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StartseiteCampus & KarriereWer nicht hüpft, der ist für Kohle14.12.2018

Schülerstreik für KlimaschutzWer nicht hüpft, der ist für Kohle

Sie sind da und sie sind laut. Anlässlich der Weltklimakonferenz gehen Schülerinnen und Schüler weltweit auf die Straße, um sich Gehör bei den Politikern zu verschaffen. Ihr Ziel: Klimaschutz sofort und ohne Kompromisse.

Von Benjamin Dierks

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14.12.2018, Hamburg: Schülerinnen und Schüler stehen mit Plakaten mit den Aufschriften "Coal ends the World so end coal" und "Stabiles Klima für stabile Zukunft" auf dem Jungfernstieg in Hamburg. Unter anderem in Berlin, Göttingen, Kiel und Köln hatten Schüler über Facebook und Twitter zu Protesten für das Klima aufgerufen, anstatt zur Schule zu gehen.  (dpa / picture alliance / Bodo Marks)
Bundesweit demonstrieren Schülerinnen und Schüler am 14. Dezember 2018 gegen den Klimawandel (dpa / picture alliance / Bodo Marks)
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Hüpfen hilft, wenn man bei Minusgraden gegen Erderwärmung und Klimawandel demonstrierten will – gegen die Kälte und auch, um sich ein bisschen Mut zu machen. Zu einem dichten Pulk gedrängt springen rund 300 Berliner Schülerinnen und Schüler vor den Stufen des Reichstagsgebäudes auf und ab und skandieren: Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!

Sie haben sich einem Schulstreik angeschlossen, mit dem sie heute bundesweit gegen Klimawandel protestieren wollen und dagegen, dass die Politik ihrer Meinung nach nicht genug dagegen unternimmt. In insgesamt 14 Städten in Deutschland haben Schülerinnen und Schüler zu Schulstreiks und Protesten aufgerufen, unter anderem in Hamburg, Köln, Göttingen und Aachen. In Berlin hat Karl Klingeberg den Streik mit einigen Mitschülern initiiert. Der 15-Jährige besucht eine Waldorfschule in Wilmersdorf im Westen Berlins.

"Ich finde einfach, das Klima zu schützen definitiv wichtiger als in der Schule zu pauken, weil wenn man jetzt Mathe und so weiter kann, aber es dann krasse Überschwemmungen gibt und so weiter, dann hilft einem auch nicht mehr Französisch oder Mathe oder irgendwas anderes. Deshalb würde ich zuerst das Klima schützen und dann auch wieder zur Schule gehen. "        

Die Forderung: Kohleausstieg sofort

Die versammelten Schülerinnen und Schüler fordern von der Bundesregierung, dass sie den Ausstieg aus der Kohleenergie sofort einleitet. Dass solle schnell geschehen, damit besser für die betroffenen Regionen und Arbeitnehmer vorgesorgt werden könne, fordert Marlene Ritter, eine Zehntklässlerin aus Berlin-Steglitz.

"Je früher man anfängt mit dem Kohleausstieg, desto sozial verträglicher wird er auch. Deswegen setzen wir uns dafür ein, dass er möglichst früh kommt."

Die Schülerin stört sich daran, dass die Politik bislang vor allem Politik für Ältere betreibe und wenig auf die Stimmen von Kindern und Jugendlichen höre.

"Die älteren Generationen sind eine größere Wählergemeinschaft, aber deren Zukunft ist ja nicht mehr so weitreichend. Und deswegen müssen auch unsere Interessen gehört werden. Und deswegen versammeln wir uns ja auch. "  

Vorbild für die Streiks ist die die 15-jährige schwedische Aktivistin Greta Thunberg. Die Schülerin protestiert bereits seit Monaten jeden Freitag, indem sie nicht zur Schule geht, sondern vor dem schwedischen Parlament mehr Klimaschutz fordert. Damit hat sie weltweit Aufmerksamkeit gefunden. Sie wurde aufgrund ihres Engagements auch zur Weltklimakonferenz im polnischen Kattowitz eingeladen, die derzeit in den letzten Zügen ist. Auch in Kattowitz rief Thunberg zum Streik auf. Nach zwei Wochen Verhandlungen gebe es dort keine Fortschritte beim Klimaschutz, kritisierte die Schülerin. Die 22-jährige Geographiestudentin Luisa Neubauer war als Jugendbeobachterin auf der Weltklimakonferenz. Sie schloss sich spontan dem Streik von Greta Thunberg an.

"Klimaschutz ist keine Verhandlungssache"

"Da wird halt so getan, als sei das Verhandlungssache, ob man das Klima schützt oder nicht. Aber das ist genauso, als würde man sagen, es sei Verhandlungssache, ob man sich um unsere Zukunft kümmert oder nicht. Und das macht mich sehr traurig und bestürzt, aber auch irgendwie wütend – in einem konstruktiven Sinne. Und deswegen habe ich da vor Ort mit Greta gestreikt und bin nicht zu den Verhandlungen gegangen. "    

Greta Thunberg hatte der älteren Generation zu Beginn der Konferenz vorgeworfen, dass sie klimapolitisch ein Chaos hinterlassen habe, dass die Jungen nun aufräumen müssten. Die Politik habe die Jugendlichen bislang ignoriert und werde das wohl auch weiterhin tun. Luisa Neubauer hatte vor einigen Monaten mit 140 Jugendorganisationen einen offenen Brief an die Bundesregierung geschrieben. Sie verlangt, dass Deutschland sich nicht von den Klimazielen für 2020 verabschiedet.

"Dafür muss man 14 Kohlekraftwerke meinetwegen runterfahren oder drosseln, das ist absolut machbar. Und ich finde es absurd, dass wir es überhaupt hinnehmen, das nicht einzuhalten. "  

Auch in Australien haben bereits Tausende Schülerinnen und Schüler den Unterricht Unterricht sein lassen und sind auf die Straßen der großen Städte gezogen. Erste Streiks gab es ebenfalls in den USA. In England, Frankreich und den Niederlanden sind Proteste geplant. Auch da wird es bald heißen: Wer nicht hüpft, der ist für Kohle.  

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