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StartseiteKalenderblattDer Schriftsteller Henry Fielding gestorben08.10.2004

Der Schriftsteller Henry Fielding gestorben

Vor 250 Jahren

<em>Die Kost also, die wir hier zubereitet haben, ist keine andre als die Menschliche Natur.

Von Guido Graf

<p>(aus: Tom Jones)</em><br /><br />Die Kost, die Henry Fielding meint, ist sein Riesenroman Tom Jones. Wir schreiben das Jahr 1749. Erst hat er über Jahre etliche von Komödien und anderen kleinen, bösen Dramen geschrieben, die immer mehr Robert Walpole aufs Korn nahmen, den ersten englischen Premierminister. So lange, bis Walpole kurzerhand die Theaterzensur einführte und damit den überaus erfolgreichen Fielding zum Autor von Romanen machte. Auch das wurden sehr komische und sehr böse Giftspritzen. Vor allem die Schmachtwälzer seines Kollegen und Konkurrenten Samuel Richardson, überaus beliebt gerade beim weiblichen Publikum, unterwarf Fielding einem ironischen Vollwaschgang. Fieldings Wut war ein Antrieb, doch sie allein hätte nicht gereicht, um dann aus Tom Jones ein Meisterwerk der Weltliteratur zu machen.<br /><br /><em>Wir werden die menschliche Natur dem begierigen Appetit unseres Lesers zunächst in jener schlichteren und einfacheren Art darstellen, in der man ihr auf dem Lande begegnet, und sie sodann mit all der hohen französischen und italienischen Würze von Künstelei und Laster, die Hof und Stadt bereithalten, haschieren und ragouttieren. Hierdurch wird in unserem Leser zweifellos der Wunsch entfacht, stetig weiterzulesen. <br />(aus: Tom Jones)</em><br /><br />Diese menschliche Natur, die Fielding zumindest seinem Helden gibt, ist von Grund auf gut. Immer wieder macht Tom Jones sich lächerlich, wird der eigentlich Geliebten, mit der sich die Wege auf weit über tausend Seiten nur zu selten kreuzen, untreu - doch in seinem Herzen bleibt er gut. Man kann von Fielding viel über Verrat und Verleumdung lernen, über Intrigen und Dummheit, über schnelle Lust und langes Leiden. Ein Heuchler ist sein Tom Jones - so töricht er sich oft verhält - nie. Tom Jones scheint der einzige zu sein, der aus seinen Fehlern gelernt hat. Alle anderen machen weiter wie gehabt.<br /><br /><em>Wer das Schicksal großer Männer betrachtet, der wird zugeben müssen, wie sehr sie den Beifall der Welt verdienen und wie selten sie ihn ernten; denn wir bedenken, wie viel Mühsal und Beschwernis, Sorge, Unruhe und Gefahr sie auf ihrem Wege zur Größe begleitet, so können wir mit dem Geistlichen sagen, dass der Mensch mit halb soviel Mühe in den Himmel kommt, wie es ihn kostet, sich die Hölle zu erkaufen.<br />(aus: Mr. Jonathan Wild der Große. Die Geschichte eines Helden)</em><br /><br />Henry Fielding wurde 1707 in der Grafschaft Somerset geboren. In Eton besuchte er die Schule, im niederländischen Leiden begann er Rechtswissenschaft zu studieren. Die Familie war vornehm, doch Fielding arm. Also ging er nach London und verdiente seinen Lebensunterhalt mit dem unermüdlichen Schreiben von Lustspielen und Possen. Mit Einführung der Zensur war das vorbei. Fielding nahm sein Studium wieder auf und wurde später Friedensrichter von Westminster.<br /><br /><em>Die Poeten meiner Zeit waren überhaupt, wie Ihr wissen werdet, nicht sonderlich berühmt. Nur einer hatte damahls einigen Credit, zu meinem Troste aber sind alle seine Werke längst verschollen.<br />(aus: Eine Reise von dieser Welt in die nächste. Ein skurriler Roman)</em><br /><br />Das war zwar nicht der Fall, Wunschdenken spricht da allerdings schon aus Fielding, der in seinen ersten Romanen mit ätzender Ironie gegen Samuel Richardson zu Felde zog.<br /><br /><em>Die Bosheit, den Neid und den Haß, die ich gegen diesen Mann hegte, kann sich nur ein Schriftsteller, besonders ein unglücklicher vorstellen; ich konnte es niemahls ertragen, wenn man Gutes von ihm sprach, und schrieb anonyme Satiren auf ihn, obgleich ich ihm zu Dank verbunden war.<br />(aus: Eine Reise von dieser Welt in die nächste. Ein skurriler Roman)</em><br /><br />Fielding und Richardson haben sich nichts geschenkt. Richardsons empfindsame Romane haben eine stärkere Wirkung für die Geschichte des modernen Romans gehabt, doch Fieldings Tom Jones ist - zum Beispiel - gerade neu übersetzt worden. In Fieldings schönem kleinen Essay über Nichts von 1743 heißt es einmal:<br /><br /><em>Wahre Tugend, Weisheit, Bildung, Geist und Integrität wird ihren Besitzern ohne den geringsten Zweifel - nichts anderes einbringen als NICHTS.<br />(aus: Essay über Nichts)</em><br /><br />Diesem Nichts hat Fielding ins Auge geblickt, als nach nur zehn Jahren wohl überaus glücklicher Ehe seine Frau starb. Er wurde kränklich, wärmeres Klima sollte ihm helfen. Er ging nach Portugal und starb am 8. Oktober 1754 in Lissabon.</p>

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