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StartseiteKommentare und Themen der WocheEine Chance für die Welt 17.12.2018

Der UN-Flüchtlingspakt Eine Chance für die Welt

Der von der UN-Vollversammlung mit großer Mehrheit angenommene Flüchtlingspakt sei viel mehr als nur eine freundlich formulierte, unverbindliche Empfehlung, kommentiert Georg Schwarte. Er sei die Chance, gemeinsam die Aufgaben für den Schutz und die Aufnahme von Flüchtlingen besser und gerechter zu verteilen.

Von Georg Schwarte

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Kinder spielen in einem inoffiziellen Flüchtlingslager bei Arida nördlich von Beirut im Libanon (AFP / Joseph Eid)
Syrische Flüchtlinge, die - wie im Bild - im Libanon besser versorgt werden, kehren möglicherweise irgendwann als Menschen in ihre Heimat zurück, die dort dann ebenfalls helfen, kommentiert Georg Schwarte (AFP / Joseph Eid)
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Alle zwei Sekunden muss ein Mensch auf der Welt fliehen. Nicht weil er will. Weil er muss. Weil sein Haus geplündert, sein Dorf beschossen, sein Volk massakriert oder seine Familie bedroht ist. Alle zwei Sekunden. Das ist die erste Zahl, die jeder wissen sollte, der jetzt über den UN-Flüchtlingspakt redet. 85 Prozent dieser Flüchtlinge finden anschließend Schutz und Hilfe in Entwicklungsländern. 85 Prozent. Das ist die zweite Zahl, die all jene wissen sollten, die Europa überrannt, Deutschland überfüllt und das Abendland bedroht sehen durch Flüchtlinge. 

Viel mehr als eine unverbindliche Empfehlung

Jetzt also der UN-Flüchtlingspakt. 68,5 Millionen Menschen sind aktuell auf der Flucht. Irren im eigenen Land umher oder suchen Hilfe jenseits ihrer Heimat. Mehr Menschen, als jemals nach dem Zweiten Weltkrieg. Auch ihnen ist dieser Flüchtlingspakt gewidmet. Ihrem Schicksal. Ihrem Leben. Ihrer Zukunft. "Sie sollen Erfolg haben, nicht bloß überleben", nennt das der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi. Dabei weiß der Mann, dass gelegentlich das Überleben schon der eigentliche Erfolg ist.

Viele Flüchtlinge leben heute in Ländern, die selbst bitterarm sind, die aber dennoch - wie beispielsweise Uganda - Menschen aufnehmen und helfen. Dieser UN-Flüchtlingspakt ist auch deshalb viel mehr als nur eine freundlich formulierte, unverbindliche Empfehlung. Er ist die Chance, die Aufgaben für den Schutz und die Aufnahme von Flüchtlingen besser und gerechter zu verteilen. Als Gemeinschaftsaufgabe zu verstehen. Und weil die unselige Debatte über den Migrationspakt gerade erst bewiesen hat, wie groß das Verhetzungspotenzial ist, wie ausgeprägt die Lust, mit der Angst und dem Unwissen und Vokabeln wie Asyl, Drittstaatenlösung oder Umsiedlung Stimmung zu machen, hier nur der Hinweis: Der Flüchtlingspakt hilft Ländern wie Deutschland, denn Deutschland ist schon jetzt vorbildlich, wenn es um den Umgang mit Flüchtlingen geht. Deutschland ist die Blaupause für das, was dieser Pakt jetzt von allen Staaten einfordert.

Der UN-Flüchtlingspakt beschreibt eine Chance

Deutschland hat lange verstanden, dass - anders als der amerikanische Präsident Trump beispielsweise jemals begreifen wird – Entwicklungshilfe auch demjenigen hilft, der sie gibt. Der UN-Flüchtlingspakt nämlich setzt genau darauf. Aufnahmeländer zu stärken. Infrastruktur auszubauen. Bildungschancen vor Ort zu erhöhen. Syrische Flüchtlinge, die in der Türkei, im Libanon, in Jordanien besser versorgt, ausgebildet, gestärkt werden, kehren möglicherweise irgendwann als Menschen in ihre Heimat zurück, die dort dann ebenfalls helfen, stärken, aufbauen. Wem im afrikanischen Nachbarland bereits geholfen wird, der setzt sich nicht in ein Schleuserboot, um im Mittelmeer zu ersaufen oder im Idealfall in Europa sein Glück zu finden. Die Genfer Flüchtlingskonvention hat 1951 Rechte und Pflichten für Staaten und Flüchtlinge beschrieben. Der UN-Flüchtlingspakt beschreibt jetzt eine Chance. 181 Staaten haben das erkannt. Nur die USA und Ungarn stehen auf der falschen Seite. Wieder einmal. 

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