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StartseiteCorsoZulu-Codes für die Gegenwart29.02.2020

Der Singer-Songwriter Sibusile XabaZulu-Codes für die Gegenwart

Der Singer-Songwriter Sibusile Xaba gilt als Vertreter der südafrikanischen Maskandi-Musik. Mit seiner Nylonsaiten-Gitarre fusioniert er traditionelle afrikanische Sounds mit westlichen Einflüssen zwischen Bossa Nova, Flamenco und Prog-Rock. Seine Musik versteht er nicht nur als Aufruf an die Ahnen.

Von Franziska Buhre

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Auf dem Bild ist der Singer-Songwriter Sibusile Xaba zu sehen. (Tom McGeehan)
Der Singer-Songwriter Sibusile Xaba (Tom McGeehan)
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"Ich bin einer von euch", singt Sibusile Xaba in dem Titelstück seines Albums "Ngiwu Shwadada". So drückt er die Seelenverwandtschaft mit seinen Vorfahren und musikalischen Vorbildern in der Region KwaZulu Natal in Südafrika aus.

"Ich verantworte die Musik nicht, ich besitze sie nicht, sie gehört mir nicht. Ich bin nur ein Gefäß für die Musik. Ein Instrument, das Mitteilungen in Form von Klang erhält. Deshalb bin ich viele Menschen, nicht ein einziger. Ich kann nicht sagen, dass ich allein die Verantwortung trage."

Durch Xabas Gesang sprechen viele Stimmen

Durch Xabas Gesang sprechen viele Stimmen. Mal schwingt sich seine Stimme in die Höhe, während er ruhige, zyklische Phrasen auf der Gitarre spielt, mal scheint er zu schluchzen oder gurgelt Worte in sich hinein. Wie kam er dazu? Xaba wurde 1984 in Newcastle geboren, die Stadt liegt zwischen Johannesburg und Durban. Aufgewachsen ist er mit den Gesängen der Izayoni-Kirche: die Gläubigen halten einen langen dünnen Stock in der Hand, bewegen sich rhythmisch und singen A cappella.

Xaba ging mit Freunden durch die Wiesen im Umland von Newcastle und an den Seen nahe der Küste auf Streifzüge. Gitarren waren immer dabei, die Jugendlichen bauten sie selbst.

"Die Gitarre war immer präsent aber nichts Besonderes. Als Jugendliche haben wir sie selbst gebaut, das war normal. Man nahm einen Ölkanister, bohrte ein Loch hinein und befestigte daran eine Holzlatte. Wir sind oft an den vielen Seen in der Gegend angeln gegangen, und neben der Angel war die Gitarre immer dabei. Wir konnten sie nicht kaufen, also haben wir sie selbst gebaut."

Mythen und Alltagserfahrungen

Als Teenager begeisterte sich Xaba für Kwaito, die angesagte Popmusik Südafrikas in den 1990er Jahren. Xaba zog nach Pretoria, wurde zum Schauspielstudium zugelassen, ging aber lieber an eine nicht-staatliche Musikschule und lernte von Grund auf Gitarre. Seine Mentoren und Vorbilder sind Madala Kunene und Philip Tabane. Kunene wird als König der Zulu-Gitarre bezeichnet, er kreierte eine einzigartige Mischung aus Folk und Blues. Durch die Fusion von Afro-Jazz und zeremoniellen Spielweisen begründete Tabane bereits in den 1960er Jahren mit seiner Band Malombo einen eigenen Stil. Sibusile Xaba reiht sich ein in die Tradition von Maskandi-Musikerinnen und -Musikern und Zulu-Liedermacherinnen und -Liedermachern, die von Mythen und Alltagserfahrungen erzählen.

"Die Identität von uns Menschen in Afrika wurde manipuliert, vereinnahmt und vergewaltigt. Aber ganz gleich wie sehr versucht wurde, sie zu zerstören – sie verschwindet nie. Sie ist uns eingeschrieben. Ihre Codes sind verinnerlicht, auch in Räumen und an Orten, die man niemals begreifen kann."

Elementare Auffassung von Menschlichkeit

Xaba hat sich eine elementare Auffassung von Menschlichkeit bewahrt. Deshalb sind auch seine Begegnungen mit anderen Musikern so intensiv. In einigen Stücken musiziert er im Duett mit dem Sänger Kholofelo Naftali Mphago. Die Wärme ihrer Stimmen überträgt sich, auch wenn man die Sprache nicht versteht.

"Wenn mir Dinge begegnen wie Differenzen, Segregation, Rassismus und dergleichen, nehme ich sie so hin wie sie sind. Ich fasse das eher mit einer alten Weisheit auf: wir arbeiten mit Energie, also lass’ nicht zu, dass deine Energie umgeleitet, verwandelt wird. Genau darum geht es in der Musik. Sie kommt von den Vorfahren, aus einer vollkommenen Welt, der wir alle entstammen. Diese Welt verfolge ich zurück, darauf vertraue ich. Ich lausche den Informationen und versuche, einen Ausdruck dafür zu finden."

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