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StartseiteKommentare und Themen der WocheDie Spaltung könnte sich noch verstärken29.05.2019

Der Osten und die AfDDie Spaltung könnte sich noch verstärken

Nach dem Wahlerfolg der AfD im Osten Deutschlands dürfte es für die anderen Parteien schwer werden, die Wähler zurückzugewinnen, kommentiert Sachsen-Korrespondent Bastian Brandau. Vor allem auf dem Land dominiere Blau. Die jungen Menschen, die weltoffenen, seien längst weggezogen.

Von Bastian Brandau

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Ausschnitt eines Wahlzettels der Europawahl 2019, zu sehen sind die Parteien Grüne und Afd (imago / Jürgen Schwarz)
Ausschnitt eines Wahlzettels der Europawahl 2019 (imago / Jürgen Schwarz)
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Im November wird es 30 Jahre her sein, dass die Mauer gefallen ist. Eine ganze Generation ist seitdem groß geworden, die Teilung, Mauer und Stasi nur noch vom Hörensagen kennt. Ein trauriges Jubiläum könnte es werden. Das jedenfalls lassen die Wahlergebnisse vom vergangenen Sonntag befürchten.

Denn was das Abstimmungsverhalten angeht, scheint der Riss zwischen Ost und West sich gerade zu vergrößern. Vereinfacht gesagt: Statt Schwarz oder Grün wie im Westen, wählt der Osten blau. Klar, es gibt Ausnahmen wie Leipzig oder Jena. Denn auch im Osten gibt es eine Spaltung zwischen Stadt und Land.

Das Land wählt blau

In fast allen ländlichen Regionen im Osten jedoch ist es der AfD gelungen, sich fest zu etablieren. Wie das funktioniert, kann man etwa in der Lausitz gut nachvollziehen. Die AfD ist oft die einzige Partei, die überhaupt da ist. Mit ihrem Image als Kümmererpartei, mit ihren Versprechungen, etwa den Ausstieg aus der Kohle rückgängig zu machen. Und mit einem Rassismus und Nationalismus, der bei den Menschen auf Zustimmung stößt.

Längst ist für viele die Wahl für die AfD keine Protestwahl mehr, sondern eine aus Überzeugung. Und das, obwohl man im Wahlkampf nicht selten von AfD-Wählern hörte, dass die Partei gar nicht über Lösungen verfügt.

Man kann auch von diesen Menschen hören, dass sie auf den nächsten Sturz des Systems warten. Sie meinen damit die '89 erkämpfte Demokratie. Vor dem 9. November wählen die Menschen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg neue Landtage. Und auch hier steht zu befürchten, dass die Wahlergebnisse die Spaltung verstärken könnten.

Schwierige Regierungsbildung

Es ist unklar, ob es dann überhaupt stabile Regierungen gegen die AfD geben kann, ohne vier Parteien in eine Regierung zu pressen, etwa in Sachsen. Dort ist der bisherige Kurs des CDU-Ministerpräsidenten Kretschmer gescheitert, sich abzugrenzen und gleichzeitig die AfD-Wähler zu umgarnen. Sie wählen lieber das Original.

Für Regionen wie die Lausitz, in denen sich die Menschen oft zu Recht abgehängt fühlen, verschärft die hohe AfD-Zustimmung die Probleme. Denn der Unterschied zwischen Ost und West ist auch ein Generationenunterschied. Im Osten schlägt der demografische Wandel voll zu, insbesondere wiederum in den ländlichen Regionen. Dabei werden Fachkräfte dort längst gesucht.

Mit den Kohlekompromiss-Milliarden entstehen neue Möglichkeiten. Doch die in den 90er- und 2000er-Jahren jungen Weggezogenen kommen kaum zurück. Warum auch? Sie sind in Leipzig, Kassel oder Köln längst angekommen und wählen vermutlich grün. Und verstehen die Menschen in ihrer alten Heimat nicht mehr, die im Herbst, knapp 30 Jahre nach dem Mauerfall, wieder der AfD ihre Stimme geben werden.

Bastian Brandau (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Bastian Brandau (©Deutschlandradio / Bettina Straub)Bastian Brandau, geboren in Lüneburg, studierte Politikwissenschaften auf Magister in Göttingen und Bologna. Erste Radioerfahrungen beim Stadtradio Göttingen, dem NDR und WDR. Volontariat beim Deutschlandradio in Berlin, Köln und Brüssel. Seit 2016 Landeskorrespondent in Sachsen.

 

 

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