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StartseiteKultur heuteStil für die Massen12.02.2019

Designklassiker im MoMAStil für die Massen

Eine formschöne Axt, swingende Schneebesen oder der legendäre Fiat 500. Die Ausstellung "The Value of Good Design" im New Yorker MoMA präsentiert Dinge, die das Leben nicht nur schöner, sondern auch demokratischer machen sollten: Industriedesign als gesellschaftliche Hoffnung der Nachkriegszeit.

Von Sacha Verna

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Fiat 500 in der Ausstellung "The Value of Good Design" im MoMA New York (© 2019 The Museum of Modern Art, New York. Photo: John Wronn)
Fiat 500 in der Ausstellung "The Value of Good Design" im MoMA New York (© 2019 The Museum of Modern Art, New York. Photo: John Wronn)
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Zugegeben: Die halbautomatische Spülbürste wirkt heute wie eine Kuriosität – trotz des attraktiven roten Griffes und des raffinierten Zusatzzubehörs. Damit befindet sich der «Quik-Suds», so der Name dieses Sauberstabes von 1948, in dieser Ausstellung allerdings in der Minderheit. Die überwiegende Mehrheit der über 250 gezeigten Stücke sind heute noch so brauchbar wie zur Zeit ihrer Lancierung um die letzte Jahrhundertmitte. Mehr noch: Bei vielen von ihnen handelt es sich inzwischen um Klassiker des modernen Designs. Das gilt für die farbenfrohen Tupperware-Dosen ebenso wie für den legendären Fiat 500, der so einladend im Zentrum der Schau geparkt ist, dass man damit am liebsten eine Spritzfahrt durch die hehren Hallen des Museum of Modern Art unternehmen würde.

Qualitätsprodukte für ein entspannteres Zusammenleben

"Der Zweite Weltkrieg führte in vielen Ländern zu einem Aufschwung des industriellen Designs", sagt die Kuratorin Juliet Kinchin. "In einer gesellschaftlich und politisch veränderten Landschaft wollte man Design demokratisieren, indem man materielle Innovationen und Experimente nutzte." Neue Materialien und Herstellungsmethoden ermöglichten es, erschwingliche Qualitätsprodukte unters Volk zu bringen, die den Alltag nicht nur erleichtern, sondern auch verschönern sollten. Die Hoffnung war, dass sich dadurch das Zusammenleben insgesamt entspannter und egalitärer gestalten würde: "Wie wir uns durch eine designte Umgebung bewegen, sagt eine Menge über unser Verhältnis als Individuen zu unserer Gemeinschaft, zu unserem Land und zur internationalen Gemeinschaft aus", so Kinchin.

Erfüllendes Holzhacken mit einer formschönen Axt

Regierungen unterstützen Design-Initiativen und -Wettbewerbe, und Museen wie das "Museum of Modern Art" veranstalteten regelmäßige Ausstellungen, die den «Wert guten Designs», «The Value of Good Design», bereits im Titel trugen. "Es ging darum, Konsumenten, Produzenten und Verkäufer gleichermaßen über die Vorzüge von Qualitätsprodukten auf einem internationalen Markt aufzuklären." Dass dadurch auch die Wirtschaft angekurbelt werden sollte, versteht sich von selbst. Für den Verbraucher lautete das Motto: Friede nach Feierabend dank eines Cocktails aus Peter Schlumbohms Shaker! Erfüllendes Holzhacken mit einer formschönen Axt der Collins Company! Und befriedigende Schwingerlebnisse dank Louis Maslows schlicht genialem Schneebesen.

Masse statt Klasse

Wann genau aus dem eleganten Korbstuhl von Hans Wegner ein Luxusobjekt und der Besitz eines Regals von Charles Eames zum Statussymbol wurde, lässt sich nicht genau datieren. Klar ist aber, dass spätestens ab den 1970er Jahren nicht mehr Klasse für die Masse verlangt wurde, sondern Massen für die Massen. Nur wo Gegenstände schon nach zwei Monaten kaputt gehen, wird immer mehr Neues angeschafft. Und wo vorsätzlich Müll produziert wird, ist sorgfältiges Design zweitranging.

Neue Sehnsucht nach Nachhaltigkeit

Neuerdings – auch das zeigt die Ausstellung - deuten vermehrte Forderungen nach Nachhaltigkeit auf ein langsames Umdenken hin. Besserbemittelte Millenials zeigen Interesse an gusseisernen Schmortöpfen, die wie das jüngste Modell der niederländischen Firma Combekk vermutlich einen Atomkrieg überstehen würden. Übers Bettchen ihres Nachwuchses hängen sie solarbetriebe Lampen in Form von Sonnenblumen, wie sie der isländische Künstler Olafur Eliasson entworfen hat. Retrospielzeug wie die schlangenartige Schraubenfeder namens «Slinky» sind wieder in. Im Gegensatz zu den Sammlerstücken in dieser Ausstellung sind die Schmortöpfe, Lampen und Spielzeug auch im MoMA Design-Store erhältlich – als Souvenir. Dort werden nämlich weder Statusängste bekämpft, noch Bekenntnisse zur Nachhaltigkeit verlangt. Es genügen gültige Kreditkarten.

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