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StartseiteKalenderblattDer Querdenker18.04.2005

Der Querdenker

Berlin feiert das Einstein-Jahr

Er war ein Eigenbrötler, Freigeist und Frauenheld: Albert Einstein, der Begründer der Relativitätstheorie war ein Genie zum anfassen, ein Kosmopolit, der seine Autorität für den Weltfrieden einsetzte. Zum 50. Todestag und hundertsten Jubiläum seiner wichtigsten Entdeckungen feiert Deutschland das "Einstein-Jahr" in Berlin.

Von Irene Meichsner

Albert Einstein in New York (AP)
Albert Einstein in New York (AP)

"Verehrte An- und Abwesende! Wenn Ihr den Rundfunk höret, so denkt auch dran, wie die Menschen in den Besitz dieses wunderbaren Werkzeuges der Mitteilung gekommen sind. Der Urquell aller technischen Errungenschaften ist die göttliche Neugier und der Spieltrieb des bastelnden und grübelnden Forschers und nicht minder die konstruktive Phantasie des technischen Erfinders. Sollen sich auch alle schämen, die gedankenlos sich der Wunder der Wissenschaft und Technik bedienen und nicht mehr davon geistig erfasst haben als die Kuh von der Botanik der Pflanzen, die sie mit Wohlbehagen frisst."

Man hört ihm einfach gerne zu, obwohl er selber solche öffentlichen Auftritte gar nicht besonders mochte - wie 1930 bei der 7. Deutschen Funkausstellung in Berlin, wo Albert Einstein seit 1914 Professor war. Jetzt steht Berlin im Zentrum des "Einstein-Jahrs", mit dem Deutschland Einsteins 50. Todestag und das hundertste Jubiläum seines "Annus mirabilis" feiert, des "Wunderjahrs", in dem der 26jährige Angestellte am Berner Patentamt 1905 die klassische Physik aus den Angeln hob:

"In nur wenigen Monaten veröffentlichte er die Grundlagen der Quantentheorie, die Spezielle Relativitätstheorie und die vermutlich bekannteste Formel der Wissenschaftsgeschichte E = mc2 über die Beziehung also von Masse und Energie."

Der Bundeskanzler erhofft sich vom Einstein-Jahr neuen Schwung für seine "Innovationsoffensive". Daran dass Einstein schon 1932 nach Amerika ging und Deutschland nach der nationalsozialistischen Machtergreifung für immer den Rücken kehrte, erinnert man sich weniger gern. Etwas hilflos wünschte sich Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn insbesondere von den Jugendlichen:

"Denk mal vor – Denk mal neu oder Denk mal Quer!"

Einstein hätte man so etwas nicht eigens sagen müssen. 1879 in Ulm geboren und in München aufgewachsen, wechselte er mit 17 Jahren zum Studium in die Schweiz, entwickelte dort eine vollkommen neue Vorstellung von Raum und Zeit.

"Revolution in der Wissenschaft!" – "Eine neue Theorie des Universums!" – "Newtons Gesetze sind gestürzt!"

Die Presse überschlug sich vor Begeisterung, als 1919 Experimente während einer Sonnenfinsternis wesentliche Vorhersagen aus der Relativitätstheorie bestätigten. Dass Einsteins Denken für die meisten ein Buch mit sieben Siegeln blieb, nahm er mit Humor.

"Wenn man zwei Stunden lang mit einem netten Mädchen zusammensitzt, meint man, es wäre eine Minute. Sitzt man jedoch eine Minute auf einem heißen Ofen, meint man, es wären zwei Stunden. Das ist Relativität."

Aber es gab auch den anderen Albert Einstein, der keine Konflikte scheute, wenn es um soziale Gerechtigkeit ging:

"Ich achte stets das Individuum und hege eine unüberwindliche Abneigung gegen Gewalt und gegen Vereinsmeierei. Aus allen diesen Motiven bin ich leidenschaftlicher Pazifist und Antimilitarist, lehne jeden Nationalismus ab, auch wenn er sich nur als Patriotismus gebärdet."

Und dann der Schwärmer, der sich über "das Gefühl des Geheimnisvollen" begeisterte:

"Wer dies nicht erlebt hat, erscheint mir, wenn nicht wie ein Toter, so doch wie ein Blinder. Zu empfinden, dass hinter dem Erlebbaren ein für unseren Geist Unerreichbares sei, dessen Schönheit und Erhabenheit uns nur mittelbar und in schwachem Widerschein erreicht, das ist Religiosität. In diesem Sinne bin ich religiös."

Albert Einstein, der Eigenbrötler, Freigeist und Frauenheld: Kein Wissenschaftler war bis heute populärer als. Ein "Genie zum Anfassen", das der Welt auf einem legendären Foto die Zunge herausstreckte. Und ein Kosmopolit, der seine Autorität für die Erhaltung des Weltfriedens in die Waagschale warf. Seit 1932 Professor für Theoretische Physik in Princeton warnte er die Amerikaner kurz vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs davor, dass die Nazis eine Atombombe bauen könnten. Und prangerte 1950 in einer Fernsehansprache die hysterischen Züge beim atomaren Wettrüsten an, als in den USA die Entscheidung zugunsten der Wasserstoffbombe gefallen war:

"Das Gespenstische dieser Entwicklung liegt in ihrer scheinbaren Zwangsläufigkeit. Jeder Schritt erscheint als unvermeidliche Folge des vorangehenden. Als Ende winkt immer deutlicher die allgemeine Vernichtung."

Einsteins Traum von einer Weltregierung, die für einen dauerhaften Frieden sorgt, hat sich nicht erfüllt. Aber seinen unerschütterlichen Optimismus hat er sich bewahrt:

"Vollkommenheit der Mittel und Verworrenheit der Ziele scheint mir unsere Zeit zu charakterisieren. Wenn wir Sicherheit, Wohlergehen und freie Entfaltung der Fähigkeiten der Menschen ehrlich und leidenschaftlich wünschen, wo wird es uns an Mitteln nicht mangeln, uns einem solchen Zustand zu nähern. Wenn auch nur ein kleinerer Teil der Menschheit von solchen Zielen erfüllt ist, wird er auf die Dauer sich aller Überlegen erweisen."

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