Sonntag, 27.09.2020
 
Seit 03:05 Uhr Heimwerk
StartseiteCampus & KarriereDer Musikermacher11.01.2010

Der Musikermacher

Dirigent Mariss Jansons hat einen Blick für Nachwuchstalente

Um den Orchesternachwuchs heranzuziehen, hat das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks eine eigene Akademie, in der junge Musiker nach ihrem Musikstudium ein Stipendium und eine zweijährige orchesternahe Zusatzausbildung erhalten. Chefdirigent Mariss Jansons engagiert sich persönlich: Jansons' Jugendwochenenden haben inzwischen Tradition.

Von Antje Dörfner

Mariss Jansons / Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (Bayerischer Rundfunk /  Georg Thum)
Mariss Jansons / Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (Bayerischer Rundfunk / Georg Thum)

Wenn sie mit Mariss Jansons proben, dann sitzen die Mitglieder der Orchesterakademie ganz vorne auf der Stuhlkante. Jansons fordert sie, das wissen sie. Und sie wissen, dass sie von ihm viel profitieren können. Markus Riepertinger spielt Trompete.

"Was der musikalisch rausholen kann, das ist unglaublich. Am Anfang ist man natürlich schon ein bisschen angespannt. Und will das besonders gut machen. Aber das legt sich dann auch. Er lässt einem schon Freiheiten auch."

Markus Riepertinger ist mit 21 Jahren der jüngste der insgesamt 18 Mitglieder der Akademie des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. Während der zweijährigen Zusatzausbildung werden die Stipendiaten vorbereitet auf die Anforderungen eines Spitzenorchesters. Denn das fehlt in der Ausbildung an den Hochschulen. Orchester brauchen geeigneten Nachwuchs. Deshalb ist die Akademie notwendig, sagt Chefdirigent Mariss Jansons.

"Das ist absolut ein richtiger Weg. Das ist wichtig für diese jungen Leute. Hier haben sie die Möglichkeit, das Orchesterrepertoire durchzugehen mit unseren Musikern. Sie haben sehr viele Möglichkeiten in unserem Orchester zu spielen. Sie spielen sehr viel Kammermusik. Natürlich auch für unser Orchester ist das sehr wichtig; für unsere Zukunft."

Und auch für andere Orchester: Frühere Absolventen spielen heute auch bei den Berliner Philharmonikern, im Opernhaus Zürich, im Leipziger Gewandhausorchester, beim New York Philharmonic Orchestra.

Beim Jugendwochenende in München arbeitet der lettische Dirigent auch mit dem Bayerischen Landesjugendorchester, für das das Symphonieorchester eine Patenschaft übernommen hat. Die Mitglieder sind noch Schüler.

"Ich glaube, wir können anbieten diesen jungen Leuten etwas, natürlich die professionellen Musiker können geben ihre Erfahrung und über professionelle Sachen sprechen, und so weiter. Wir wissen natürlich nicht, ob diese Leute, die im Jugendorchester spielen, ob sie Weltmusiker werden. Aber natürlich manche von denen sind sehr, sehr begabt."

Ein ganz besonderes Talent hat Mariss Jansons beim Jugendwochenende in München entdeckt: den Trompeter des Bayerischen Landesjugendorchesters, der in Modest Mussorgskys "Bilder einer Ausstellung" die schwierigen Soli grandios meistert. Nach der Generalprobe bestellt Jansons den erst 14-jährigen Valentin Hammerl ins Dirigentenzimmer.

"Ich wollte Dir sagen, Du musst ein Musiker sein. Du hast Talent, ja. Ich weiß nicht, vielleicht bist Du auch sehr begabt in etwas anderem, vielleicht im Fußball. Hier Du bist sehr begabt. Und deswegen, bitte, sag Deinen Eltern, Du musst ein Trompetist werden. Das ist Dein Beruf."

"Man versucht schon immer, sein Bestes zu geben. Vor allem wenn man mit so jemand zusammen spielt. Und von so jemand geleitet wird. Und für die Zukunft hoffe ich natürlich, dass ich irgendwann wieder mal von ihm dirigiert werde. Weil das eigentlich ein einzigartiges Erlebnis ist als Musiker."

Mariss Jansons motiviert. Dem jungen Trompeter hat er empfohlen, als Jungstudent an eine Hochschule zu gehen – und dann vielleicht in der Orchesterakademie dabei zu sein.
Die Arbeit mit Jansons kann die Berufswahl beeinflussen, davon ist der Manager des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks Stephan Gehmacher überzeugt.

"Dass gerade so ein Wochenende mit Mariss Jansons dann auch ein Grund sein kann für viele zu sagen, ich geh wirklich ins Instrumentalstudium; Musiker ist ein Beruf, den ich ergreifen möchte."

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk