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StartseiteVerbrauchertippDie Hürden und Fallen beim Berliner Testament04.02.2020

Der letzte Wille Die Hürden und Fallen beim Berliner Testament

Wenn Eheleute ein gemeinsames Testament erstellen, entscheiden sie sich oft für das sogenannte Berliner Testament. Ziel dabei ist es, den überlebenden Ehepartner wirtschaftlich abzusichern. Für die Kinder könnte dieses Modell allerdings drastische Konsequenzen haben.

Von Hilde Braun

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Ein Testament wird geschrieben (picture-alliance/ ZB)
Der letzte Wille: Für Familien bietet sich in vielen Fällen das sogenannte Berliner Testament an. (picture-alliance/ ZB)
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Das wichtigste Motiv für Eheleute ein Berliner Testament zu erstellen ist die wirtschaftliche Absicherung des überlebenden Ehepartners. Er wird als Alleinerbe eingesetzt. Die Kinder werden in der Regel als Schlusserben eingesetzt und erben erst dann, wenn ihr zweiter Elternteil verstirbt. Klaus Peter Lindow ist Notar in Essen:

"Von einem Ehegattentestament kann sich jeder Ehegatte solange beide noch leben wieder lösen, indem er das Testament beruft, auch dieser Widerruf muss förmlich dem anderen zugehen, damit er nicht überrascht wird dass sich der Eine lossagt."

Nach dem Tod des ersten der beiden ist das nicht möglich, es entsteht eine Bindungswirkung beim Berliner Testament.

"und das bedeutet, dass der Längerlebende nicht mehr von Todes wegen verfügen kann. Wenn also zum Beispiel im Ehegattentestament angeordnet ist, dass die beiden Kinder Erben des Längerlebenden werden sollen und der längerlebende Ehegatte sich mit einem Kind nicht mehr versteht und würde das gerne ändern und nur das liebe Kind bedenken wollen, dann wäre diese Möglichkeit nicht mehr gegeben."

Um dem Überlebenden Änderungen des Testaments nach dem Tod des Partners zu ermöglichen, sollten die Eheleute das bereits beim Aufsetzen des Testaments berücksichtigen, zum Beispiel durch den sogenannten Änderungsvorbehalt.

"Dann muss man sich aber über Folgendes im Klaren sein. Erstens könnte es ja sein, dass der Längerlebende ein neues Testament macht und die gemeinsamen Kinder gar nicht berücksichtigt, weil er noch in hohem Alter einen neuen Lebensabschnittsgefährten kennenlernt und den so toll findet, dass er dem alles vermacht, dann drängt man die Kinder geradezu dazu den Pflichtteil einzufordern."

Die Kinder werden quasi zunächst enterbt

Die Kinder werden beim Berliner Testament als sogenannte Schlusserben beim Tod eines ihrer Eltern quasi zunächst enterbt. Sie können allerdings beim überlebenden Elternteil den Pflichtteil des Erbes des Verstorbenen einfordern. Das kann aber gravierende Folgen für den überlebenden Elternteil haben, denn der muss möglicherweise sein Haus verkaufen, damit er dem einfordernden Kind den Pflichtteil ausbezahlen kann von den moralischen Folgen einmal ganz abgesehen. Eine Strafklausel im Berliner Testament soll das verhindern.

"Die würde besagen: Sollte eines der als Schlusserben der Eltern eingesetzten Kinder gegen den Willen der länger Lebenden von uns einen Pflichtteil geltend machen und auch erhalten dann soll es nicht Erbe des länger Lebendes sein, sondern ist dann auf den Teil des längerlebenden Elternteils auch auf den Pflichtteil verwiesen."

Heiratet ein Ehepartner nach dem Tod erneut, kann das finanzielle Nachteile für die Kinder bedeuten, denn dem neuen Ehegatten stehen Erb- und Pflichtteilsansprüche in voller Höhe zu, das gilt auch für Kinder, die daraus hervorgehen oder adoptiert werden.

"Wenn ein neuer Pflichtteilsberechtigter hinzutritt in Form eines neuen Ehegatten oder eines Kindes, dann kann man das Testament – dafür gibt es aber zeitliche Rahmenbedingungen – anfechten und es insgesamt vernichten."

Sind Eheleute sehr vermögend muss der überlebende Partner und auch die Kinder möglicherweise steuerliche Nachteile beim Berliner Testament in Kauf nehmen. Bis zu einem Betrag von 400.000 Euro ist das Erbe steuerfrei. Bei Scheidung der Eheleute vor dem Tod ist das Testament unwirksam.

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