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StartseiteTag für TagGutes Geld, schlechtes Geld28.09.2017

Buddhismus als WirtschaftsfaktorGutes Geld, schlechtes Geld

Buddhisten sollten Abstand halten zum Besitz und sich nicht vom Materiellen abhängig machen. Gleichwohl blüht weltweit das Geschäft mit spirituellen Dienstleistungen. Eine Tagung am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle hat sich mit Klöstern als Wirtschaftsfaktor beschäftigt.

Von Christoph Richter

Innenraum des Antaiji Klosters, nordwestlich von Kyōto. (Norbert Hübner)
Spagat zwischen der Armutsverpflichtung und dem wirtschaftlichem Erfolg ist eine große Herausforderung für buddhistische Klöster (Norbert Hübner)
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Mönchsgemeinschaften pflegen heute vielfältige wirtschaftliche Beziehungen, um ihr Leben zu bestreiten - ganz im Gegenteil zur landläufigen Meinung, dass buddhistische Mönche arm und vereinsamt leben, nur auf dem Weg der Erleuchtung sind, neben Spenden keine Einnahmequelle haben. Mönche leben davon, dass sie religiöse Dienstleistungen anbieten, so Forschungsgruppenleiter Christoph Brumann. Gemeint sind damit beispielsweise Bestattungs- und Gedenkrituale, die einen exakten Preis haben und den die Mitglieder der Gemeinde alle genau kennen, obwohl er nirgends verzeichnet ist bzw. nirgends öffentlich gemacht wird.

Christoph Brumann erläutert: "Der wichtige Punkt ist, den Abstand zum Geld zu demonstrieren, nicht abhängig vom Geld zu sein. Das sind oft nur feine symbolische Unterscheidungen. Das ist in Ladakh so, also in Nordindien, aber das ist auch in Japan so: Wenn buddhistische Mönche Rituale veranstalten, die Erwartung besteht, dass sie in irgendeiner Weise Kompensation erhalten, bezahlt werden. Aber es ist eben kein normales Marktverhältnis, in dem eine Dienstleistung gekauft wird, was dazu führt, dass die Frage, was muss ich denn zahlen, ausweichend beantwortet wird. Erst wenn man gibt und feststellt, dass es zu wenig war, erfährt man, wie hoch der Betrag ist. Es wird nicht öffentlich gemacht."

Spenden für den Lama Zonkava beim buddhistischen Neujahrsfest in Kalmückien (DPA/ ITAR-TASS/ Dmitry Rogulin)Spenden für den Lama beim buddhistischen Neujahrsfest in Kalmückien (DPA/ ITAR-TASS/ Dmitry Rogulin)

Religiöse Dienstleistungen im Online-Handel

Die Ökonomisierung religiöser Handlungen sorgte in Japan kürzlich für eine handfeste Kontroverse, weil Nutzer eines weltweit agierenden Online-Versandhandels, die Dienstleistungen buddhistischer Priester - unter dem Stichwort "Mr. Monk Delivery" - bestellen bzw. ordern konnten. "Hier werden alle Erwartungen an einen Geistlichen unterlaufen", sagt Christoph Brumann. Für den Forschungsgruppenleiter in der Abteilung 'Resilienz und Transformation in Eurasien' am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle jedoch nicht überraschend: Fernöstliche Klöster, so Brumann, seien heutzutage vielerorts regelrechte buddhistische Dienstleister.

"Die meisten Gesellschaften, wo der Buddhismus historisch existiert hat, waren bis zum gewissen Grad monetarisiert. Es ist nichts völlig Neues, es ist nur heute mit transnationalen Geldflüssen dynamisiert, wie man es vorher nicht gekannt hat."

Erkenntnisse, die man in umfangreichen ethnologischen Feldstudien gewonnen habe, erzählt Christoph Brumann. Dazu sei man im tibetischen Teil Chinas, der Mongolei, der russischen Republik Burjatien und in Japan unterwegs gewesen, um gesellschaftliche Kontinuitäten, aber auch um soziale Brüche nachzuvollziehen.

Lebensformen regional höchst unterschiedlich

Ganz im Gegenteil zum Protestantismus gebe es nicht die eine Antwort, nicht die eine Formel die wirtschaftliches Handeln im Buddhismus beschreibe. Was damit zusammenhänge, so Ethnologe Brumann, dass die buddhistischen Lebensformen sehr vielfältig und regional höchst unterschiedlich seien. Denn während in Japan buddhistische Klöster meist "Familienbetriebe" sind seien die Bedingungen in den postsozialistischen Ländern ganz andere. Hier gehe man offen geschäftstüchtig vor, hier gehe es deutlich weniger um die Erleuchtung, mehr um den wirtschaftlichen Erfolg. Um Rendite, wenn man so will.

Brumann: "Es gibt in vielen Ländern einen Diskurs darüber, dass es zu kommerzialisiert ist, dass man eigentlich wieder davon wegkommen muss. Die international tourenden, tätigen prominenten Mönche, die eine große Anhängerschaft im In- und Ausland haben, erleben auch Kritik von gewöhnlichen Ladakhis, die dann eben auch finden, dass das ein bisschen weit geht. Wobei sie selbst sagen, dass der traditionelle Buddhismus, der sich nicht bewegt, der abhängig ist von den Spenden der Gläubigen, dass der zu wenig für die Gesellschaft tut. Während die international tätigen Mönche und Klöster zu Marken werden, zu kleinen religiösen Unternehmen, die in der Lage sind, Ressourcen anzuziehen mit denen eine Menge Gutes getan werden kann."

Zwischen sozialem Engagement und Rendite

So gründen sich im nordindischen Ladakh - durch das Geld der Klostergemeinschaften - Nichtregierungsorganisationen, die wie Graswurzelbewegungen funktionieren, indem sie sich für die humanitäre, soziale, aber auch Umweltbelange einsetzen. Experten nennen diese Form des neuen Sozial-Engagements, "Socially Engaged Buddhism".

Für die Erforschung des globalen sozialen Wandels kann die zeitgenössische, die aktuelle buddhistische Wirtschaftsethik wichtige Hinweise dahingehend liefern, wie die Globalisierung, der ungehinderte Geldfluss auf traditionelle Kulturen und Gesellschaften wirkt, wie Kommerzialisierung die religiöse Praxis und damit den Glauben verändert. Deutlich wird: Der Spagat zwischen der Armutsverpflichtung einerseits und dem wirtschaftlichem Erfolg andererseits, ist nicht nur für buddhistische Klöster, sondern für die buddhistische Glaubensgemeinschaft eine große Herausforderung.

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