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StartseiteKalenderblattDer Seefahrer, der nicht zur See fuhr13.11.2010

Der Seefahrer, der nicht zur See fuhr

Vor 550 Jahren starb der Forscher und Initiator von Entdeckungsreisen Prinz Heinrich

Er sandte seine Kapitäne nach fremden Welten aus: Vor 550 Jahren starb Prinz Heinrich, genannt der Seefahrer. Der portugiesische Königssohn spürte selbst nur selten schwankende Schiffsplanken unter seinen Füßen, doch er initiierte im 15. Jahrhundert die Entdeckungsfahrten entlang der westafrikanischen Küste und schuf so die Voraussetzungen zur Entdeckung des Seewegs nach Indien.

Von Günther Wessel

Heinrichs Hauptinteresse gilt der afrikanischen Küste.  (Stock.XCHNG / Christa Richert)
Heinrichs Hauptinteresse gilt der afrikanischen Küste. (Stock.XCHNG / Christa Richert)

"Der Körperbeschaffenheit nach war er (...) von mittlerer Größe und von runden, starken und fleischigen Gliedern; die Farbe seiner Haut war weiß und blendend. (...) Er hatte etwas struppige Haare."

So beschrieb der Chronist Joao de Barros Mitte des 16. Jahrhunderts den Mann, der die See- und Kolonialmacht Portugals sowie die europäischen Entdeckungs- und Eroberungsfahrten begründete: Prinz Heinrich, geboren am 4. März 1394 in Porto, vierter Sohn des portugiesischen Königs Johann des Ersten und ohne Chance auf den Thron; genannt: der Seefahrer. Ein irreführender Name: Das portugiesische Navegador müsste man besser als "Kursfinder" oder "Wegweiser" übersetzen, denn Heinrich fuhr nicht zur See. Er wies anderen die See-Wege.

Es war kein Zufall, dass die Entdecker aus Portugal und Spanien lossegelten. Der bis dahin bekannte Weg dorthin war für wertvolle Handelsgüter, Zimt, Pfeffer und Muskat zu weit und zu teuer. Sie wurden aus Sumatra verschifft, über Indien nach Arabien oder Ägypten. Kamelkarawanen brachten sie bis nach Kairo oder Damaskus, wo sie von Venezianern übernommen wurden. Wenn die Gewürze endlich in Porto landeten, hatte sich ihr Preis vervielfacht.

Etwas billiger waren die Waren in Afrika. Nach Ceuta in Marokko kamen Karawanen aus Ägypten oder den Ländern südlich der Sahara. 1415 eroberte Prinz Heinrich Ceuta deswegen mit einer großen Flotte. Doch letztlich nutzte das wenig, denn die arabischen Karawanen verlegten ihren Zielpunkt nach Tanger. Heinrichs Versuch, auch diese Stadt 1437 zu erobern, schlug fehl.

So führte Portugals Weg zu den Gewürzen nur "Ultramar" - über das Meer! Heinrich förderte die Seefahrt. In Sagres, an der Südwestspitze Europas sammelte er Wissenschaftler um sich, Kartografen und Bootsbauer. Sie konstruierten ein neues Segelschiff: die Karavelle, mit der man besser gegen den Wind kreuzen konnte und somit schneller vorwärtskam.

Heinrichs Hauptinteresse gilt der afrikanischen Küste. Seine Kapitäne stoßen immer weiter vor: Sie erreichen Madeira und die Azoren, doch Heinrich verlangt, dass sie Kap Bojador, eine Landzunge auf Höhe des 26. Breitengrades umfahren. Gil Eanes wagt 1434 den Versuch, tastet sich mit seinem Schiff über den Rand der bekannten Welt hinaus und beweist, dass südlich davon das Meer weder - wie angenommen - kocht, noch - wie Ptolemäus gelehrt hatte -

"alles Leben von der senkrecht stehenden Sonne versengt werde."

Überall betraten die Seefahrer nun unbekanntes Land. Sie stellten Steinpfeiler auf, um es für Portugal in Besitz zu nehmen. Ihnen folgten Händler, wie etwa Alvise Ca da Mosto, der den Senegal-Fluss befuhr. Später berichtete er:

"Ich schnitt mir ein Stück Fleisch aus dem Tierkörper heraus, das ich dann, geröstet und gebraten, auf meinem Schiff aß. Nunmehr konnte ich mit Recht behaupten, dass ich das Fleisch eines Tieres gegessen hatte, das vor mir noch keiner meiner Landsleute gekostet hatte. Freilich schmeckte das Elefantenfleisch nicht sehr gut, es war zäh und zudem noch fad."

Geschäfte machte man nicht mit Elefantenfleisch, sondern mit Sklaven, Gold, Pfeffer und Elfenbein. Erst nach der Umrundung von Kap Verde bei Dakar zahlten sich die Expeditionen auch finanziell aus.

Als Prinz Heinrich am 13. November 1460 starb, waren die Portugiesen bis zur Küste des heutigen Sierra Leone vorgedrungen. Damit war die Umschiffung Afrikas, der Seeweg nach Indien, greifbar nahe gerückt.

"Die meiste Arbeit ist getan. Die Ausbeutung der neu entdeckten Länder braucht keinen kühnen Geist mehr, keinen Forscherdrang",

schrieb Gomes Eanes de Zurara in seiner "Cronica do descobrimento e conquista da Guine", der ersten Beschreibung portugiesischer Entdeckungsfahrten:

"Die Händler haben die Zukunft in ihren Händen."

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