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StartseiteKommentare und Themen der WocheBahnchef Richard Lutz ist der falsche Buhmann17.01.2019

Deutsche BahnBahnchef Richard Lutz ist der falsche Buhmann

Verspätungen und ausgefallene Züge, dazu Personalnot und marode Infrastruktur: die Mängelliste bei der Deutschen Bahn ist lang. Nun erhöht die Bundesregierung den Druck auf die Führung - doch die Gründe für die miserable Lage muss der Bund vor allem bei sich selbst suchen, kommentiert Dieter Nürnberger.

Von Dieter Nürnberger

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Die Zug-Anzeige der Abfahrten im Münchner Hauptbahnhof informiert über die Verspätungen im Fernverkehr (dpa/Matthias Schrader)
Hauptbahnhof München: Detail einer Zug-Anzeige (dpa/Matthias Schrader)
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Da wird der Bahnchef innerhalb von drei Tagen zum zweiten Mal zum Rapport in das Bundesverkehrsministerium einbestellt. Er soll den politisch Verantwortlichen erklären, wie - möglichst kurzfristig - Verbesserungen beim Sorgenkind Deutsche Bahn AG zu realisieren sind. Richard Lutz, Vorstandsvorsitzende des bundeseigenen Unternehmens muss da zwangsläufig wie ein Getriebener wirken und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) wie der große Kümmerer. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Sündenfall Bahnreform

Vor 25 Jahren wurde die Bahn im Zuge der Bahnreform als privates Unternehmen im Eigentum des Bundes gegründet. Und allein diese Konstruktion zeigt schon, dass Politik und Konzernspitze nicht voneinander losgelöst agieren, agieren können. Im Zuge der Bahnreform wurde beispielsweise der von der Politik so lange Zeit beschworene Börsengang vorbereitet - dessen Folgen noch heute spürbar sind: Personal eingespart, Strecken stillgelegt und das Unternehmen immer mehr global positioniert. Erst die Finanzmarktkrise 2008 machte dem Börsengang ein Ende.

Und danach ließ es die Politik irgendwie laufen - die Verkehrsminister (oft übrigens von der CSU) betonten zwar in Sonntagsreden stets die Bedeutung der Bahn, doch die Finanzmittel für den Verkehrssektor flossen in die Straße, deutlich weniger in die Schiene. Weshalb heute auch der Bundesrechnungshof feststellen musste, dass der Zufluss liquider Mittel aus dem operativen Geschäft der Bahn nicht ausreicht, um die betriebsnotwendigen Investitionen zu finanzieren.

Die Bahn braucht deutlich mehr Geld

Erst mit dem aktuellen Koalitionsvertrag von Union und SPD von 2018 wurde begonnen gegenzusteuern, eine notwendige Mobilitätswende nicht mehr nur propagiert, sondern auch finanziell deutlich besser untermauert.

Der Anfang ist also gemacht, was nicht heißt, dass nicht auch im Unternehmen selbst bislang ineffiziente Prozesse gestrafft werden müssen. Ebenso muss geprüft werden, ob wirklich alle Unternehmensbeteiligungen des Konzerns, es sind mehrere hundert, so verbleiben müssen. Auf jeden Fall braucht der Schienenverkehr in Deutschland mehr Geld - für Personal, für Ausbau und Erhalt der Infrastruktur, für die Modernisierung der Zugflotte. Auch die Anforderungen durch Digitalisierung und Klimaschutz werden auf Jahre weitere Milliardensummen notwendig machen.

Bahnchef Lutz taugt nicht als alleiniger Buhmann

Und es braucht mehr Zeit: Denn die Folge von Baustellen, die die Kapazitätsengpässe im Schienenverkehr verringern, sind nun einmal Verspätungen. Übrigens hat der ADAC ebenfalls heute einen neuen Staurekord auf deutschen Autobahnen vermeldet.

Auch das ist sicherlich keine gute Nachricht für Reisende und Pendler in diesem Land. Nur, dass zur Problembewältigung eben keiner zum Rapport ins zuständige Verkehrsministerium einbestellt wird. Weshalb sich Bahnchef Richard Lutz derzeit auch nicht allein als Buhmann eignet. Wie schrieb der Bundesrechnungshof heute: Der Bund müsse seine Rolle als Eigentümer der Bahn "konsequent wahrnehmen."

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