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StartseiteForschung aktuellDer Krieger mit der Silbermaske02.01.2012

Der Krieger mit der Silbermaske

Forscher untersuchen alte römische Kopfbedeckung

Bald wird im Museum Het Valkhof im niederländischen Nimwegen die Rekonstruktion eines Reiterhelms zu sehen sein, wie ihn römische Hilfstruppen im ersten Jahrhundert nach Christi getragen haben. Die Anfertigung einer solchen Nachbildung ist hochanspruchsvolle Fleißarbeit.

Von Joachim Budde

Die Rekonstruktion des Reiterhelms.  (Museum Het Valkhof  - Ronny Meijers)
Die Rekonstruktion des Reiterhelms. (Museum Het Valkhof - Ronny Meijers)
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Sylvia Mitschke sitzt über eine Styroporplatte gebeugt, darauf sind mit Nadeln Strähnen aus Pferdehaaren gesteckt, die die Restauratorin des Reiss-Engelhorn-Museums in Mannheim zu schmalen Zöpfen flechtet.

"Wir haben hier aus diesem Zopf so ein Zickzackmuster gearbeitet, oder so wie hier diese kleinen Brezelmotive, oder, ganz außen sehen wir noch so ein kleines Mäander, das dann eben aus diesen Wulst-Halbgeflechten gelegt wird."

Was Sylvia Mitschke hier flechtet, gehört zum Nachbau eines knapp 2000 Jahre alten Reiterhelms, den Archäologen in Nimwegen ausgegraben haben. Mitschke ist Spezialistin für die Restaurierung von Textilien. Sie arbeitet im Auftrag des Nimwegener Museums "Het Valkhof", wo die Rekonstruktion ab Januar 2012 ausgestellt wird.

Als die Archäologen den Eisenhelm 1995 aus dem Boden holten, war der größte Teil mit einer etwas pelzig wirkenden Rostschicht bedeckt. An einigen Stellen waren in dieser Rostschicht Muster zu erkennen, die von der ursprünglichen Verzierung aus Haarzöpfen stammen. Dass die Restauratorin dem Helm auch nach all der Zeit noch Informationen entlocken konnte, liegt daran, dass das Eisen im Boden zu rosten begann und die Korrosionsschicht um die Zöpfchen, ja um jedes einzelne Haar herumgewachsen ist.

"Das originale organische Material ist eigentlich gar nicht mehr vorhanden, sondern wir sehen eigentlich nur noch die Strukturen, die sich in der Korrosion ganz fein gezeichnet erhalten haben. Und dann darf man sich auch nicht vorstellen, dass das im Grunde flächig geschieht, sondern das sind dann kleinere Inseln, an denen man noch sehen kann, wie der originale Verlauf der Verzierung war, und die versuche ich dann für die Rekonstruktion sozusagen zu verbinden und daraus wieder ein großes Ganzes zu machen."

Die Muster ließen sich mit bloßem Auge erkennen. Dass die Zöpfe aus Pferdehaar geflochten waren, konnte erst ein Blick ins Rasterelektronenmikroskop klären. Doch nicht einmal die extreme Vergrößerung brachte Erkenntnisse darüber, wie die antiken Handwerker die widerspenstigen Zöpfe zu Mäandern, Zickzackbändern oder kleinen Brezeln geformt haben.

"Wir haben verschiedene Medien ausprobiert, wie man diese Haare weicher, geschmeidiger machen kann, und sind dann darauf gekommen, wenn man die Haare in starke Alkali einlegt, dass die dann sehr weich, sehr geschmeidig fast gummiartig werden, dass man ihnen dann die neue Form geben kann. Und wenn man dann eben nach der Trocknung hier die gesteckten Nadeln rausnimmt, dann bleibt das relativ stabil bestehen."

Rund 200 Arbeitsstunden und drei Pfund Pferdehaar haben Mitschke und ihre Mitarbeiter – darunter eine professionelle Pferdehaarflechterin – in die Rekonstruktion des Helmschmucks gesteckt.

Reiterhelme wie diesen haben Söldner aus dem Germanenstamm der Bataver getragen. Zu dem Helm gehörte ein versilbertes Visier in Form eines Gesichts. Von weitem muss der Träger eines solchen Helmes beeindruckend ausgesehen haben, sagt Ronny Meijers, Restaurator am Museum Het Valkhof.

"Mit solch einem stoischen silbernen Gesicht hoch zu Ross auf dem Schlachtfeld – so jemand flößt dem Gegner Schrecken ein. Auch der Krieger hinter der silbernen Maske kann natürlich Todesangst haben, aber mit Helm und Maske sieht er stets heldenhaft und tapfer aus."

Obwohl dieser Helm sehr aufwendig und individuell gefertigt war – Meijers glaubt nicht, dass ein solcher Kopfschmuck gehobenen Dienstgraden der Bataver vorbehalten war. Dafür habe man zu viele dieser Helme gefunden. Schon bald wurde die Technik wohl zu aufwendig: Vom zweiten Jahrhundert an wurden bei ähnlichen Helmen die Haare nur noch ins Metall graviert. Und sie wurden nicht mehr im Kampf, sondern nur noch bei Reiterspielen getragen.

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