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StartseiteCampus & KarriereMit jungen Lehrern das Fach aufpeppen15.08.2015

Deutsch lernen in den NiederlandenMit jungen Lehrern das Fach aufpeppen

Lehrermangel gibt es nicht nur in Deutschland, sondern auch in den Niederlanden. Dort fehlen nicht nur Mathe- und Physiklehrer, sondern auch Deutschlehrer. Deshalb gibt es ein spezielles Programm der niederländischen Regierung, das junge Deutsche anwirbt und sie zu Deutschlehrern für die Sekundarstufe ausbildet.

Von Katja Hanke

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"Heute möchte ich, dass ihr mit Hilfe der Plauderecken einen Dialog schreibt." Deutschunterricht in der neunten Klasse am Mencia de Mendoza Lyceum in der niederländischen Stadt Breda. Die Jugendlichen sollen schriftlich ein Gespräch über ihre Person vorbereiten: Schule, Ferienjobs, Urlaub. Seit zwei Jahren lernen sie Deutsch – für so lange ist das Fach an den weiterführenden Schulen Pflicht.

Die junge Lehrerin heißt Katharina Golke. Sie hat in Aachen Soziologie und Literatur studiert und sich danach entschieden, in den Niederlanden Deutschlehrerin zu werden. Denn die werden dringend gesucht. Deshalb gibt es das Programm "Vom Assistenten zum Deutschlehrer" des niederländischen Bildungsministeriums. Innerhalb von zwei Jahren bildet es deutsche Muttersprachler mit Hochschulabschluss zu Deutschlehrern aus. Im ersten Jahr bekommen sie ein Stipendium, im zweiten arbeiten sie bereits an einer Schule. Katharina Golke ist seit einem Jahr in den Niederlanden, seit einem halben steht sie vor der Klasse, meist in Begleitung ihrer Mentorin. Zusätzlich besucht sie mit den anderen Teilnehmerinnen des Programms alle zwei Wochen einen Tag lang Seminare an der Universität Leiden. Die Ausbildung gefällt ihr gut. "Wir werden auch super begleitet. Also, wenn wir Probleme haben hier in der Klasse mit Schülern, dann können wir das direkt erfragen an der Uni und kriegen dann direkt auch so'n Feedback: Guck mal, versuch das mal so, stell dich mal in die Tür und begrüß den Schüler sofort. Also man hat sofort einen Zugang, also Praxis und Theorie sind sofort zusammen."

Deutsch ist kein Lieblingsfach

Schon seit 2002 bildet das Programm jährlich 15 Lehrkräfte aus. Denn der Mangel an Deutschlehrern ist nicht neu. Ein Grund dafür sei das geringe Interesse der niederländischen Studierenden an dem Fach, meint Synke Hotje von der Stiftung EP-Nuffic, die das Programm für das Bildungsministeriums ausführt. "Es gibt sehr wenige vor allem im Bereich Sekundarstufe 2, in dem Bereich sehr wenige Studenten, die dort einsteigen für Lehramt. Es gibt ohnehin schon sehr wenige Studenten, die Germanistik studieren und davon macht natürlich nur ein Bruchteil noch die Lehrerausbildung im Anschluss. Es ist kein Lieblingsfach."

In den nächsten Jahren werde der Mangel noch größer, so Hotje. Denn gleichzeitig zum fehlenden Nachwuchs gehen viele ältere Lehrkräfte in Rente. Dann müssen auch deren Stellen besetzt werden. Mit der neuen Generation erhofft man sich aber auch, das Fach Deutsch ein wenig aufzupeppen. Denn obwohl viele niederländische Jugendliche Deutschland - und vor allem Berlin - mittlerweile toll finden, sei das Unterrichtsfach bei ihnen immer noch nicht beliebt, so Synke Hotje. "Es ist eher so, dass es als langweilig empfunden wird, als schwierig und nicht so attraktiv. Und Vorteil ist bei diesen jungen Muttersprachlern, die hierher kommen, dass die das wirklich verkaufen als etwas sehr Attraktives, das sind meistens die engagierteren, die hier wirklich mit sehr viel Liebe ihr Fach rüberbringen. Das kann viel verändern."

Schüler lernen nur, wenn es Noten gibt

So hofft sie, dass die jungen Lehrkräfte die Jugendlichen mit weniger Grammatik und mehr Themen zum modernen Deutschland begeistern können. In Katharina Golkes Unterricht finden nur wenige Jugendliche die Aufgabe interessant. Die meisten unterhalten sich oder tippen auf ihren Telefonen. Sich durchzusetzen fällt der jungen Lehrerin noch schwer. Nur ein paar Jugendliche schreiben konzentriert. Ein Mädchen mit langen blonden Haaren und einer Zahnspange hat schon drei lange Absätze geschrieben. "Ich habe einen Job, ich passe auf kleine Kinder auf. Mir ist wichtig, dass ich Spaß habe, und ich möchte gern Erfahrungen sammeln."

Schwierig findet Katharina Golke auch, dass ihre Schüler nur lernen, wenn es eine Note gibt. Motiviert seien eigentlich nur die, die mit ihrer Familie nach Deutschland oder Österreich in den Skiurlaub fahren, sagt sie. Aber auch über Schwierigkeiten redet Golke voller Begeisterung. Unterrichten, das weiß sie jetzt schon, ist genau das Richtige für sie.

"Es ist besonders abwechslungsreich. Also man kann überhaupt nicht planen. Man muss sich jeden Tag und jede Stunde eigentlich individuell neu einstellen. Man weiß nie, wie sind die Schüler drauf, wie viel Stress haben die im Moment, wie kommen die zur Tür rein. Und dann muss man das immer ein bisschen anpassen und das macht einfach unheimlich viel Spaß. Man ist die ganze Zeit in Action. Das ist immer so ein bisschen Showtime, wenn die Stunde anfängt."

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