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StartseiteKalenderblattDer weiße Fuchs des Kaukasus10.03.2012

Der weiße Fuchs des Kaukasus

Vor 20 Jahren wurde Eduard Schewardnadse Vorsitzender des neuen Staatsrates in Georgien

Er erreichte die internationale Anerkennung Georgiens als Staat: Eduard Schewardnadse wurde am 10. März 1992 zum Vorsitzenden des Staatsrats ernannt und drei Jahre später zum Präsidenten gewählt. Georgien wurde unter dem Politiker zwar ein unabhängiger Staat, musste aber gleichzeitig große Gebietsverluste hinnehmen.

Von Klaus Kuntze

Der georgische Präsident Eduard Schewardnadse wurde vor 20 Jahren Vorsitzender des neuen Staatsrates in Georgien (AP)
Der georgische Präsident Eduard Schewardnadse wurde vor 20 Jahren Vorsitzender des neuen Staatsrates in Georgien (AP)

Schewardnadse hatte bereits jahrelang das Amt des allmächtigen Generalsekretärs der Kommunistischen Partei in der sowjetischen Teilrepublik Georgien bekleidet, als ihn Michail Gorbatschow 1985 in sein Perestroika-Team als Außenminister berief. In diesem Amt gelang es ihm, das Eis des Kalten Krieges aufzubrechen und den bereits schlingernden Sowjetstaat vom Rüstungswettlauf und blockinternen Zwängen zu entlasten.

Hellwach auch für die innenpolitische Entwicklung, warnte er früh vor einer Gefährdung der Perestroika durch konservative Bremser. Er, der in aller Welt angesehene Außenminister, setzte 1990 ein Signal dagegen.

"Ich erkläre meinen Rücktritt! Das soll ein Zeichen meines Protestes gegen die Diktatur sein!"

Und diese zeigte acht Monate später im Putschversuch gegen Gorbatschow ihr Gesicht. Schewardnadse stand damals bereits neben Boris Jelzin, der längst begriffen hatte, dass die föderative Struktur der Sowjetunion nicht länger funktionierte. Der Staat brach denn auch Ende 1991 in sich zusammen.

Schewardnadse sah in seinem Schritt vom sowjetischen Außenamt zurück nach Georgien einen inneren Zusammenhang, eine politische Wechselwirkung.

"Wenn ich mich für die Wiedervereinigung eines großen Volkes, den Abriss der Berliner Mauer, die Selbstbestimmung der osteuropäischen Länder und die Entwicklung der Demokratie in der Sowjetunion einsetzte, diente ich damit auch meinem eigenen Volk."

Unabhängig von Moskaus Gnaden hatten sich die Georgier 1991 ein Parlament und mit Sviat Gamsachurdia einen Präsidenten gewählt. Schon im Herbst führten Streit zwischen den politischen Lagern und ethnische Spannungen zu bürgerkriegsähnlichen Verhältnissen. Präsident Gamsachurdia musste fliehen. Die Macht übernahm ein Militärrat, der vom innenpolitischen Chaos profitierte.

Trotzdem kehrte Eduard Schewardnadse Anfang März 1992 nach Georgien, nach Tiflis zurück. Eine Augenzeugin:

"Auf dem Flughafen erwarteten ihn prominente Persönlichkeiten, bekannte Wissenschaftler und Künstler, Arbeiter, alte Funktionäre und Genossen, ehemalige Kollegen und seine Verwandten. Es war ein ergreifender Empfang."

Alexander Kortezia, später von Schewardnadse zum Bildungsminister berufen, sagte:

"Als Außenminister der Sowjetunion hatte er ja vieles bewegt und man hat gesehen, er hat sich verändert. Einen solchen wollte man im Lande haben. Das war schon die Stimmung der Mehrheit der Bevölkerung. Er wollte Georgien aus der Isolation herausholen und eine internationale Anerkennung erreichen."

Schewardnadse wurde am 10. März 1992 von einem fragwürdigen Führungsgremium zum Vorsitzenden des Staatsrats ernannt. Er notierte später:

"Ich hatte weder einen Posten noch irgendeine Zuständigkeit noch eine legale Grundlage zum Handeln."

Schewardnadse konnte dem herrschenden Militärrat, der ihn zu seiner Marionette hatte machen wollen, erst 1995 eine demokratische Wahl abringen, aus der er mit überwältigender Mehrheit als Präsident hervorging. "Der weiße Fuchs des Kaukasus", so sein Beiname, schaffte es, nicht zuletzt durch Unterstützung alter Freunde wie Hans Dietrich Genscher, dass Georgien staatlich anerkannt und Mitglied des Europarats und - um des Friedens mit Moskau willen - neben anderen früheren Sowjetrepubliken der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) beitrat.

Internationale Finanzhilfe begann zu fließen und die Einbeziehung georgischen Gebiets für die Baku-Ceyhan-Gas-Erdölpipeline wurde zum Vertrauensbeweis. Doch Georgien musste unter Schewardnadse, infolge gewaltsam ausgetragener ethnischer Konflikte mit Abchasien und Südossetien, den faktischen Verlust großer Teile seines Staatsgebiets hinnehmen.

Schewardnadse stolperte schließlich über Korruptionsvorwürfe gegen seine Mitarbeiter und im November 2003 über eine grobe Wahlfälschung, die er nicht verhindert hat oder nicht verhindern konnte. Der Unmut machte sich in der so genannten "Rosenrevolution" Luft. Knapp zwölf Jahre nach seiner Rückkehr erklärte Schewardnadse:

"Ich habe das Volk nie betrogen. Daher möchte ich bekannt geben, dass es am besten im Interesse der Sache ist, wenn ich zurücktrete und alles Blutvergießen endet."

Der georgische Präsident machte in Tiflis einer Politikergeneration Platz, die unter ihm herangewachsen war und die er recht kritisch begleitet. Schewardnadse, der kürzlich vierundachtzig Jahre alt geworden ist, lebt in Tiflis. Alexander Kartozia:

"Er hatte einen Traum und er ist diesem Traum nachgegangen. Manches ist ihm gelungen, manches nicht. Aber am Ende ist er doch ein sehr verdienter Politiker."

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