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Der Komponist Gabriel Irányi in BerlinSeismographisches Wahrnehmen und Wirken

Die Musik erzähle nichts, sie notiere die Zustände, die Wandlungen der Wahrnehmungen und deren Erweiterungen. Dieser Hinweis ist für Gabriel Irányi nicht untypisch. Er verweist auf ein hochreflektiertes Komponieren, das die Grundparameter von Musik und ihr Verhältnis zueinander jedes Mal neu zu bestimmen sucht.

Von Ingo Dorfmüller | 17.01.2015

Thematisiert wird auch das Phänomen unterschiedlicher Zeitwahrnehmung im Verhältnis zur physikalischen Zeit: Etwa in dem Werkzyklus "InnenZeit", der die Differenzen der Zeitartikulation als "seismographische Aufnahme des Gegensatzes von Individuum und Gesellschaft" versteht. Auf dem Wege struktureller Entsprechungen öffnet sich Gabriel Irányis musikalischer Kosmos zur Welt, auch zu bildenden Kunst und Literatur. Das bloß Atmosphärische, Anekdotische, Illustrative wird weitgehend ausgespart.

1946 wurde Gabriel Irányi in Cluj-Napoca geboren. 1971 erhielt er eine Kontrapunkt-Professur in Jassy an der George Enesco Musikhochschule in Jassy. 1977-1981 wirkte er als Dozent für Formenlehre, Kontrapunkt und Musiktheorie an der Tel Aviv University in Israel. Seit 1988 lebt der Komponist rumänisch-ungarisch-jüdischer Herkunft in Berlin.