagt Frank Wechsung:

Ja das hängt damit zusammen, dass wir hier ausgeprägte Kontinentallagen haben, die sich in den Regenschattengebieten der Mittelgebirge befinden. Hier rechnen wir im Unterschied zu weiten Regionen Westdeutschland mit einen Niederschlagsrückgang.

Und zwar um bis zu 30 Prozent, zum Beispiel in der Lausitz. Was das bedeutet, können wir heute nur teilweise abschätzen, sagt Irene Schneider-Böttcher, die Präsidentin der sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft, hier gebe es erheblichen Forschungsbedarf, aber auch ein erstes konkretes Projekt.

Wir wollen jetzt einen längeren Forschungsansatz zu Fruchtfolgen beginnen. Und das länderübergreifend, mit Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Und wir wollen das Thema Klimawandel künftig bei allen unseren Veranstaltungen immer begleitend mit bewegen. Zum Beispiel bei der Empfehlung von Sorten. Das wir zum Beispiel Dinge wie Trockenresistenz oder Standfestigkeit immer mit in den Blickpunkt stellen.

Dicke Bretter sind hier zu bohren, meint Irene Schneider-Böttcher, man müsse zumindest versuchen Landwirte über ihre aktuellen Tagesprobleme hinaus, für die möglichen Folgen des Klimawandels zu sensibilisieren. Zumal diese auf den ersten Blick, nicht unbedingt negativ daher kommen müssen. Darauf wies in Pillnitz Professor Hans Jörg Weigel von der Braunschweiger Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft hin. Im kommenden Jahr werde das so genannte Face-Pojekt abgeschlossen, erklärte Weigel. Der bislang einzige deutsche Versuch, mit dem im Freiland an Nutzpflanzen eine deutliche Erhöhung der Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre simuliert wird. Die Ergebnisse des Face-Projektes seien absehbar, so Prof. Weigel: Mehr Co2 stimuliere die Photosynthese deutlich. Getreide und Zuckerrüben bauen mehr Biomasse auf und reduzieren gleichzeitig die Wasseraufnahme, Zuckerrüben zum Beispiel um bis zu 20 Prozent.

Also in sofern würde die Grundbotschaft lauten - bei den Annahmen dieser mittleren Änderung - das dann eher positive Reaktionen da sind. Vorausgesetzt die Wasserversorgung stimmt. Das heißt, wenn sie jetzt in den Mittelmeerraum gehen, zum Beispiel nach Spanien, wo jetzt ja schon die Ertragslimitierung durch die Niederschläge kommt, spielt alles andere keine Rolle: Wenn die Niederschläge weiter abnehmen, kann man die Landwirtschaft irgendwann aufgeben.

Vieles sei noch zu untersuchen, meint Professor Hans-Jörg Weigel, vor allem die Wechselwirkung mit anderen Faktoren des Klimawandels, zum Beispiel einer Temperaturerhöhung. Wolfgang Vogel, Landwirt und Vorsitzender der Interessengemeinschaft Erzeugergemeinschaften in Sachsen hörte diesen Theorien gespannt zu, die Wissenschaft, so Vogel, müsse nun den zweiten Schritt gehen und Konzepte für dem Umgang mit den kommenden Problemen entwickeln.

Wir müssen einfach lernen damit umzugehen. Und unser Problem, also vor allem der landwirtschaftlichen Betriebe in den neuen Ländern, wir haben einfach zu wenig Eigenkapital um für kommende Witterungsunbilden selbst Vorsorge treffen zu können.

Aber auf jeden Fall sei der Klimawandel für ihn nun ein Thema, sagt Landwirt Vogel - neben allen Tagesproblemen.

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