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StartseiteHintergrundDer Nährboden von Terror heißt Armut26.01.2010

Der Nährboden von Terror heißt Armut

Die Republik Jemen kämpft um ihr politisches Überleben

Der Jemen ist das Armenhaus der arabischen Halbinsel: Einzig die Bevölkerung wächst. Und dies jedes Jahr um drei Prozent. Doch Armut und fehlende Bildung sind ein gefährlicher Cocktail.

Von Esther Saoub

Jemenitische Händler auf einem Markt in Sanaa, der Hauptstadt des Jemens (AP)
Jemenitische Händler auf einem Markt in Sanaa, der Hauptstadt des Jemens (AP)
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25 Liter Wasser fassen die gelben Plastikkanister, die sich zwei jemenitische Frauen in schwarzen Gewändern schwungvoll auf den Kopf heben. Bis zu zehn Mal am Tag gehen sie zur Zisterne und zurück. Ihr Dorf Safen liegt hoch oben in den Bergen nördlich von Sanaa. Hier gibt es weder Strom noch fließendes Wasser.

Der Jemen gehört zu den trockensten Ländern der Welt, sagt einer der es wissen muss: Wasserminister Abdel Rahman el-Eriani. Er hat zwanzig Jahre lang in kommunalen Wasserprojekten gearbeitet, bevor er Minister wurde:

"Unser erneuerbares Wasser pro Kopf sind weniger als 130 Kubikmeter pro Jahr. Jetzt vergleichen sie das mal mit der Minimalmenge, die nötig ist, um Leben zu erhalten und Lebensmittel zu produzieren: Sie beträgt ungefähr 1350 Kubikmeter. Das heißt, wir haben weniger als ein Zehntel des Wasseraufkommens, das für Lebenserhalt und Ackerbau nötig ist."

Und selbst dieses wenige Wasser ist oft von schlechter Qualität: 90 Prozent der jemenitischen Bevölkerung haben keinen Zugang zu sauberem Wasser, dabei gehört dieses Privileg zu den Milleniumszielen der Vereinten Nationen, die bis 2015 erreicht werden sollen.

Der Grundwasserspiegel unter der Hauptstadt Sanaa fällt jedes Jahr um 40 Meter. Die Bewohner verbrauchen wenig, und doch immer noch dreimal so viel Wasser, wie sie eigentlich haben. In 20 Jahren, so schätzt man, wird der Großteil von ihnen umziehen müssen. Nur an der Küste wird es dann noch genug Trinkwasser geben.

Der Jemen ist das Armenhaus der arabischen Halbinsel. Das einzige, was hier wächst, ist die Bevölkerung. Wer Arbeit sucht, orientiert sich daher bald über die Landesgrenzen - das war schon immer so, eine natürliche Maßnahme gegen Naturkatastrophen und schwindende Ressourcen. Nur: Immer weniger Grenzen stehen den jungen Männern offen. Der reiche Nachbar Saudi Arabien hat allein im letzten Monat über 50.000 illegale jemenitische Arbeiter abgeschoben - in die Erwerbslosigkeit. Obwohl der Jemen geografisch zur Golfregion gehört, ist er nicht Mitglied im Golfkooperationsrat. Reiche Nachbarn wie Saudi-Arabien oder der Oman haben kein Interesse an einem Land, dessen Ölproduktion auf ein Dreißigstel der saudischen gesunken ist, in dem aber mehr Menschen leben als in allen sechs Mitgliedsstaaten des Rates zusammen. Und obendrein Rebellen und militante Islamisten ihr Unwesen treiben. So hat man den Problemstaat am Südzipfel der arabischen Halbinsel lange sich selbst überlassen - bis er anfing, seine Probleme zu exportieren. Der jemenitische Vertreter bei der Arabischen Liga, Professor Abdel Malek Mansour, betrachtet das plötzliche internationale Interesse an seinem Land mit einer Art später Genugtuung:

"Der Terrorismus ist schon länger im Jemen verbreitet, er hat der Wirtschaft und dem Tourismus Schaden zugefügt. Wir haben die Welt um Hilfe angerufen, aber keiner hat reagiert. Denn der Jemen war damals nicht von Interesse. Das war in den 90er-Jahren. Dann kam der Anschlag vom 11. September, direkt über ihren Köpfen, da erst haben sie eingesehen, dass wir recht haben und der Terrorismus in der Tat eine gefährliche Sache ist. Der Jemen kämpft heute stellvertretend für die internationale Gemeinschaft gegen den Terrorismus. Wir selbst haben nichts zu verlieren, was haben wir schon? Aber sie, auf sie wird gezielt."

Nach dem versuchten Anschlag auf ein US-Flugzeug an Weihnachten und dem anschließenden Ruf der Staatengemeinschaft nach mehr Ordnung im Jemen, hat Außenminister Abubakr al-Qirbi schnell eine Zahl formuliert: zwei Milliarden Dollar im Jahr seien nötig, um die jemenitische Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Die Hälfte davon bestreitet allein der ölreiche Nachbarstaat Saudi-Arabien. Seit einiger Zeit kommt von dort noch eine beträchtliche Militärhilfe dazu: 300 Millionen Dollar jährlich. Denn der Konflikt im Norden des Jemen, wo Kämpfer des schiitischen Huthi-Stammes seit bald fünf Jahren für eine Umverteilung von Macht und Ressourcen kämpfen, ist im vergangenen Herbst über die Grenzen geschwappt. In die saudische Provinz Jazan, in der demnächst eine große Öl-Raffinerie gebaut werden soll. Nach dem Rebellenangriff auf einen Grenzposten schlug die saudische Luftwaffe zurück:

"Ganz einfach: wir feinden niemanden an. Aber wir erlauben auch niemandem, dass er unerlaubt unser Land betritt. Diese Gruppe hat ihr eigenes Vaterland betrogen, bevor sie Saudi-Arabien angriff. Sie wird von anderen Staaten unterstützt. Niemandem - ob nun Huthi oder nicht - ist es erlaubt, auch nur einen Zoll saudischen Bodens zu betreten. Wer dies tut, wird zerstört."

Verkündet der stellvertretende saudische Verteidigungsminister Prinz Khaled bin Sultan im November. Anfang Dezember besucht der saudische König selbst die Grenzstadt Jazan:

"Mit Gottes Hilfe sind wir fähig, unser Vaterland und unser Volk vor allen Zerstörern und Terroristen zu schützen."

Die letzte Mobilmachung dieser Größenordnung befahl der König im Golfkrieg von 1991. Er meint es also ernst, mit der Grenzverteidigung. Doch der Einsatz gegen die in schwer zugänglichen Bergen verstreuten Rebellen gestaltet sich schwieriger als gedacht: Über 130 saudische Soldaten sind bereits umgekommen, auf der anderen Seite werden die Opfer auf Hunderte geschätzt. Dazu kommen die Flüchtlinge: Rund 200.000. Nach einem Bericht des Internationalen Roten Kreuzes sind viele von ihnen zwischen den Kämpfen eingeschlossen und erhalten keine Hilfslieferungen mehr. Eine Lösung des jahrelangen Konflikts ist nach wie vor nicht in Sicht.

Eine zweite, allerdings unblutige Front verläuft zwischen der jemenitischen Hauptstadt und dem Süden des Landes: hier demonstrieren immer wieder Separatisten, die mehr Anteil an der Macht, eine gerechtere Verteilung der Güter oder gar die Abspaltung vom Norden fordern. Schließlich war der Jemen bis 1990 ein geteilter Staat, der heute, zwanzig Jahre nach der Einheit, auf dem besten Weg ist, nicht in zwei sondern in viele Stücke auseinander zu brechen.

Denn zusätzlich zu den Querschlägern im Süden und Norden haben sich überall - insbesondere in der südöstlichen Provinz Schabwa - Terroristen einquartiert. Mitglieder der Organisation "El Kaida auf der Arabischen Halbinsel", die sich vor einem Jahr mit saudischen Terroristen vereinigt haben. Mit Hilfe amerikanischer Geheimdienste, so heißt es, konnte das jemenitische Militär Stellungen dieser Terroristen ausfindig machen und bombardieren. Augenzeugen sprachen im Dezember von Dutzenden ziviler Toter. Doch mit Bomben allein ist dem Problem nicht beizukommen, sagt der jemenitische Diplomat Abdul Malik Mansour:

"Die Armut ist der beste Nährboden für Terrorismus. Wenn wir den Terrorismus bekämpfen wollen, sollten wir erst die Armut beseitigen. Weitere Quellen für Terror sind religiöses Unwissen und Willkürherrschaft."

Weit über die Hälfte der Jemeniten leben unter der Armutsgrenze von zwei Dollar am Tag - 18 Prozent in absoluter Armut. Ein Missstand, der sich ständig verschlimmert, und zwar aus zwei Gründen. Zum einen weil die Bevölkerung wächst, zum anderen, weil die meisten der vielen Menschen nahezu ohne Bildung aufwachsen. Der Scheich von Marahiba, einem Dorf in einer der ärmsten Regionen, nördlich der Hauptstadt, erinnert sich gut an seine Schulzeit - in der Moschee.

"Nach einem Jahr haben sie gesagt, das reicht, die Kinder können den Koran auswendig. Unsere Stifte waren aus Bambus, geschrieben haben wir mit einer weißen Kalksteinpaste, wie mit Kreide."

Heute gibt es - Dank deutscher Entwicklungshilfe, eine kleine Schule im Ort. Doch es wird noch dauern, bis sich Lesen und Schreiben verbreiten, sagt der Scheich:

"Hier gibt es die wenigsten Schulen im Land. In drei Tälern haben sie gar keine Schulen. Dabei wünschen sich die Leute mehr Bildung. Wenn ein Mann dort einen Brief von seinem Sohn bekommt, der in Saudi-Arabien arbeitet, muss er bis zu zwei Stunden laufen, bis er jemanden findet, der ihm den Brief vorliest. Die Analphabetenrate liegt hier bei 90 Prozent oder sogar mehr. Sie brauchen dringend Bildung, denn das ist das Einzige, was ihre Isolation durchbrechen könnte. Wir hoffen, dass die Regierung weitere Projekte durchführt."

Wohin man schaut, trifft man Kinder - auf dem Land genauso wie in den Städten. Über die Hälfte der Jemeniten ist unter 15 Jahre alt. Die Bevölkerung wächst um mehr als drei Prozent im Jahr, so schnell wie kaum eine andere auf der Welt:

"Wir bauen Weizen, Malz und Mais an. Wir arbeiten, und die Kinder auch. Alle, die so alt sind wie dieser Junge hier. Wir arbeiten vom Morgen bis zur Abenddämmerung."

Kinder im Jemen arbeiten auf den Feldern, als Hirten und als Wasserträger, genau wie die Frauen. Schon kleine Mädchen tragen große Kanister auf dem Kopf von der Zisterne nach Hause. In die Schule geht kaum eins von ihnen. Wer im Leben nichts lernt außer Wasser holen und Ziegen hüten, wird irgendwann heiraten und wieder Mädchen gebären, die Wasser holen und Ziegen hüten. Erste und wichtigste Voraussetzung für ein geringeres Bevölkerungswachstum ist Bildung, darin sind sich die Experten einig. Umgekehrt sind Unwissen und Armut der ideale Nährboden für religiösen Extremismus: wer keine Zukunft hat, lässt sich leicht von Terroristen anwerben.

Der Staat versäumt es, die eigene Bevölkerung zu unterrichten, hat es aber über Jahre zugelassen, dass sich private Islam-Institute im Land auf Ausländer spezialisieren. Wie das Dar ul-Hadith in Dammaj, weitab in den Bergen des Nordens. Hier sollen auch deutsche Konvertiten ausgebildet worden sein. Die Webseite der Schule funktioniert inzwischen nicht mehr. Aber auf einigen Blogs finden sich Erfahrungsberichte ehemaliger Studenten aus den USA. Sie erzählen von Unterkünften für 30 Dollar im Monat, von vielen Stunden Arabisch und Koranunterricht und von extrem harten Lebensbedingungen in dem abgelegenen Bergdorf. Umstände, die kaum jemand auf sich nehmen wird, der sich nur für die Arabische Sprache interessiert - befürchtet Abdel Malek Mansour:

"Es gibt einen neuen Tourismus im Jemen: Leute kommen ins Land, um Arabisch und den Islam zu studieren. Die Regierung kontrolliert inzwischen die Institute, die Ausländer unterrichten. Denn die Studenten aus aller Welt kommen dort in eine passende Umgebung für Terror und Gewalt. Ich kann nicht bestätigen, dass terroristische Führer in diesen Instituten Kämpfer rekrutieren. Aber es kann gut sein, dass jemand, der ins Ausland fliegt, um Arabisch und den Islam zu studieren, ein offenes Herz hat, für weitere Inhalte: Es könnte jemand zu ihm gehen und sagen: "Du liebst den Islam, Gott segnet dich, was hältst du davon, die Feinde des Islam zu zerstören? Ist das nicht noch besser? So kann er den Studenten anwerben und zum Terroristen ausbilden."

Im Jemen läuft der Anti-Terrorkampf mittlerweile auf Hochtouren, allerdings mit mäßigem Erfolg: Tot-gemeldete werden tags darauf beim Mittagessen gesehen, das Militär zerstört eine ganze Farm findet dort aber keinen Menschen und bei einer Razzia im Haus eines mutmaßlichen Kaida-Führers können über zwanzig Männer fliehen.

Brauchen die jemenitischen Sicherheitskräfte Verstärkung? Bloß nicht, sagt Jemens Vertreter bei der Arabischen Liga:

"Falls Ausländer im Jemen eingreifen und Soldaten auf unser Territorium entsenden, werden alle Jemeniten zu El Kaida-Kämpfern. Noch hat die Gruppe wenige Mitglieder hier, aber wenn Soldaten auftauchen, und unser Land besetzen, wird es zum Widerstand kommen. Das heißt: ein Militäreinsatz kann keine Lösung sein. Sie können uns helfen, das Land weiter zu entwickeln, die Ausbildung zu entwickeln, die Rechte der Frauen zu stärken, Infrastruktur aufzubauen. Sie können mit uns das Land verwandeln, dass es sich am Reichtum erfreut, wie seine Nachbarn."

Ein Militäreinsatz würde nach hinten losgehen, da sind sich viele Experten einig. Nur: das Ausland hat längst eingegriffen. Denn die Terrorgefahr im Jemen richtet sich nicht gegen das Land selbst, sondern gegen seine Nachbarn und den Westen. Nach Ansicht von Khalil al-Anani, Politologe am Ahram-Zentrum für strategische Studien in Kairo und Kenner der islamistischen Terrorszene, hat sich Osama bin Ladens Netzwerk seit dem 11. September 2001 vergrößert, aber dezentralisiert. Viele kleine Gruppen planen viele Operationen. Und bilden neue Allianzen:

"Die Vereinigung von El Kaida im Jemen und Saudi-Arabien zu "El Kaida auf der arabischen Halbinsel" ist ein Zeichen der Schwäche, nicht der Stärke. El Kaida im Jemen richtet sich nicht gegen die jemenitische Regierung, sie hat nie einen islamischen Staat im Jemen gefordert. Ihr Ziel ist Saudi-Arabien. Deshalb die Vereinigung mit den Saudis und deshalb die überregionalen Reaktionen."

Saudi-Arabien unterstützt die jemenitische Regierung im Kampf gegen die Huthi-Rebellen im Norden: Ziel dieses Einsatzes ist es, die eigene Grenze zu sichern, damit keine El Kaida-Kämpfer aus dem Jemen ins Königreich eindringen. Es geht also nicht gegen die Huthi-Rebellen, sondern um einen Schutz gegen El Kaida. Stolze saudische Soldaten richten Fahnen auf, wenn sie einen Berg im Grenzgebiet erobert haben, die Opfer werden als Märtyrer heimgebracht. Auf der anderen Seite, soll sich eine weitere Regionalmacht eingemischt haben: Iran, wichtigster Gegenspieler Saudi-Arabiens. Immer wieder werden Vorwürfe laut, Iran unterstütze die schiitischen Huthi-Rebellen, um Saudi-Arabien zu schaden. Jemens Regierung spricht von einem saudisch-iranischen Stellvertreterkrieg. Die beiden Rivalen schieben sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe. Saudi-Arabiens Außenminister Saud al-Faisal:

"Der Schuldige zeigt ja förmlich mit dem Finger auf sich. Ich weiß nicht, welche Quellen die haben, die behaupten, Saudi-Arabien bekämpfe die Huthis. Wie kann Iran das behaupten. Der wirkliche Vorwurf muss lauten: Iran mischt sich in die inneren Angelegenheiten des Jemen ein. Auch wenn sie anderen Vorwürfe machen, können sie dies nicht vertuschen."

Der Politologe Khalil al-Anani differenziert die Gemengelage so:

"Saudi-Arabien und der Iran sind an vielen Orten der Region aneinandergeraten. Da war der Brennpunkt Libanon und nun der Brennpunkt Jemen. Dabei ist es paradox: Saudi-Arabien hatte immer Grenz- und Sicherheitsprobleme mit dem jemenitischen Regime. Und nun gibt es plötzlich diese enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Regierung. Der Iran im Gegenzug hat ein deutliches Interesse daran, die Huthi-Rebellen zu unterstützen, um indirekt Saudi-Arabien zu schaden."

Zur Ironie der Geschichte gehört es, dass die Saudis heute einen Stamm bekämpfen, den sie in den 60er-Jahren unterstützt haben: Damals, als Teile des Jemen mit ägyptischer Hilfe für die Gründung einer Republik kämpften, unterstützte das saudische Königshaus den Zaiditischen Imam, auf den sich die Huthis heute berufen. Damals spielte es keine Rolle, dass die Zaiditen zu den Schiiten gehören, heute dagegen werden sie dadurch automatisch mit dem Iran in Verbindung gebracht:

"Die Unterstützung des Iran erfolgt sicher nicht direkt. Aber indirekt, über die libanesische Hisbollah zum Beispiel. Es sind in den vergangenen Jahren immer wieder Vorwürfe laut geworden, dass Hisbollahkämpfer Huthi-Rebellen ausbilden. Das halte ich für sehr gut möglich. Eine offizielle Iranische Unterstützung der Huthis kann ich mir nicht vorstellen. Aber es gibt einen Waffenmarkt im Jemen und der Iran ist einer der größten Waffenhändler im Nahen Osten. Er verkauft an Hamas, Hisbollah und auch an die Huthis."

Arabia Felix, das glückliche Arabien, so nannten die Römer den Jemen. Doch Armut, Bevölkerungsexplosion und Wasserknappheit, haben das Glück rar gemacht, die Huthis im Norden und die Separatisten im Süden kämpfen um ein Stück vom Glück, und mitten im Chaos haben sich Terroristen eingerichtet - scheinbar unbehelligt von den staatlichen Sicherheitskräften.

Wenn sich fremde Staaten zusammen setzen, um eine Lösung für all diese Probleme zu finden, oder zumindest deren Export ins Ausland zu stoppen, gleicht das der Aufgabe des Sisyphos. Ein Militäreinsatz nach dem Vorbild Afghanistans wird die Lage eher verschlimmern als verbessern, die jemenitischen Sicherheitskräfte alleine machen zu lassen hat sich aber auch nicht bewährt. Abdel Malek Mansour setzt auf gezielte Militärhilfe:

"Der Westen kann uns helfen, wenn er die jemenitischen Sicherheitskräfte stärkt - nicht durch Personal, sondern indem jemenitische Polizisten im Ausland trainiert werden. Oder ausländische Experten kommen, die unsere Geheimdienste in neuen Fahndungs- und Überwachungstechniken ausbilden. Es gibt da lauter neue Geräte, die können sie uns geben, um sich selbst zu schützen. Denn der Jemen selbst ist arm, wir haben nichts zu verlieren. Aber wenn die anderen Angst haben vor Terror, sollen sie uns helfen, die Situation zu verbessern. Für die gesamte internationale Gemeinschaft."

Selbst wenn diese logistische und technische Unterstützung irgendwann geleistet wird, bleibt eine wichtige Frage offen: wird der Jemen seine dann besser geschulten Sicherheitskräfte und Geheimdienste tatsächlich gegen El Kaida einsetzen, die die Regierung selbst doch gar nicht wirklich bedroht? Oder wird er sie doch lieber in einen älteren Kampf schicken: Gegen die Rebellen im Norden und die Separatisten im Süden.

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