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StartseiteSonntagsspaziergangKüsse am Grenzzaun05.04.2020

Deutsch-schweizerische Paare in CoronazeitenKüsse am Grenzzaun

Er ist wieder da: der deutsch-schweizerische Grenzzaun, um einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus Einhalt zu gebieten. Das ist die Paare im Grenzgebiet eine Tragödie, bei denen einer in der Schweiz und der andere in Deutschland lebt. Wer nicht verheiratet ist, kann sich nur am Grenzzaun treffen.

Von Thomas Wagner

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An der deutsch-schweizerischen Grenze nahe Konstanz und Kreuzlingen umarmt sich ein Pärchen, das wegen der Grenzschließung zwischen Deutschland und der Schweiz nicht beisammen sein kann. Das Paar kann sich nur an der Grenze treffen. (picture alliance / dpa / Felix  Kästle)
Wegen der Grenzschließung zwischen Deutschland und der Schweiz können manche Paare nicht beisammen sein (picture alliance / dpa / Felix Kästle)
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"Schön ist ja, dass man sich wieder mal sieht, Face to Face, nicht nur übers Internet, über Skype, sondern einfach mal sich wieder sieht, auf eine anständige Distanz."

"Das ist es - so nah und doch so fern ist."

Bea und Markus beim "Rendez-Vous" der ungewöhnlichen Art.

"Wir stehen hier am Zoll."

"Das ist der alte Grenzübergang Kreuzlingen-Konstanz"

"Jetzt ist schon komisch. Man fühlt sich fast wie ein Verbrecher, wenn man sich hier trifft"

"Wir sind ein Paar. Ich bin aus Konstanz."

"Ja, und ich komm‘ aus der Schweiz."

Sie: Wohnsitz Konstanz, auf deutscher Seite. Er: Wohnsitz Schweiz. Dazwischen sind nur ein paar Meter. Eigentlich. Seit Jahrzehnten war die deutsch-schweizerische Grenze am Bodensee als solche kaum mehr erkennbar. Kein Schlagbaum, kein Zaun – nur ein paar Hoheitsschilder; hin- und herlaufen, mit dem Fahrrad fahren, kein Problem. Kontrollen an den kleinen Übergängen für die Fußgänger: so gut wie keine. Und jetzt: Corona.

Wer nicht verheiratet ist und getrennt lebt, dem bleibt nur ein Treffen am Grenzzaun. Thomas Wagner, Sonntagsspaziergang 5. April 2020 (Deutschlandradio / Thomas Wagner)Paare an der deutsch-schweizerischen Grenze in Coronazeiten (Deutschlandradio / Thomas Wagner)

Erstmals seit Jahrzehnten gibt es wieder einen Grenzzaun. Liebe durch den Maschendrahtzaun hindurch – mehr geht derzeit nicht mehr.

"Wir sind keine Pendler. Wir sind nicht verheiratet, nichts. Ein ganz normales Paar. Und deswegen sind für uns die Grenzen zu, richtig zu."

Sekt am Grenzzaun trinken

Das ist schlecht fürs Liebesleben. Mit einem Cüpli, das ist das Schweizer Wort für ein Glas Sekt, kann man sich über den Grenzzaun hinweg zuprosten, reden über den tristen Alltag im Zeiten von Corona . Aber:

"Das hier stresst mehr, das mit meiner Liebe: Dass wir uns eigentlich nicht mehr haben können eigentlich."

Zwei Wochen lang haben sie sich nicht mehr gesehen. Dann kam die Idee mit der Begegnung am Grenzzaun: "Ich habe vorhin zu meiner Partnerin gesagt: Es kommt mir vor wie beim ersten Date: Total aufgeregt, sich nach zwei Wochen wieder mal zu sehen. Und nachher müssen wir und wieder trennen. Dann geht wieder jeder seinen Weg. Spannend."

Nicht alle Paare sind einsichtig

Und ein bisschen traurig. Aber die Lage ist ernst. Doch die beiden sehen ein: Die Einschränkungen müssen sein.

"Also ich habe schon Verständnis für die Situation im Moment. Da müssen wir jetzt einfach durch."

"Das Verständnis ist definitiv da. Man darf es nicht unterschätzen, was momentan hier abgeht."

Nur: Das sehen nicht alle der gut zwei Dutzend Pärchen so, die sich an diesem sonnigen Nachmittag am deutsch-schweizerischen Grenzzaun treffen. Viele machen einen traurigen Eindruck, manche haben keine Lust, fotografiert zu werden oder im Radio über ihren Kummer zu reden. Und einige wollen nicht so recht einsehen, dass sie, obwohl manchmal schon lange ein Paar, in den schwierigen Corona-Zeiten einfach nicht zusammen kommen sollen – außer dem "Tete-à-Tete" am Grenzzaun.

"Was empfindet man dabei?"

"Naja, das ist einfach Schwachsinn. Also schlussendlich ist es ja ein Witz: Man würde zusammen zuhause sein. Aber man darf nicht, weil er Deutscher ist und ich Schweizerin."

Elvira, Schweizerin, und Robert, Konstanzer, schauen sich ein paar Meter unterhalb, Richtung Bodenseeufer, durch den Maschendrahtzaun an, der sie - die sie doch so gerne zusammen sein möchten - jetzt trennt,

"…weil wir es verpasst haben, vorher zu heiraten. Wir dürfen uns auch nicht berühren. Das ist ja schon ein wenig absurd."

Berührungen durch den Zaun

Darf man wirklich nicht? Ein paar Meter oberhalb am Grenzzaun sehen das Bea und Markus ein klein wenig anders:

"Da komm ich nicht drum herum, wenn ich sie mal wieder sehe, dass ich sie gerne mal küssen möchte. Das habe ich natürlich gemacht. Na, sie ist meine Partnerin! Und jetzt, nur weil ein Zaun hier ist: Ich wüsste nicht, was da jetzt verboten wäre. Also eine fremde Frau würde ich jetzt nicht küssen."

"Ja, das ist sehr beruhigend!"

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