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StartseiteKommentare und Themen der WocheAmerica first = Trump first28.03.2020

Der US-Präsident in der CoronakriseAmerica first = Trump first

Der US-Präsident redete die Pandemie wochenlang klein, die Gouverneure sollten sich selbst helfen. Wenn die Bürger demnächst Geld vom Staat bekommen, soll Trump darauf gedrängt haben, dass diese Schecks seine Unterschrift tragen. Auch im Krisenmodus denkt Trump an sich selbst zuerst, kommentiert Jan Bösche.

Von Jan Bösche

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Trump steht in blauer USA-Baseballmütze am Rednerpult im Presseraum des Weißen Hauses. Hinter ihm stehen zwei Männer und eine Frau. (Alex Brandon / AP / dpa)
Donald Trump will im Kampf gegen Corona Hilfen nur Gouverneuren zuteil werden lassen, die sich "dankbar zeigen". (Alex Brandon / AP / dpa)
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Es gab einen kurzen Moment, da hatte man den Eindruck, Präsident Trump habe den Ernst der Lage erkannt. Nachdem er das Corona-Problem wochenlang klein geredet hatte, warnte er plötzlich die Amerikaner vor der Schwere des Problems. Er forderte sie auf, zuhause zu bleiben. Für einen kurzen Moment verhielt er sich, wie man es von einem US-Präsidenten erwartet: Ernsthaft und problemorientiert, den nationalen Zusammenhalt beschwörend, um die Krise gemeinsam zu bewältigen.

Das war aber nur ein kurzer Moment. Donald Trump ist wieder ganz der Alte. Das zeigte sich am Freitag, als er Gouverneure danach beurteilte, wie dankbar sie sich zeigen. Nur wer dankbar genug ist, könne mehr Hilfen der Bundesbehörden erwarten. Die USA haben schon jetzt die höchste Zahl an registrierten Corona-Fällen in der Welt – und die Fälle steigen rasant weiter an – Trumps wichtigstes Ziel ist es aber, die Ausgangssperren wieder aufzuheben und die Wirtschaft so schnell wie möglich wieder anzukurbeln.

GM rückt die Trump-Administration in schlechtes Licht

Die Bundesstaaten forderten Trump auf, Schutzbekleidung und Beatmungsgeräte zentral zu besorgen und zu verteilen – um Bieterkämpfe zu vermeiden. Er schaltete sich erst ein, als der Autohersteller GM einen Deal für Beatmungsgeräte platzen ließ und damit das Weiße Haus in ein schlechtes Licht rückte.

Trumps Verhalten ist umso erstaunlicher, weil viele seiner Vorgänger es geschafft hatten, in Krisenzeiten das Land um sich zu scharen. Die Amerikaner mögen es, wenn ein Präsident Führungsstärke zeigt, belohnen ihn dann mit guten Umfragewerten und ab und an sogar mit einer Wiederwahl. In der Tat sind Trumps Beliebtheitswerte in den vergangenen Umfragen angestiegen, in manchen haben sie sogar Höchstwerte erreicht. Allerdings liegen sie weiterhin um die 50 Prozent. Wie Amerikaner die Leistung des Präsidenten einschätzen, hängt weiterhin davon ab, welche Partei sie unterstützen. Trump hat es nicht geschafft, eine Welle der nationalen Einigkeit zu erzeugen, die ihn im November zu einem zweiten Wahlsieg hätte tragen können.

Botschaft an die Gouverneure: Kümmert euch erstmal alleine

Trumps konfuses Krisenmanagement zeigt eine weitere verlorene Chance für einen Präsidenten, der doch eigentlich gerne Stärke zeigt. Trump und seine Unterstützer wollten das Präsidentenamt stärken, sie meinen, der Kongress sei zu mächtig geworden. Eine Krise ist grundsätzlich eine Chance für Präsidenten, Macht zu konzentrieren, Einfluss zu erweitern. Trump dagegen will mit der Krise nicht allzu viel zu tun haben: Er hat den Gouverneuren der Bundesstaaten immer wieder gesagt, sie sollten sich erstmal alleine kümmern.

Immerhin hat sich Trump nicht in den Weg gestellt, zum Beispiel beim Zwei-Billionen-Dollar-Hilfspaket. Kritiker spotteten, das entspreche seiner Natur: Schon als Immobilienentwickler und Kasino-Besitzer habe Trump nie ein Problem damit gehabt, das Geld anderer Leute auszugeben. Entscheidend ist, wie er es verkaufen kann: Wenn die Amerikaner in den kommenden Wochen einen Scheck vom Staat bekommen, soll Trump darauf gedrängt haben, dass diese Schecks seine Unterschrift tragen. So berichtet es zumindest das Wall Street Journal.

Geschenke verteilen, die Wirtschaft wieder ankurbeln, auf Kosten der Gesundheit, keine Verantwortung akzeptieren aber Lob verlangen. Fakten verdrehen, falsche Hoffnungen machen und darauf bauen, dass seine Wähler im November dieses Bild glauben – so versucht Donald Trump durch diese Krise zu kommen. Es zeigt sich wieder: Sein Konzept "America first" bedeutet in Wirklichkeit "Trump First".

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