Freitag, 21.02.2020
 
Seit 15:00 Uhr Nachrichten
StartseiteCampus & KarriereOhne das Engagement Einzelner geht es nicht10.04.2015

Deutsch-polnische WissenschaftsbeziehungenOhne das Engagement Einzelner geht es nicht

Die Zusammenarbeit zwischen deutschen und polnischen Hochschulen entwickelt sich immer besser, auch wenn die unterschiedlichen Verwaltungsstrukturen das oft erschweren. Dabei wird aber auch ein Problem deutlich: Die polnischen Hochschulen sind international nur schwach vernetzt.

Von Anne Schmidt

International Day an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder (picture alliance / dpa / Foto: Patrick Pleul)
International Day an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder. Sie kooperiert auch intensiv mit Polen. (picture alliance / dpa / Foto: Patrick Pleul)

"Wir haben zwei Übersetzer Deutsch und Polnisch. Deshalb können die Gäste auch die Übersetzungsgeräte bei uns nutzen."

Ganz ohne Dolmetscher klappt es noch nicht, wenn sich deutsche und polnische Wissenschaftler treffen. Aber ansonsten läuft vieles gut in der akademischen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Polen. Jedes Jahr gehen rund 800 deutsche Studierende für ein Erasmus-Jahr nach Polen. Genauso viele Polen kommen jedes Jahr über das Austauschprogramm nach Deutschland. Über 2.000 Wissenschaftler vermittelt der DAAD jedes Jahr in die eine oder in die andere Richtung. Eine wunderbare Entwicklung, freut sich Literaturwissenschaftlerin in Bożena Chołuj. Sie lehrt als Professorin an der Universität in Warschau und ist gleichzeitig Professorin für Kulturwissenschaften an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder:

"Die Zusammenarbeit hat sich normalisiert. Was jetzt zum Vorschein kommt, ist die mangelnde Zusammenarbeit der Verwaltungen."

In ihrem eigenen Fachgebiet bietet die Professorin regelmäßig deutsch-polnischen Studienprogramme an. Inhaltlich kein Problem, aber verwaltungstechnisch immer wieder eine Herausforderung. "Semesterpause: In Deutschland sind es zwei Monate im Winter, in Polen zwei Wochen. Oder Semesterende: In Polen endet das Semester so etwa Ende Mai, in Deutschland im Juli. Das heißt, wenn wir gemeinsame Veranstaltungen machen, die polnischen Akademiker kehren aus den ersten Urlaubsaufenthalten zurück."

Joint Venture für Masterstudiengänge

Solche Schwierigkeiten werden von deutschen und polnischen Wissenschaftlern immer wieder mit viel Engagement und Enthusiasmus überbrückt. Und gerade die Europa-Universität in Frankfurt und die Adam-Mickiewicz-Universität in Posen sind ein Beispiel dafür, dass eine enge Zusammenarbeit möglich ist: Sie betreiben gemeinsam das Collegium Polonicum in Slubice. Ein wissenschaftliches Joint Venture, das deutsch-polnische Bachelor-und Masterstudiengänge anbietet.

Allerdings zeigt sich auch im Collegium Polonicum ein Problem, das den deutsch-polnischen Wissenschaftsaustausch insgesamt belastet: Polnische Hochschulen sind deutschen Forschern und Wissenschaftler viel unbekannter als deutsche Hochschulen in Polen. Außerhalb der Erasmus-Programme kommen deutlich mehr polnische Akademiker nach Deutschland als deutsche nach Polen. Peter Hiller, Leiter des DAAD in Warschau, erläutert das regelmäßig anhand seiner Statistiken. "Ich habe darauf hingewiesen, dass es im ERASMUS-Programm der EU durchaus viele Deutsche gibt, die für ein Semester nach Polen kommen. Aber es gibt dann nur ganz, ganz wenige, die dann für einen Master oder für eine Promotion in Polen bleiben wollen."

Insgesamt haben polnische Hochschulen das Problem, dass sie nur sehr schwach international vernetzt sind. Auf Professoren-Seite, aber auch auf Seite der Studierenden: Nur zwei Prozent der Studentinnen und Studenten an polnischen Hochschulen kommen aus dem Ausland. Es gibt nur noch ein EU-Land, das weniger internationale Studenten hat als Polen. Die Konsequenz ist klar: Polnische Hochschulen werden international kaum oder nur ganz punktuell wahrgenommen.

Ein großes Manko, warnt Annette Schmidtmann von der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

"Die besten Köpfe publizieren international und auf diese Weise kann man sie identifizieren, kann man zu ihnen hingehen. Woher soll man wissen, dass da gute Leute sind, wenn man sie nicht sehen kann?"

Vernetzung über das Internet

Ein Problem, das Dagmara Jajesniak-Quast nur bestätigen kann. Sie lehrt als Wirtschaftsprofessorin an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) und am Collegium Polonicum und kämpft regelmäßig damit, dass deutsche und polnische Forschungsergebnisse nicht vernetzt sind. "Weil man nicht weiß, dass sehr gute Forschungsergebnisse schon vorliegen. Aber sie liegen nur in polnischer Sprache vor oder in kleinen Verlagen, die nicht gut vernetzt sind. Deshalb haben wir gesagt, das müssen wir ändern, und zwar am besten über das Internet: Auf der Internet-Plattform pol-int.org da kann man sich in drei Sprachen, Deutsch, Polnisch und Englisch, informieren, welche neuen Publikationen entstehen. Und die stellen die Forscher selbst ein."

Die Website Pol-Int.Org wird auf der Konferenz an der Europa-Universität immer wieder genannt: als eine Möglichkeit, ohne große Kosten, und Personalaufwand, die polnischen und deutschen Hochschulen näher zu einanderzubringen. Denn das ist eben auch die Realität im deutsch-polnischen Verhältnis: Der Enthusiasmus und das Engagement von Einzelnen ist immer noch dringend nötig.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk