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StartseiteCampus & KarriereDeutsch lernen schwer gemacht25.06.2003

Deutsch lernen schwer gemacht

Hamburger Sparbeschlüsse gefährden Deutschkurse für ausländische Studierende

<strong> Fünf Studenten aus fünf Kontinenten: Sarah King aus Australien, Chen Yang aus China, Swetlana aus Georgien, Hicham aus Marokko und Jannett aus Peru. Sie alle haben bereits in ihren Heimatländern studiert und bereiten sich jetzt in einem Deutsch-Intensivkurs auf ihre Studienzeit an der Hamburger Universität vor. Am Mittwochnachmittag streiten sie mit einem Informations- und Aktionstag an ihrem Institut für die Beibehaltung des studienvorbereitenden Deutschkurses. Denn nach den Plänen der Universitätsleitung sollen die seit 30 Jahren existierenden kostenlosen Intensivkurse zum Erwerb der deutschen Sprache in Hamburg abgeschafft werden. </strong>

In vielen Bundesländern ist es längst Usus: Wer dort studieren will, muss die erforderlichen Sprachkenntnisse in Deutsch mitbringen. Nur wer die DSH-Prüfung, die Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang, bereits erfolgreich abgelegt hat oder ein gleichwertiges Sprachdiplom vorweisen kann, darf sich als ausländischer Student bewerben. In Hamburg ist dies bisher noch anders: Dort werden pro Semester etwa einhundert ausländische Studierende auf die DSH-Prüfung vorbereitet - mit einer Erfolgsquote von 90 Prozent und mit gutem Grund, wie Dr. Sabine Großkopf, Germanistin und Sprachlehrerin in den Intensivkursen Deutsch als Fremdsprache, findet:

Bisher haben wir eben alle Fächer, alle Länder, Sprachniveau ab abgeschlossener Grundstufe, wir haben Studienanfänger, also das grundständige Studium, wir haben Leute, die mit dem Hauptstudium anfangen, wir haben Graduiertenstudien, wir haben Promovierende, wir haben Gastwissenschaftler, wir haben Austauschstudierende, die nur ein Semester oder nur ein Jahr kommen, und ich denke, diese Vielfalt würde sich sehr reduzieren.

Aissatou Sherif Balde, 25 Jahre, beispielsweise hätte keine Chance mehr, an der Hamburger Universität zu studieren. Denn in ihrem Heimatland, der Republik Guinea, gibt es kaum Sprachlehrer und noch nicht einmal ein Goethe-Institut, wo sie das hohe Niveau der DSH-Prüfung erlernen könnte - wie in vielen afrikanischen, aber auch in südamerikanischen und asiatischen Ländern. 1998 kam sie auf Intervention des damaligen deutschen Botschafters und verschiedener Menschenrechtsorganisationen nach Hamburg - sie war 1996 als Studentenführerin in der Hauptstadt Conakry zu 18 Monaten Haft verurteilt worden, weil sie für mehr Rechte für die Studierenden gekämpft hatte.

Das Thema meiner Diplomarbeit heißt Transitionsprozesse in Westafrika unter besonderer Berücksichtigung des politischen, des Verhaltens der politischen Eliten und bezogen auf Mali und Elfenbeinküste.

Nach dem Diplom will sie ihre Doktorarbeit schreiben und anschließend nach Guinea zurückkehren, um sich für mehr Demokratie einzusetzen. Aissatou Sherif Balde spricht heute nahezu perfekt deutsch - ohne die Intensivkurse hätte sie ihren Weg kaum machen können, sagt sie.

Da ich sozusagen eine richtige Grundlage, Deutsch-Grundlage hier an der Uni gehabt habe mit den Deutschkursen, deswegen ist es für mich nicht so kompliziert.

In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Bewerberzahlen ausländischer Studierender an der Hamburger Universität auf 3.500 pro Semester nahezu verdoppelt. Man könne gar nicht anders, als das Auswahlverfahren zu vereinfachen, sagt Gerhard Müller, Leiter des Auslandsamtes an der Hamburger Universität, zumal die Uni sich damit nur an die bundesdeutschen Standards anpasse.

Es kann nur ein erfolgreiches Studium absolviert werden, wenn die notwendigen sprachlichen Kenntnisse auch im Deutsch vorhanden sind. Das heißt, wenn möglichst gezielt und auch effektiv von Anbeginn an eine Sprachausbildung stattfinden kann, die sowohl in der Sprachlehre als auch in der fachlichen Integration erfolgreich sein kann.

Mehr der ohnehin knappen universitären Ressourcen für die Elite also - schon zum Wintersemester sollen die vorbereitenden Kurse abgeschafft werden. Die Universität müsse gezieltere Angebote machen. Denn beispielsweise kommen seit einigen Jahren immer mehr Studierende aus Osteuropa, die über bessere Deutschkenntnisse verfügen und in Zukunft besser betreut werden sollen. Die übrigen sollen die Sprachkenntnisse gegen teures Geld an Privatschulen erwerben. Und vielleicht auch demnächst wieder an der Universität Hamburg - dann allerdings nicht wie jetzt kostenlos, sondern bezahlt.

Ich kann mir vorstellen, das ist allerdings im Moment noch eine Spekulation von mir, dass es Sprachangebote geben kann, auch hochschulintern, möglicherweise auch mit einer entsprechenden Gebühr.

Autor: Jörn Breiholz

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