Donnerstag, 18. August 2022

Archiv

Der Komponist Roberto David Rusconi
Raummusik der inneren Seele

Roberto Rusconis Kammermusik brodelt: angefüllt von innerem Aufruhr, heftigen Affekten und gegensätzlichen tonalen Konzepten. Seine Interpreten haben permanente Takt- und Tempowechsel zu leisten. Statt einem ruhigen Fluss gleicht seine Musik vielmehr einer rollenden Lawine. Was ist der Hintergrund?

Von Matthias R. Entreß | 30.01.2021

    Ein Mann mit Brille trägt Kopfhörer und hält ein Mikrofon in der rechten Hand, sein Blick geht nach unten.
    In Pandemiezeiten zieht es Roberto Rusconi in elektronische Klangwelten (Simon Marshall)
    Der 1976 in Venedig geborene Komponist Roberto Rusconi, der heute in London lebt, erhielt schon im Elternhaus universelle Musikkenntnisse, von der Klassik bis Free Jazz. Als Sechzehnjähriger hatte er bereits Dirigierunterricht bei Carlo Maria Giulini. Am Ende seines Musikstudiums in Padua empfand er sich selbst als Enzyklopädie musikalischer Stile – eine schwere Last.

    Fiktive Stimuli

    Rusconis heutige Kammermusik fesselt Hörer wie Ensembles durch ihre hyperexpressionistische Intensität. Musiktheatrale Arbeiten und elektronische Werke ziehen das Publikum fast auch physisch ins Innere der klanglichen Prozesse hinein. Der Terminus technicus dafür lautet "Immersion" – gemeint ist das Eintauchen in eine simulierte Umgebung.
    Die Kammeroper "Dionysos rising" beispielsweise stellt Gestalten der griechischen Mythologie als Patienten in einer psychiatrischen Rettungsstelle dar und gibt Rusconis neurophysiologischen Studien und seiner Erfahrung mit ADHS musikalischen Ausdruck.