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StartseiteCorsoMusikalische Welten in einem Hotel12.11.2019

Der Sound von Los AngelesMusikalische Welten in einem Hotel

Die US-Metropole Los Angeles ist von ganz unterschiedlichen kulturellen Einflüssen geprägt worden – auch in der Musik. Das Projekt "Rhythms of the City" würdigt jetzt dieses vielfältige Erbe, indem mehr als 100 Musiker in einem Gebäude gemeinsam auftreten.

Von Katharina Wilhelm

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Der Broadway in der Innenstadt von Los Angeles. (dpa /Bernd Settnik)
Downtown Los Angeles: ein verrottetes Viertel, das durch kulturelle Projekte wie "Rhythms of the City" wiedererwacht (dpa /Bernd Settnik)
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Das Rendon ist ein verlassenes Hotel mitten in Downtown L.A. - zwischen Neubauskeletten und Parkplatz-Schluchten. Doch gerade ist es hier drinnen lebendiger denn je: Hier wird nämlich gerade geprobt für eine einmalige Aufführung.

"Jeder spielt hier gleich die gleiche Musik, nur in ihrem Stil. Hier zum Beispiel haben wir eine Mariachi-Band aus Mexiko oder da drüben sind senegalesische Trommler", erklärt mir Ralph Ziman, der Regisseur des Projekts.

Ein Hotel voller Musik

In 40 Hotelzimmern treten jeweils zeitgleich verschiedene Musiker aus Los Angeles auf, aus unterschiedlichen Ländern mit unterschiedlichsten Stilrichtungen. Nur einen Tag haben sie dafür geprobt.

Durch Kopfhörer wissen die Musiker, wann ihre Einsätze losgehen. Den Auftakt geben zwei Opernsängerinnen, gefolgt von Rap. Dann setzen irgendwann alle Musiker ein. "Die Musik fließt, sie blutet richtig durch die Wände", sagt Ziman.

Vielfalt in den verschiedenen Räumen

Die Besucher strömen durch das dreistöckige Hotel, stecken ihre Köpfe in die verschiedenen Räume hinein. Steeldrums aus Jamaica, eine Flöte aus Irland, eine Sitar aus Indien oder Äste, Stöcke und Hölzer, die als natürliche Percussion fungieren. Sie alle harmonieren zusammen. Die Wände des alten Rendon Hotels beben.

Das Publikum ist so immer in Bewegung, strömt durch die Gänge, die alten Zimmer, darf verweilen, tanzen oder einfach nur zuhören.

"Das hier ist der kubanische Raum", sagt Musiker David Velazco. "Wir wussten nicht gleich, ob das alles funktionieren würde, wie wir uns zusammen anhören. Aber die Reaktion der Leute spricht Bände, die zeigt uns, wie gut wir waren."

"Wir sind ein großes Ganzes"

Initiator und Komponist des etwa zehnminütigen Stückes, das dreimal wiederholt wird, ist der brasilianische Komponist Heitor Pereira. Der Kinokomponist, der früher Gitarrist bei Simply Red war, hatte die Melodie irgendwann im Kopf, erzählt er:

"Es ist für mich so eine Ehre, dass alle diese Musiker meine Melodie spielen. Sie sind alle so im Einklang und sie helfen mir damit, meine Botschaft rüber zu bringen: Dass wir nämlich – egal welcher Kultur wir angehören – ein großes Ganzes sind."

Auch wenn der Auftritt nur an einem Wochenende stattgefunden hat, soll das Konzert demnächst sogar als Film wiedererlebbar sein: eine Dokumentation ist in Planung.

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