Freitag, 04.12.2020
 
Seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen
StartseiteKultur heuteDeutsch-polnisches Grün27.05.2005

Deutsch-polnisches Grün

Der Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau ist zum Weltkulturerbe ernannt worden

Vor einem knappen Jahr würdigte die UNESCO den Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau als Weltkulturerbe. Der Fürst - adeliger Reisender und Gourmet - war vor allem ein großer Parkliebhaber und Landschaftsarchitekt, der mit dem Bad Muskauer Park eine Gartenarchitektur von Weltrang schuf. Eine Besonderheit des Parks ist es, dass der eine Teil auf deutschem Staatsgebiet liegt, der andere auf polnischem.

Von Katharina Borchardt

Parkanlagen: Grüne Oasen zur Zerstreuung und Entspannung (AP-Archiv)
Parkanlagen: Grüne Oasen zur Zerstreuung und Entspannung (AP-Archiv)

" Hallo! Da fängt jetzt Polen an, oder? Ja, ja. – Darf man einfach rüber laufen oder was muss man machen? –Ausweis, Pass! – Ausweis? Pass? Okay. "

Der polnische Grenzbeamte lehnt schläfrig am Brückengeländer. Er kontrolliert die Pässe der Spaziergänger, die vom deutschen Teil des Parks in den polnischen wechseln wollen und umgekehrt. Pro forma fährt ab und zu ein Jeep vom Bundesgrenzschutz vorbei. Viel zu tun haben die Beamten aber nicht, bestätigt Cord Panning, der Leiter des Parks:

" Es ist meine Erfahrung, dass diejenigen, die relativ weit weg sind von der Grenze, diese Oder-Neiße-Grenze doch als so eine starke Zäsur empfinden. Und wenn man dann hier ist im Muskauer Park und die Neiße plätschert so friedlich inmitten des Parks dahin, dann kann man sich überhaupt nicht vorstellen, dass das irgendwie eine wichtige Staatsgrenze ist. Und meine Erfahrungen sind auch so, dass es hier kaum zu illegalen Grenzübertritten gekommen ist. Es ist hier alles relativ gediegen. "

Seit die Neiße nach dem Krieg als deutsch-polnische Staatsgrenze festgelegt wurde, ist der Park geteilt. Die Brücken waren zerstört. Es ging ein Riss durch das gartenarchitektonische Gesamtkunstwerk. Hinzu kam, dass der polnische Teil der dortigen Forstverwaltung unterstellt wurde. Diese schickte sich an, die kunstsinnig angelegten Flächen und Sichtachsen aufzuforsten. Im deutschen Teil überlegte man zunächst, den Park in Gartenparzellen aufzuteilen und der Bevölkerung zur Verfügung zu stellen. Nach dem Krieg und aus sozialistischer Sicht ein verständlicher Gedanke. Trotzdem ist Cord Panning heute froh, dass es nicht so kam:

" Diese subtile landschaftliche Gestaltung Pücklers, die ist nie verloren gegangen. Die hat also die Kriege überdauert, sie hat die Zeit der Forstverwaltung auf der polnischen Seite überdauert, hat auf der deutschen Seite die kommunistische Etappe überdauert, dass der Park dann eben doch nicht parzelliert worden ist. Und wir haben heute ein ungemein hohes Maß an Authentizität, was die Pücklersche Konzeption anbelangt. "

Nur die Gebäude waren heruntergekommen, doch die Parkanlage war gut erhalten. Anfang der 90er Jahre begannen polnische und deutsche Gartengestalter damit, den Park gemeinsam wieder herzurichten. Auch die zerstörte Doppelbrücke über die Neiße wurde wieder aufgebaut, der heutige Grenzübergang. Sie verbindet, was von der gestalterischen Grundidee her zusammengehört:

" Diese gestalterische Grundidee greift eine sehr interessante topographische Situation hier im Muskauer Neißetal auf: Wir haben hier eine gekurvte Endmoräne, die genau an der Stelle, wo das Schloss errichtet wurde, von der Neiße geschnitten wird. Die Neiße staut sich auf, windet sich sehr malerisch. Sie hat sich hier in dieses Relief reingefräst und Pückler nutzt diese topographisch interessanten Punkte und setzt sie miteinander in Beziehung. "

Das war neu im 19. Jahrhundert. Als schick galten eher verspielte, künstliche Gärten nach französisch-absolutistischem Vorbild. Fürst Pückler aber wollte keine kitschige Anlage mit zahllosen Pavillons, Rondellen und Zierfischteichen. Er setzte auf einen weitläufigen Park, der trotz seiner kunstfertigen Anlegung natürlich erscheint.

Pückler formte die Natur subtil zu einer Kulturlandschaft um. Das Städtchen Bad Muskau bettete er in seinen Landschaftspark ein. Bevor er 1815 jedoch damit beginnen konnte, seine Pläne umzusetzen, musste er den Bad Muskauer Bauern und Bürgern ihr Land abkaufen. Er bot Geld und machte allerlei Versprechungen. In einem offenen Brief warnte er aber davor, sich ihm zu widersetzen:

" Im Fall aber binnen einem Jahr von dato der Ankauf dieser Grundstücke nicht zu Stande gekommen ist, gebe Ich auch hiermit den Einwohnern Muskaus Mein Wort, dass Ich unabänderlich entschlossen bin, dann Bad Muskau, weil es Meinen guten Willen nicht annehmen noch erkennen wollte, auf immer zu verlassen. "

Man fügte sich ihm und fuhr dabei nicht schlecht. Nachdem er dreißig Jahre an seinem Park gearbeitet hatte, verließ er Bad Muskau jedoch trotzdem. Er war bankrott und rettete sich mit dem Verkauf der kostspieligen Anlage. Weil seine Nachfolger den Muskauer Park in Pücklers Sinne weiterpflegten, würdigt ihn die UNESCO heute zu Recht als "ein außergewöhnliches Beispiel für einen europäischen Landschaftspark und eine künstlerische Ideallandschaft".

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk