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StartseiteEuropa heuteDer streitbare Spanier02.10.2012

Der streitbare Spanier

Kataloniens Ministerpräsident Artur Mas im Porträt

Er forderte für seine Region Steuerautonomie, andernfalls wolle Katalonien unabhängig werden: Artur Mas, Jahrgang 1956, gilt als Analytiker mit Gespür für populäre Gesten. Seit Dezember 2010 ist er katalanischer Ministerpräsident und bereitet vor allem seinem Amtskollegen in Madrid Kopfzerbrechen.

Von Julia Macher

Der katalanische Ministerpräsident Artur Mas (picture-alliance / dpa / Juan Carlos Hidalgo)
Der katalanische Ministerpräsident Artur Mas (picture-alliance / dpa / Juan Carlos Hidalgo)
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Nach reiflicher Überlegung habe er sich dazu entschlossen, das Parlament aufzulösen und Neuwahlen auszurufen, Neuwahlen, die den Weg zur katalanischen Unabhängigkeit ebnen sollen. Was der katalanische Ministerpräsident Artur Mas Anfang letzter Woche verkündete, war zwar keine Überraschung mehr, aber dennoch ein Paukenschlag. Denn damit stellte er sich an die Speerspitze der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung.

Ausgerechnet Artur Mas, der das Wort Unabhängigkeit bis jetzt tunlichst vermeidet und statt dessen lieber von staatlichen Strukturen und dem Recht auf Selbstbestimmung spricht – auch, um die wirtschaftsliberalen Wähler seiner Partei nicht zu verprellen.

Artur Mas Vita liest sich, als hätte sie sich ein Drehbuchautor für einen Film über das katalanische Großbürgertum ausgedacht: Geboren 1956 als Ältester von vier Kindern besucht er das Lycée Français, studiert dann BWL und VWL. Das überrascht in der Familie Mas i Gavarró niemanden: Die Mutter stammt aus einer Textilindustriellen-, der Vater aus einer Metallindustriellenfamilie. Mit 26 Jahren tritt er der konservativ-katalanistischen Convergència i Unió bei.

Ein kühler Kopf, ein heißes Herz, entschlossene Faust und mit beiden Beinen auf dem Boden: So beschreibt sich Artur Mas selbst. Seinen rasanten Aufstieg verdankt er wohl vor allem seiner Analysefähigkeit, taktischem Geschick, einem Gespür für populäre Gesten - und Ex-Ministerpräsidenten Jordi Pujol, der den smarten jungen Mann zu seinem politischen Ziehsohn macht. 2002 wird Mas erstmals Präsidentschaftskandidat der Partei. Die Wahlen gewinnen die Sozialisten, Mas wird Oppositionsführer und nutzt die Zeit zur Neupositionierung. 2007 formuliert er in einer viel beachteten Rede sein politisches Programm.

Es ist der Versuch dem im 19. Jahrhundert entstandenen katalanischen Nationalismus, der sich bis dahin vor allem auf kulturelle und sprachliche Wurzeln beschränkte, eine neue Stoßrichtung zu geben.

"Wo der historische Katalanismus die wirtschaftliche Wiederauferstehung Spaniens gesucht hat, müssen wir Katalonien einen Platz in der Welt verschaffen. Wo der historische Katalanismus von Autonomie oder Selbstverwaltung sprach, müssen wir vom "Recht auf Selbstbestimmung" sprechen."

In Mas' Rede wimmelt es von Begriffen wie Leistungsbereitschaft und Wirtschaftsmacht. Der Fiskalpakt ist als Idee bereits enthalten. Als Mas im Dezember 2010 im dritten Anlauf Ministerpräsident wird, nennt er dieses neue Finanzierungsmodell als wichtigstes Ziel der Legislatur. Seine Partei soll mehr sein als bloß Königsmacher in Madrid.

Doch zunächst macht seine Regierung mit einem rigiden Kürzungsprogramm Schlagzeilen. Die Ausgaben für Gesundheit werden um elf, die für Bildung um zwölf Prozent gekürzt. Die katalanische Protestbewegung der Empörten läuft Sturm gegen den Sparkurs.

Als im Juni 2011 ein paar Tausend das Parlament blockieren, um die Abstimmung zu verhindern, lässt sich Mas per Hubschrauber ins Parlament fliegen. Eine großspurige Geste, die Führungsqualitäten beweisen sollte – und ganz nebenbei zeigte, welche Bedeutung der Sparkurs in Artur Mas politischer Strategie hat: Der wirtschaftliche Druck auf Katalonien ist sein politisches Unterpfand; der Hebel, mit dem er sein Programm eines "neuen Katalanismus" umsetzen will.

Profitiert hat davon bisher vor allem die linke katalanische Unabhängigkeitsbewegung, die jetzt Zulauf von all jenen erhält, die glauben, dass es der autonomen Region ohne Transferleistungen nach Spanien besser ginge. Ob auch Artur Mas davon profitiert, wird sich im November zeigen.

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