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StartseiteEuropa heuteDer selbsternannte Erlöser Rumäniens22.11.2007

Der selbsternannte Erlöser Rumäniens

Der Millionär und ehemalige Schafhirte Gigi Becali will Präsident werden

Gigi Becali ist der neue Star der rumänischen Massen und nach dem Staatspräsidenten zweitpopulärster Politiker im Land. Der Sohn eines Wanderhirten aus den Ostkarpaten hat mit Immobiliengeschäften ein Millionenvermögen gemacht, vor einigen Jahren gründete er die "Partei Neue Generation - Christdemokraten", die einen kruden Ideologiemischmasch aus Ultrakonservatismus, rechtsradikalen Versatzstücken und orthodoxem Fundamentalismus vertritt. Becali wurde als Besitzer des Bukarester Fußballklubs Steaua bekannt, er ist berüchtigt für seine hysterischen Anfälle und Schreieren in der Öffentlichkeit und für sein maßlos übersteigertes Ego. Populär wurde er durch diverse öffentliche Wohltätigkeitsaktionen. Im Jahr 2009 will er Präsident Rumäniens werden. Doch erst einmal tritt er zu den rumänischen Europawahlen am 25. November als Spitzenkandidat seiner Partei an. Keno Verseck hat ihn getroffen und versucht in Erfahrung zu bringen, was Europa und Rumänien von ihm zu erwarten haben.

Von Keno Verseck

Schafe hätten ihn stark gemacht, sagt Gigi Becali. (dradio.de/Andreas Lemke)
Schafe hätten ihn stark gemacht, sagt Gigi Becali. (dradio.de/Andreas Lemke)
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Der selbsternannte Retter Rumäniens in seinem 500.000-Euro-Wagen, Marke Mercedes-Maybach, beim Karaoke: Er schmettert ein orthodoxes Kirchenlied, Text: "Denn Gott ist mit uns!" Dann sagt er: "Ich höre nur solche Musik, sie macht mich so stark! Nein, ich fürchte nichts und niemanden!"

Gigi Becali knallt die Tür seines Wagens zu und marschiert in seinen Palast im Bukarester Stadtzentrum. Außen Blattgold und Stuck, innen Blattgold und Stuck. Der Mann mit dem eckigen Gesicht und dem schlitzohrigen Lächeln kommt gleich zur Sache. Natürlich werde er der nächste Präsident Rumäniens sein, kein Zweifel.

" Ich bin der stärkste und mächtigste Mann in Rumänien. Insgesamt gesehen. Das Ökonomische, das Politische, das Spirituelle, mein Ansehen im Land, mein Alter, 49 Jahre, ja, sogar mein Aussehen, denn ich strahle ja mehr Stärke aus als alle anderen Politiker, also all das zusammen, alle diese Tugenden, die mir Gott gegeben hat, machen mich zum stärksten Mann, denn so ist es, ich bin der Stärkste. "

Gigi Becali ist ein rumänischer Unternehmer und Politiker der PNG-CD (AP Archiv)Gigi Becali ist ein rumänischer Unternehmer und Politiker der PNG-CD (AP Archiv) Gigi Becali ist einer der bizarrsten Politiker, den Rumänien seit Ceausescu hervorgebracht hat. Vor 1989 Schafhirte, machte er nach dem Sturz des Diktators mit Grundstücksspekulationen ein Riesenvermögen. Wegen einiger besonders dubioser Geschäfte ermittelt derzeit die Staatsanwaltschaft gegen ihn. Wo immer das rumänische Fernsehen präsent ist, wirft er mit Geld um sich: Flutopfern in Südrumänien ließ er neue Häuser bauen, in einem Bukarester Neubaughetto bezahlte er im Frühjahr sämtliche Stromrechnungen, nachdem die Bewohner eine Straßenrevolte veranstaltet hatten. Doch Becali ist mehr als nur ein machthungriger Populist. Er sieht sich als eine Art Messias: "Gott hat in Rumänien jemanden mit Namen Becali geboren, und das bin ich", sagt er. "Ich werde Rumänien zum großen Sieg führen. Ich! So wird es sein."

Erst einmal kandidiert Becali, etwas bescheidener, für einen Platz als Abgeordneter im Europaparlament. Was will er dort, was hält er von Europa?

" Gott hat Völker gemacht, nicht ein einziges Volk. Wir sind Europäer, aber man soll sagen: rumänische Bürger, nicht: europäische Bürger. Das ist etwas Heiliges, was wir nicht ändern dürfen, sonst wird Gott uns vernichten. Das werde ich in Europa verbreiten. Und im Europaparlament in Brüssel werde ich die Frage stellen: Wer hat uns geschaffen?! "

Es ist schwer, im Gespräch mit Becali nicht laut loszulachen. Er weiß nicht, in welcher Stadt das Europaparlament tagt, freimütig vergleicht er sich mit Christus, prahlt davon, wie er am Rouletttisch in einem Casino in Monaco mit dem Teufel in persona gekämpft habe, er beschimpft sein Gegenüber wegen dessen Unglaubens, wirft das Mobiltelefon in eine Salonecke. Ein Clown und Psychopath? Kaum jemand aus der rumänischen Politik- und Meinungselite nimmt Becali ernst. Und das ist womöglich ein Fehler angesichts der Zukunftspläne des rumänischen Führers.

" Als Präsident werde ich pausenlos verkünden: "Frieden, Frieden, Frieden!" Damit es in alle Köpfe eindringt. Damit der ganze Hass und Zank, den die Politiker im Fernsehen verbreiten, ein für allemal ein Ende hat. Aber ich werde nicht nur Frieden verkünden, sondern ihn auch umsetzen. Ich werde ein harter und weiser Herrscher sein und werde eine sehr große Entscheidung treffen, über die ich jetzt noch nichts verraten kann. Nur ich bin in der Lage, diese Entscheidung zu treffen. Es gibt keinen Frieden ohne diese große Entscheidung. "

Immerhin lässt Becali sich entlocken, dass er an etwas wie das russische Modell denke. Ähnlich geht das Gespräch weiter: Von der Hetze gegen Homosexuelle bis zur Leugnung des Holocausts in Rumänien ist alles, was nach rechtsaußen gehört, dabei. Schließlich, leicht erschöpft, beginnt Becali von seinem Leben als Schafhirte zu schwärmen.

" Wenn du Schafe hütest, hast du keinerlei Stress, du stehst nur da und guckst umher. Jetzt habe ich viel Stress, Kriege, Kämpfe ... Wenn ich keinen Erfolg in der Politik habe, widme ich mich vielleicht wieder den Schafen. Ich habe auch jetzt 30 Schafe bei mir im Hof in Bukarest, als Hobby. Manchmal gehe ich zu ihnen und betrachte sie. Ich mag Schafe. Sie haben mich großgezogen, und sie haben mich so stark gemacht. "

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