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StartseiteThemaWas über Wirksamkeit und Nebenwirkungen bekannt ist21.04.2021

Debatte um Impfstoff von AstrazenecaWas über Wirksamkeit und Nebenwirkungen bekannt ist

Der Impfstoff von Astrazeneca steht in Deutschland spätestens seit der zwischenzeitlichen Impfpause in der Kritik. Inzwischen gibt es erste Erkenntnisse über das Auftreten von Hirnthrombosen in Folge von Impfungen mit dem Vakzin. Ein Überblick über Wirksamkeit und Nebenwirkungen.

Drei Impfampullen der Hersteller Biontech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca stehen nebeneinander (picture alliance / ZUMAPRESS.com | Luka Dakskobler)
Die Impfstoffe der Hersteller Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca erfahren unterschiedliche Akzeptanz (picture alliance / ZUMAPRESS.com | Luka Dakskobler)
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Der Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Konzerns Astrazeneca ist vor allem auch wegen seltener schwerer Nebenwirkungen in die Kritik geraten. In Deutschland wird Astrazeneca nur noch an Menschen über 60 Jahren verabreicht. Jüngere, die bereits eine erste Impfung mit Astrazeneca erhalten haben, sollen nach einem Beschluss der Gesundheitsminister ihre Zweitimpfung mit den Vakzinen anderer Hersteller bekommen.

In der Anwendung hat der Impfstoff einige Vorteile im Vergleich zu den Vakzinen anderer Hersteller: Er muss nicht aufwendig gekühlt werden, sondern ist im Kühlschrank haltbar und kann so leichter verimpft werden. Außerdem ist er günstiger.


Astrazeneca und Sinusvenenthrombosen

Mitte März 2021 gab es erste Berichte über einen möglichen Zusammenhang zwischen der Impfung mit Astrazeneca und zeitnah auftretenden Sinusvenenthrombosen. Bis zum 15. April wurden dem Paul-Ehrlich-Institut 59 Fälle einer Sinusvenenthrombose nach Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff Vaxzevria gemeldet. Zwölf Betroffene starben. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) berichtet für die EU von insgesamt 142 Fällen.

Vakzin-induzierte Thrombozytopenie

Zumindest für einen Teil der Fälle gibt es einen Erklärungsansatz. Die aufgetretenen Symptome erinnern Ärzte an seltene schwere Nebenwirkungen, die im Zusammenhang mit Heparin auftreten, einem Blutverdünner, der Blutgerinnsel eigentlich verhindern soll. Eine wesentliche Rolle spielen dabei die körpereigenen Blutplättchen, die Thrombozyten. Diese haften normalerweise an die dauernd in den Adern entstehenden winzigen Wunden an. Dabei entstehen kleinste Gerinnsel, die diese Blutungen verschließen. Eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung spielt der sogenannte Plättchenfaktor PF4, ein Protein, das die Blutblättchen bilden. Während des Heilungsprozesses baut der Körper dann diese Minithrombosen wieder ab.

Bei der Behandlung mit Heparin bildet das Immunsystem jedoch in seltenen Fällen Antikörper gegen die Thrombozyten. Das aktiviert diese Blutplättchen und zudem noch ein Enzym der Blutgerinnung und führt dann zur Thrombose-Neigung, der sogenannten heparininduzierten Thrombozytopenie.

Derselbe Mechanismus könnte auch bei Astrazeneca-Impfung auftreten. Das legen Untersuchungen eines Forscherteams um den Gerinnungsspezialisten Andreas Greinacher von der Uniklinik Greifswald nahe. Bei acht weiblichen und einem männlichen Geimpften fanden Greinacher und sein Team auch Antikörper gegen Thrombozyten. Weil sie den gleichen Mechanismus dahinter vermuten, sprechen sie von vakzin-induzierter Thrombozytopenie.

Wie kommt es zur Thrombozytopenie?

Vereinfacht lässt sich der Mechanismus, der zur Thrombozytopenie führt so beschreiben: Überall im Körper entstehen kleine Gerinnsel, an die sich Thrombozyten anhaften. Darum sinkt die Anzahl der Blutplättchen stark. Das wiederum kann größere Blutungen zur Folge haben, weil die Miniwunden nicht mehr geschlossen werden. Wenn dabei größere Gerinnsel entstehen, etwa im Gehirn, können sich Sinusvenenthrombosen bilden. Im schlimmsten Fall kann ein dabei entstehender Blutstau auf Gehirnregionen drücken oder diese abschnüren. Die Folge sind Symptome wie andauernder Kopfschmerz, Sehstörungen und andere neurologische Ausfallerscheinungen. Der gesamte Mechanismus kann letztlich lebensgefährlich sein, wie sich gezeigt hat.

In einer neuen Arbeit hat das Forschungsteam aus Greifswald nun versucht, den Weg von der Impfung bis zur Bildung dieser Antikörper nachzuzeichnen. Dabei spielen verschiedene Elemente der angeborenen Immunantwort eine Rolle. Die Nebenwirkung tritt nur auf, wenn mehrere dieser Kontrollen im Körper versagen, deshalb ist sie auch extrem selten. Weil viele Kontrollmechanismen ausgehebelt sein müssen, gibt es nicht den einen, einfachen Test, der das Risiko vorhersagen könnte. Unklar ist auch, ob die gleichen Prozesse auch beim Impfstoff von Johnson&Johnson ablaufen, der ja auch auf Schnupfenviren setzt.

Die Frage sei zudem, wie hoch das Thromboserisiko nach einer zweiten Imfpung ist, sagt Christine Falk, Leiterin des Instituts für Transplantationsimmunologie an der Medizinischen Hochschule Hannover. Bisher gebe es keine Studie, die das untersuche. In England seien über fünf Millionen Menschen mit der zweiten Dosis geimpft worden. "Wenn das ein häufiges Ereignis wäre, dann hätte man das schon festgestellt." Dennoch stelle sich die Frage, wie man das Risiko bei einer zweiten Impfung minimiere. Die Ständige Impfkommission empfehle bei der zweiten Impfung einen anderen Impfstoff. 

Die Arbeit des Forscherteams aus Greifswald liefert nun zudem Hinweise, die AstraZeneca vielleicht bei einer Anpassung des Impfstoffs an neue Corona-Varianten mitberücksichtigen kann.

Warum sind Frauen stärker betroffen?

Warum Sinusvenenthrombose nach Impfungen mehrheitlich bei Frauen im Alter zwischen 20 und 55 Jahren aufgetreten sind, ist noch unklar. Allerdings treten solche Sinusvenenthrombose auch ohne Impfungen bei Frauen in diesen Altersgruppen häufiger auf als in anderen Bevölkerungsgruppen. In 25 bis 35 Prozent der Fälle ist die Ursache dafür unbekannt.

Erste Therapieansätze

Es gibt bereits Therapieansätze, die an Erfahrungen mit den vergleichbaren Reaktionen auf Heparin basieren. Weil man diese gut kennt, ist eine Diagnose relativ einfach – wenn das behandelnde medizinische Personal an eine Thrombozytopenie denkt. Behandeln lässt sich diese dann mit einem Blutverdünner, in diesem Fall jedoch nicht mit Heparin. Denn das könnte die Thrombozytopenie noch verstärken. Zusätzlich die Gabe von Antikörperpräparaten, um die gefährlichen Antikörper gegen PF4 quasi zu verdünnen. Das empfiehlt bereits die Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung. 

Das Paul-Ehrlich-Institut rief dazu auf, genau auf die Nebenwirkungen zu achten: 

Menschen, die sich "mehr als vier Tage nach der Impfung zunehmend unwohl fühlen – zum Beispiel mit starken und anhaltenden Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen" -, sollen sich unverzüglich in ärztliche Behandlung begeben.

Welche weiteren Nebenwirkungen sind bislang aufgetreten?

Allergische Reaktionen

Nach Angaben der EMA vom 12. März gibt es unter fünf Millionen Impflingen in Großbritannien zudem 41 Meldungen möglicher Fälle von allergischen Reaktionen nach der Impfung mit dem Astrazeneca-Vakzin. Einen Zusammenhang zur Impfung hält die EMA zumindest in einigen Fällen für wahrscheinlich. Dabei geht es um Anaphylaxie sowie Überempfindlichkeitsreaktionen, die in die Liste der möglichen Nebenwirkungen des Vakzins aufgenommen wurden. 

Gleichzeitig wies die EMA darauf hin, dass schwere allergische Reaktionen auch bei Impfungen gegen andere Krankheiten eine bekannte seltene Nebenwirkung sind. Der Astrazeneca-Beipackzettel empfiehlt bereits jetzt, dass Patienten nach einer Impfung noch mindestens 15 Minuten unter Beobachtung bleiben sollten, um mögliche allergische Reaktionen sofort behandeln zu können.

Zwei Hände in Handschuhen halten die ettiketierten Impfdosen, Symolfoto (IMAGO / C3 Pictures) (IMAGO / C3 Pictures)Corona-Impfstoffe - Risiken im Überblick 
Wie steht es um Nebenwirkungen der verschiedenen Impfstoffe? Was sollten Betroffene tun? Und wie überwacht die EMA den Impfprozess?

Weitere Nebenwirkungen

Im Vergleich zu anderen Impfstoffen haben mehrere Geimpfte, meist Klinikangestellte, von teils deutlichen Impfreaktionen berichtet. Häufig kommen Fieber, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Ermüdung und grippeähnliche Symptome vor. 

Laut RKI und Paul-Ehrlich-Institut sind das übliche Impfnebenwirkungen, die auch bei anderen Impfstoffen auftreten können. Der Hersteller Astrazeneca sieht keinen Grund zur Sorge und berichtet von "milden bis moderaten" Nebenwirkungen, die so auch erwartet wurden. 

"Das Verstörendste waren wohl die Fieberschübe und Schüttelfrost", sagte Dlf-Wissenschaftsredakteur Christian Floto. Dabei sei Fieber bei einer Impfung insbesondere bei jüngeren Menschen überhaupt nicht aufregend - sie haben das aktivere Immunsystem. Es liege an der Art des Impfstoffes, dass Reaktionen anders ausfallen als etwa beim mRNa-Impfstoff von Biontech/Pfizer.

In einer Veröffentlichung zur klinischen Phase-2-Studie von Astrazeneca heißt es, dass rund 85 Prozent der Probanden unter 55 Jahren nach der ersten Corona-Impfung mindestens eine Impfreaktion gezeigt haben wie etwa Kopfschmerzen und Fieber, meist mild bis mäßig - eine relativ hohe Zahl, so Wissenschaftsjournalist Arndt Reuning im Dlf. Zum Vergleich: Bei einem Grippeimpfstoff liegt dieser Wert laut der Impfstoffexpertin Helen Chu von der University of Washington in Seattle in einer vergleichbaren Altersgruppe bei nur gut 35 Prozent.

Astrazeneca für Menschen über 60 Jahre

Die Ständige Impfkommission der Bundesregierung (STIKO) hat ihre Empfehlung für die Impfung mit dem Vakzin am 30. März aktualisiert. Hintergrund waren die seltenen Fälle von Thrombosen in Hirnvenen im zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung. Daher sollen nun nur noch Menschen ab 60 Jahren damit geimpft werden. Dieser Empfehlung sind die Bundesländer gefolgt.

Zuvor hatten bereits die Berliner Kliniken Vivantes und Charité bis auf Weiteres alle Impfungen ihrer Mitarbeiterinnen unter 55 Jahren mit dem Vakzin gestoppt. Auch die Leiter von fünf der sechs Universitätskliniken in Nordrhein-Westfalen hatten sich für einen vorläufigen Astrazeneca-Impfstopp ausgesprochen. Das Risiko weiterer Todesfälle sei zu hoch, heißt es in einem gemeinsamen Brief an den Bundes- und Landesgesundheitsminister.

Die STIKO hatte erst am 4. März 2021 den Impfstoff von Astrazeneca auch für Menschen über 65 Jahre empfohlen. Grundlage dafür war die Analyse und Bewertung neuerer Studiendaten, die auch für die älteren Altersklassen eine gute Wirksamkeit belegen. Die STIKO hatte zunächst davon abgeraten, Menschen über 65 mit dem Astrazeneca-Vakzin zu impfen, weil es zu diesem Zeitpunkt zu wenig Datenmaterial für diese Altersgruppe gab. Eine im März 2021 vorgestellte neue Großstudie bestätigte die hohe Wirksamkeit auch für über 65-Jährige. Bei den über 65-Jährigen liege der Wert mit 85 Prozent sogar höher als bei Jüngeren.

EMA empfiehlt Astrazeneca uneingeschränkt

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat die Anwendung von Astrazeneca uneingeschränkt für alle Altersgruppen ab 16 empfohlen (07.04.2021). Der Nutzen sei höher zu bewerten als die Risiken. Blutgerinnsel sollten aber als seltene Nebenwirkungen gelistet werden.

In einem Interview mit der italienischen Zeitung "Il Messaggero" sagte der Chef der EMA-Impfabteilung, Marco Cavaleri, dass es nach seiner eigenen Einschätzung einen noch nicht genauer bestimmten Zusammenhang zwischen Vorfällen mit Blutgerinnseln im Gehirn und den Astrazeneca-Impfungen gebe. "Meiner Meinung nach können wir inzwischen sagen, dass es einen Zusammenhang mit dem Impfstoff gibt. Was diese Reaktion auslöst, wissen wir aber noch nicht", so Cavaleri. 

Mitte März 2021 hatte die EMA noch erklärt, es gebe keine Hinweise, dass die Impfungen die Thrombose-Vorfälle verursacht hätten. Da das aber auch nicht ausgeschlossen sei, liefen Untersuchungen.

Wirkt Astrazeneca ausreichend gegen das Coronavirus?

Ja. Der Impfstoff von Astrazeneca verhindert den Tod und schwere Verläufe durch die Krankheit Covid-19 und schützt wahrscheinlich auch vor langfristigen Folgen - so wie die anderen in Deutschland zugelassenen Impfstoffe auch. Er schützt also davor, auf der Intensivstation zu landen, beatmet zu werden und zu sterben. Eine Studie, an der nur 2.000 Menschen teilnahmen, hatte allerdings für die südafrikanische Coronavirus-Variante eine geringere Wirksamkeit des Impfstoffs ermittelt. So soll der Astrazeneca-Impfstoff nur einen "minimalen Schutz" gegen milde und mittelschwere Krankheitsverläufe bieten. 

Zwei behandschuhte Finger halten eine kleine Ampulle mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer in der Luft (picture alliance / Jochen Tack) (picture alliance / Jochen Tack)Kampf gegen Corona-Mutationen - Impfstoffe und ihre Wirksamkeit
Weltweit läuft der Kampf gegen das Coronavirus mit mehreren Impfstoffen. Nun gibt es Fälle von Menschen, die sich trotz Impfung mit einer neuen Variante des Virus angesteckt haben. Was bewirken also die Corona-Impfungen? 

Dennoch hält Virologe Christian Drosten grundsätzliche Bedenken gegen den Astrazeneca-Impfstoff für unbegründet. Im NDR-Podcast "Das Coronavirus-Update" sagte er, er halte hierzulande vor allem die britische Variante für relevant. Gegen diese ist auch der Astrazeneca-Impfstoff wirksam, ermittelte eine Studie der Oxford University

Die Aussage des Vorsitzenden des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, er habe Verständnis etwa für medizinisches Personal, das sich nicht mit dem Astrazeneca-Impfstoff impfen lassen wolle, nennt der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach auf Twitter "völlig verantwortungslos". Er selbst werde sich mit dem Astrazeneca-Impfstoff impfen lassen.

  (picture alliance/dpa/Michael Kappeler) (picture alliance/dpa/Michael Kappeler)Lauterbach: "Ich würde mich mit Astrazeneca impfen lassen"
Der Nutzen der Impfung übersteige die Risiken insbesondere für ältere Menschen beträchtlich, sagte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach im Dlf. 

Was bedeutet eine Wirksamkeit von 76 Prozent?

Bei Impfstoffen wird damit die Prozentzahl ausgedrückt, wie viel kleiner das Risiko für eine Erkrankung bei Geimpften im Vergleich zu Ungeimpften ist. Es bedeutet also nicht, dass von zehn Geimpften nur sieben geschützt sind. Gefährlich ist dieses Missverständnis, weil es zur Verunsicherung beiträgt, kommentiert Martin Mair im Dlf.

Die Hersteller ermitteln den Wert nach ihren jeweiligen Studien. Eine Gruppe bekommt den Impfstoff gespritzt, die andere ein Placebo. Nun wird ermittelt, wie viele Menschen jeweils in den Gruppen an Covid-19 erkranken. Werden in der Placebo-Gruppe mehr Krankheitsfälle gezählt als in der Gruppe der Geimpften, schützt der Impfstoff offenbar, er ist damit wirksam. Nun wird errechnet, wie viel geringer das Erkrankungsrisiko in der Impfgruppe war.

Bei Biontech hatten Menschen in der Impfgruppe ein um 95 gemindertes Risiko, an Covid-19 zu erkranken. "Erkranken" bedeutet dabei nicht, schwer zu erkranken, ein Husten gehört auch zu den Symptomen einer Infektion. Zugespitzt hat das der US-amerikanische Infektiologe Lawrence Corey: "Wollen Sie einen Impfstoff, der Sie vor Husten schützt oder wollen Sie einen Impfstoff, der Sie vor dem Tod bewahrt?"

Neue Studie bestätigt hohe Wirksamkeit von Astrazeneca

Die 76 Prozent, die Astrazeneca aktuell für sein Vakzin angibt (zuvor waren auch Werte von 60 bis 70 Prozent genannt worden), sind für einen Impfstoff sogar ein guter Wert. Zwar liegt sie unter der Wirksamkeit der Impfstoffe von Biontech und Moderna. Doch viele Grippe-Impfstoffe haben bei Älteren eine Wirksamkeit von gerade einmal 50 Prozent und retten trotzdem jährlich Hunderttausende. 

Ende März 2021 bestätigte eine neue Großstudie mit 32.500 Probanden in den USA, Chile und Peru erneut die hohe Wirksamkeit des Impfstoffs. Nach Angaben der beteiligten Wissenschaftler schütze der Impfstoff mit einer Wirksamkeit von 79 Prozent vor einer Infektion mit SarsCoV-2 und zu 100 Prozent vor schweren Krankheitsverläufen. Rund 20 Prozent der Teilnehmer waren 65 Jahre oder älter. Kurz nach der Veröffentlichung der Studie hatte es in den USA Zweifel an der Aktualität der Daten gegeben. Astrazeneca kündigte die Zusammenarbeit mit dem entsprechenden Kontrollgremium an und korrigierte daraufhin die Wirksamkeit leicht nach unten auf 76 Prozent

Wie unterscheiden sich die Impfreaktionen bei Astrazeneca von den anderen Corona-Impfstoffen?

An das für Meldungen von Nebenwirkungen zuständige Paul-Ehrlich-Institut wurden für den Astrazeneca-Impfstoff zwar mehr Verdachtsfälle gemeldet als für die beiden anderen in Deutschland zugelassenen Impfstoffe. Wissenschaftsjournalist Arndt Reuning betonte aber im Dlf, dass man beim Vergleich verschiedener Produkte auch darauf achten müsse, welche Personengruppen geimpft worden sind: Der Impfstoff von Astrazeneca war in Deutschland zunächst nicht für Menschen ab 65 Jahren zugelassen, es wurden also eher Jüngere damit geimpft. Deren Immunsystem reagiert stärker als bei Älteren.

Mehrere Injektionsnadeln liegen in einem Halbkreis, das Foto ist künstlerisch verfremdet. (imago / Future Image) (imago / Future Image)Corona-Impfstoffe in der Übersicht 
Die EU-Behörde EMA hat bisher drei Corona-Impfstoffe zugelassen – von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca. Wie die Impfstoffe wirken, was über Nebenwirkungen bekannt ist und welche Impfstoff-Kandidaten es noch gibt – ein Überblick.

Auch die Berichterstattung könnte eine Rolle spielen, so Reuning: Weil die Medien über den Vektorimpfstoff kritischer berichtet hätten, könnten mehr Meldungen für Astrazeneca eingegangen sein als für die mRNA-Impfstoffe. Allerdings gebe es bei den Impfstoffen auch Unterschiede im Profil der Impfreaktionen, sagte Reuning.

Aus den klinischen Studien sei bekannt: Bei Astrazeneca sind die Reaktionen beim ersten Impftermin heftiger als beim zweiten. Auch das könne also zu dieser Wahrnehmung beigetragen haben, dass Astrazeneca stärkere Nebenwirkungen hervorruft. Beim Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer etwa ist es genau umgekehrt: Die meisten Impfreaktionen fallen dort beim zweiten Termin stärker aus als beim ersten. 

Zweite Impfung nach Astrazeneca

Unter 60-Jährige, die eine erste Corona-Impfung mit dem Impfstoff von Astrazeneca bekommen haben, sollen bei der zweiten inzwischen ein anderes Mittel erhalten. Das geht aus einer überarbeiteten Empfehlung der Ständigen Impfkommission vom 1. April hervor. Zwar gebe es noch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Impfungen mit verschiedenen Mitteln. Die Infektiologin Marylyn Addo hat keine Bedenken bei der Kombination verschiedener Impfstoffe.

Die Leiterin der Infektiologie, Professor Dr. Marylyn Addo, spricht während einer Pressekonferenz am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) mit den Jounalisten. Das Klinikum informierte über den Studienstart mit dem Ebola-Medikament Remdesivir an besonders schwer erkrankten Patienten mit Covid-19. (dpa/dpa-POOL/picture alliance/Ulrich Perrey) (dpa/dpa-POOL/picture alliance/Ulrich Perrey)Kombination von Corona-Impfstoffen - "Man sollte da keine Bedenken haben"
Die Infektiologin Marylyn Addo hält das für sinnvoll: Obwohl die Datenlage noch dünn sei, spreche viel dafür, dass dieser Ansatz sicher sei, sagte Addo im Dlf.

Quelle: og, Joachim Budde, Christian Floto, RKI, Bundesgesundheitsministerium, Astrazeneca, RWI

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