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StartseiteCorso"Ich schmiere mir Hoffnung aufs Frühstücksbrot!"12.09.2018

Der Schweizer Liedermacher Roger Stein"Ich schmiere mir Hoffnung aufs Frühstücksbrot!"

Mit scharfem Blick betrachtet Liedermacher, Chansonnier und Pianist Roger Stein sich und seine Mitmenschen. Was er dabei sehe, mache ihm mitunter Sorgen, sagte er im Dlf. Doch der aufkeimenden Verzweiflung hält er etwas entgegen: "Ich glaube, dass Optimismus und Humor etwas Entscheidendes sind im Leben."

Roger Stein im Corsogespräch mit Thekla Jahn

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Roger Stein schaut im Brustbild vorn rechts lachend in die Kamera  (Niko Formanek)
"Humor ist ja die einzige Waffe, mit der man dem Schmerz entgegentreten kann, indem man ihn verspottet", sagte Liedermacher, Chansonnier und Pianist Roger Stein im Dlf (Niko Formanek)
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Streiter an der "Wortfront"
(Deutschlandfunk Kultur, Profil, 01.02.2010)

Roger Stein ist multimusikalisch unterwegs: Er ist Singer-Songwriter, Musikkabarettist, Pianist und Musikproduzent, dazu Lyriker und ein Teil des Duos "Wortfront". Daneben verfolgt er Soloprojekte, wie sein aktuelles Album "Alles vor dem Aber". In dem Titelsong seines zweiten Soloalbums, das Anfang September 2018 erschienen ist, heißt es:

Alles vor dem Aber ist nicht wichtig
Alles vor dem Aber ist egal
Alles vor dem Aber - der Text und das Gelaber
Ist verbal nur schlechtes Füllmaterial

Mit dem kleinen Wörtchen "Aber" hat sich Roger Stein schon sehr lange beschäftigt. Aus gutem Grund, wie er meint:

"Dieses 'Aber' ist so zentral in der deutschen Sprache, dass es alles, was davor steht, kaputt macht. Also: 'Ich bin kein Rassist, aber …'.  Es ist halt alles nebensächlich, was vor diesem kleinen Wort 'Aber' kommt.

Gleichzeitig steht man sich mit diesem 'Aber' auch selbst im Weg. Wenn man sagt: 'Ich möchte noch so gerne das und das, aber jetzt ist ja erstmal der Beruf'‚ 'aber jetzt sind erstmal die Kinder', 'aber jetzt müssen ja die Kinder studieren.' Man macht dann das, was man machen möchte, nie, weil man dieses 'Aber' im Kopf hat."

Süchtig nach Piano und Poesie

Als promovierter Germanist - wie Roger Stein einer ist - verwundert die intensive Beschäftigung mit einem Wort nicht, ebenso wenig, dass Roger Stein immer wieder Bücher und Lyrikbände veröffentlicht - zuletzt in diesem Frühjahr: "Business-Lyrik - Komische Poesie am Rande des Absurden". Einen Tag ohne zu schreiben gibt es bei ihm nicht.

"Das Texten ist bei mir, fürchte ich, eine Sucht. Ich bin süchtig nach guten Formulierungen, ich bin süchtig nach Poesie, es ist wie Klavier spielen. Man spielt selber, man hört sich aber auch ganz viel an und ich lese auch ganz viel, weil ich eben süchtig bin danach. Das ist mein Leben.

Ich habe mit meinem Doktortitel noch nicht einen einzigen Groschen verdient, sondern ich lebe tatsächlich von der Musik. Und die Lyrikbände - das ist alles nicht rentabel. Wenn, dann lebe ich von Konzerten, da muss man den Doktortitel sehr relativieren."

Optimismus und Humor täglich pflegen

Mit den Liedern auf dem Album "Alles vor dem Aber" wirft Roger Stein gesellschaftskritische und philosophische Fragen auf. Fragen wie: Woran misst man Wahrheit? Woran misst man Glück? Oder: Wie sollte man auf die Datensammelwut der Internetkonzerne reagieren?  

"Tatsächlich mache ich mir manchmal Sorgen um diese Welt und die Entwicklung, wie sie gerade vor sich geht."

Schnelle  copy & paste-Anworten kommen ihm nicht über die Lippen. Mit scharfem Blick betrachtet er sich und seine Mitmenschen, vergisst dabei aber nie den Humor.

"Humor ist ja die einzige Waffe, mit der man dem Schmerz entgegentreten kann, indem man ihn verspottet. Und ich glaube, dass Optimismus und Humor etwas Entscheidendes sind im Leben und die muss man auch pflegen, also die bleiben nicht von selber, und deswegen schmiere ich mir vielleicht Hoffnung aufs Frühstücksbrot."

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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