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StartseiteThemaPhysik-Nobelpreis für Forschung an Schwarzen Löchern06.10.2020

Bekanntgabe in StockholmPhysik-Nobelpreis für Forschung an Schwarzen Löchern

Drei Wissenschaftler werden 2020 für ihre Forschungen zu Schwarzen Löchern mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Der Preis geht zur einen Hälfte an den deutschen Astrophysiker Reinhard Genzel und die Astronomin Andrea Ghez (USA) und zur anderen Hälfte an den Mathematiker Roger Penrose (Großbritannien).

Presskonferenz zur Bekanntgabe der Preisträger für den Physik-Nobelpreis 2020 in Stockholm (picture alliance/dpa - Fredrik Sandberg/TT)
Bekanntgabe der Preisträger für den Physik-Nobelpreis 2020 (picture alliance/dpa - Fredrik Sandberg/TT)
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Die drei Physiker werden für ihre Forschungen zu Schwarzen Löchern, einem "der dunkelsten Geheimnisse der Galaxie" ausgezeichnet, so Göran K. Hansson, Generalsekretär der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften in Stockholm.

Der Brite Roger Penrose von der Universität Oxford bekommt den Nobelpreis für die "Entdeckung, dass die Bildung von Schwarzen Löchern eine robuste Vorhersage der allgemeinen Relativitätstheorie ist", wie Hansson mitteilte. Die andere Hälfte des Nobelpreises geht an den deutschen Physiker Reinhard Genzel vom Max-Planck-Institut in Garching und Andrea Ghez von der University of California für ihre "Entdeckung eines supermassereichen kompakten Objekts im Zentrum der Milchstraße", wie es in der Begründung des Nobelkomitees hieß.

Der erste direkte visuelle Nachweis eines Schwarzen Lochs  (Event Horizon Telescope (EHT) / dpa) (Event Horizon Telescope (EHT) / dpa)Das Düstere im Dunkeln - Annäherung ans Schwarze Loch
Sie sind dunkel und man sieht sie nicht. Dafür aber leuchtet die Materie, die in sie hineinstürzt, extrem hell - der Physiker Reinhard Genzel im Jahr 2016 über das Phänomen der Schwarzen Löcher bei Wissenschaft im Brennpunkt.

Schwarze Löcher - seltsame Himmelskörper

Schwarze Löcher, das Forschungsbebiet der drei Nobelpreisträger, sind die wohl seltsamsten Himmelskörper, die sich im Weltall herumtreiben: Sie entstehen, wenn riesige Sterne am Ende ihres Lebens in sich zusammenfallen und regelrecht implodieren. Dann verdichten sich diese Sterne so extrem, dass am Ende nur noch ein winziger Punkt übrigbleibt, in dem aber ein Großteil der Sternenmasse konzentriert ist. Dieses Gebilde hat eine derart enorme, unglaublich große Schwerkraft, dass das Schwarze Loch buchstäblich alles verschluckt, was ihm zu nahe kommt. Selbst das Licht kann dieser Schwerkraft nicht entkommen - deshalb sind Schwarze Löcher auch komplett schwarz sind und leuchten überhaupt nicht.

Genzel, Ghez, Penrose - auf der Spur der Gravitationsmonster

Alle drei Preisträger gelten als Pioniere der Forschung zu Schwarzen Löchern. Roger Penrose leistete dabei wichtige theoretische Vorarbeiten: Er hat bereits in den Sechzigerjahren die allgemeine Relativitätstheorie von Albert Einstein gründlich durchgerechnet und dabei bewiesen, dass es Schwarze Löcher geben muss, und dass sie eine logische Konsequenz von Einsteins Theorie sind.

Andrea Ghez und Reinhard Genzel haben Anfang der 2000er-Jahre erstmals überzeugende Hinweise geliefert, dass Schwarze Löcher tatsächlich existieren. Sie konnten das größte Schwarze Loch in der Milchstraße anhand seiner gewaltigen Schwerkraft dingfest machen: Im Laufe von vielen Jahren hatten sie beobachtet, dass sich die Sterne in der näheren Umgebung immer schneller um ein Schwarzes Loch gedreht haben - damit ertappten sie das Gravitationsmonster quasi auf frischer Tat. Seitdem war sich die Fachwelt sicher, dass Schwarze Löcher tatsächlich existieren.

Sagittarius A, eine Region im Zentrum der Milchstraße (imago images / Zuma Press / Chandra) (imago images / Zuma Press / Chandra)Schwarzes Loch - Eiernder Stern bestätigt Einsteins Theorie
16 Jahre dauert es, bis der Stern SO-2 das supermassive Schwarze Loch im Zentrum unserer Galaxie einmal umrundet hat. Seit 20 Jahren verfolgen Forscher seine Bewegung. Ihre Beobachtungen bestätigen die Allgemeine Relativitätstheorie – und werfen neue Fragen auf.

Nobelpreisträger Genzel: "Auszeichung für 30 Jahre harte Arbeit"

Der deutsche Physiker und frisch ernannte Nobelpreisträger Reinhard Genzel erlebte den großen Moment so, wie man es aus Filmen kennt, erzählte er am Nobelpreis-Mittag im Deutschlandfunk-Interview: "Ich saß in einer virtuellen Konferenz. Auf einmal klingelte das Telefon und jemand sagte: 'This is Stockholm.' Es ist unglaublich, toll, eine Auszeichnung für 30 Jahre harte Arbeit einer ganzen großen Gruppe." Genzel betonte seine Dankbarkeit gegenüber der Max-Planck-Gesellschaft, "die diese Forschung über eine so lange Zeit gefördert hat".

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Im vergangenen Jahr hatten sich der US-Kosmologe James Peebles sowie die Schweizer Exoplaneten-Entdecker Michel Mayor und Didier Queloz die Auszeichnung für ihre bahnbrechenden Beiträge zum Verständnis des Kosmos geteilt.

Bekanntgabe der Preisträger in Stockholm. Auf einem Podium sitzen Mitglieder der Schwedischen Akademie der Wissenschaften. Hinter ihnen auf einem Bildschirm sind die Fotos der Preisträger eingeblendet. (AFP/Jonathan Nackstrand) (AFP/Jonathan Nackstrand)Physik-Nobelpreis 2019 - den Rätseln des Kosmos auf der Spur
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Erster Physik-Nobelpreis für Röntgen

Den ersten Physik-Nobelpreis hatte 1901 der deutsche Physiker Wilhelm Conrad Röntgen für die Entdeckung der nach ihm benannten Röntgenstrahlen erhalten.

Andrea Gehz ist erst die vierte Frau, die mit einem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Zuvor hatten die Kernphysikerinnen Marie Curie (im Jahr 1903 zusammen mit ihrem Mann Pierre Curie und Antoine Henri Becquerel) und Maria Goeppert-Mayer (1936 zusammen mit Eugene Wigner und Hans D. Jensen) sowie die Laserphysikerin Donna Strickland, die 2018 die begehrte Medaille erhalten.

Hintergründe zum Nobelpreis

Der Nobelpreis gilt international als eine der wichtigsten wissenschaftlichen Auszeichnungen. Dotiert sind die Nobelpreise in diesem Jahr pro Kategorie mit zehn Millionen schwedischen Kronen, dies entspricht rund 950.000 Euro, und damit mit einer Million Kronen mehr als im Vorjahr. Häufig gehen die wissenschaftlichen Auszeichnungen an mehrere Preisträger gleichzeitig, die entweder gemeinsam oder zum selben Fachgebiet geforscht haben.

Die diesjährige Nobelpreissaison hatte am Montag mit der Bekanntgabe der Preisträger für Medizin begonnen. Ausgezeichnet wurden die US-Forscher Harvey Alter und Charles Rice sowie ihr britischer Kollege Michael Houghton für die Entdeckung des Hepatitis-C-Virus.

Harvey Alter, Michael Houghton und Charles Rice, die Nobelpreisträger 2020 auf einem Bild nebeneinander. (Jonathan NACKSTRAND / AFP) (Jonathan NACKSTRAND / AFP)Nobelpreis für Medizin an Entdecker des Hepatitis-C-Virus
Der Nobelpreis für Physiologie/Medizin geht in diesem Jahr an Harvey J. Alter, Michael Houghton und Charles M. Rice. Die drei Forscher hätten einen maßgeblichen Anteil am Kampf gegen die durch Blut übertragene Hepatitis geleistet, teilte das Nobelkomitee mit.

Die Bekanntgabe der Nobelpreise wird am Mittwoch mit dem Preis für Chemie fortgesetzt. An den darauffolgenden Tagen folgen der Preis für Literatur am Donnerstag, am Freitag der Friedensnobelpreis und am Montag die Auszeichnung für Wirtschaftswissenschaften.

Wegen der Corona-Pandemie werden die Preisverleihungen in Stockholm und in Oslo am 10. Dezember, dem Todestag von Preisstifter und Dynamit-Erfinder Alfred Nobel, in kleinerem Rahmen stattfinden. Die Zeremonie im Konzerthaus von Stockholm wird durch eine TV-Preisvergabe im Rathaus der schwedischen Hauptstadt ersetzt.

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