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StartseiteDeutschland heuteDirndl, Golfausrüstung und Brustimplantate im Fundbüro05.06.2014

Deutsche BahnDirndl, Golfausrüstung und Brustimplantate im Fundbüro

Auf 1.400 Quadratmetern, verteilt über drei Etagen im Wuppertaler Hauptbahnhof, gibt es das zentrale Fundbüro der Bahn. Jeden Monat landen hier über 6.000 Fundstücke aus allen Winkeln der Republik. Nicht nur jede Menge Jacken, Mützen und Pullover, sondern auch Musikinstrumente und sogar Brustimplantate.

Von Klaus Deuse

Teil des Berliner Hauptbahnhofs (tief), aufgenommen am 12.09.2013. Der Bahnhof beherbergt fünf Verteilerebenen, der Höhenunterschied zwischen der obersten und untersten Ebene liegt bei 25 Metern. Foto: Peter Endig (picture alliance / dpa / Peter Endig)
Über 1.500 Handys werden jeden Monat in Zügen vergessen. (picture alliance / dpa / Peter Endig)
Weiterführende Information

I'm a Loser, Baby DRadio Wissen, Agenda, 08.07.2013)

"Es gibt nichts, was wir nicht haben."

...sagt Udo Feld mit einem Schmunzeln, greift zum Beweis in eines der zahlreichen Regale und holt eine Box heraus. Inhalt: ein Turbidimeter, ein technisches Messgerät zur Untersuchung von Gewässerproben im Wert von rund 1.500 Euro. Auf 1.400 Quadratmetern, verteilt über drei Etagen im Wuppertaler Hauptbahnhof, gibt es für den Leiter des zentralen Fundbüros der Bahn und die 14 Mitarbeiter allerhand zu  sortieren. Immerhin landen jeden Monat über 6.000 Fundstücke aus allen Winkeln der Republik in ihrer Obhut. Nicht nur jede Menge Jacken, Mäntel, Mützen und Pullover, sondern auch Musikinstrumente.

"Es geht los mit einer schönen Trommel (haut hörbar drauf), wir haben Gitarren, wir haben Querflöten, Blockflöten, wir haben Posaunen, Violinen, Geigen, ein gesamtes Orchester. Nur die Spieler fehlen...."

Bei anderen Gegenständen ist man dagegen fast erleichtert, dass der Inhalt fehlt.

Hartes Stück detektivische Arbeit

"Ja, das ist ein Tierkäfig, ne Hundebox, die relativ groß ist. War Gott sei Dank auch ohne Hund....."

Gemeldet haben den Verlust bisher weder der Hund noch der Tierhalter. 70 Tage lang lagern die Fundsachen in Wuppertal. In dieser Zeit fahnden Udo Feld und seine Mitarbeiter in den Gegenständen nach möglichen Hinweisen auf den Besitzer. Das ist bei 3.500 Koffern, Rucksäcken und Taschen, die sich im Parterregeschoss stapeln, ein hartes Stück detektivische Arbeit. Ebenso bei über 1.500 Handys. Pro Monat. Bei den gefundenen Laptops, merkt Feld nicht ohne gewissen Stolz auf die Findigkeit seiner Mitarbeiter an, liegt die Rückführungsquote an die Besitzer bei fast 90 Prozent. Geprüft wird schließlich auch, ob sich Fundstücke bereits vorliegenden Verlustmeldungen aus dem ganzen Bundesgebiet zuordnen lassen. Bei einer speziellen Handkarre mit teurem Inhalt jedoch ohne Erfolg.

Nicht alle Verluste werden gemeldet

"Das ist ne komplette Golfausrüstung mit zwei, vier, sechs Schlägern. Auch hier leider keine Nachfrage, wir konnten keine passende Verlustvermeldung finden."

Auch nicht für ein schmuckes Dirndl in der Kindergröße 128, das ordentlich auf einem Bügel hängt und aus Mühldorf nach Wuppertal geschickt wurde. Dass nicht alle Verluste sofort gemeldet werden, das, sagt Udo Feld, habe nicht unbedingt etwas mit Gleichgültigkeit zu tun.

Man glaubt nicht an die Ehrlichkeit der Finder

"Was ich vielmehr glaube ist, dass man vielleicht nicht mehr an die Ehrlichkeit der Finder glaubt und sich sagt: wird eh nicht abgegeben."

Das ändert nichts daran, dass Dirndl und Golfausrüstung nach 70 Tagen versteigert werden. Ebenso wie Skateboards, Surfbretter, Roller, Kopfhörer, Kameras, Rasierapparate, Uhren, Werkzeugkästen oder auch Zelte. Eben alles das, was der Mensch so in Zügen vergisst. Bei den unzähligen Koffern achtet man natürlich peinlich genau darauf.......

Schmutzige Unterwäsche und Drogen

"...dass dort keine schmutzige Unterwäsche, Drogen oder Waffen oder kaputte Sachen......

... mit unter den Hammer von Auktionator Walter Schreiner kommen. Schreiner, der seit über zehn Jahren zum Team gehört und die Fundstücke versteigert, hat seine eigene Methode entwickelt, um den Wert für das Mindestgebot anzusetzen.

Kindersachen haben Sonderstatus

"Ich bin auch viel in der Stadt unterwegs und geh einkaufen, shoppen. Und dann sieht man dann die Preise draußen. So, wenn man dann selber hier arbeitet und packt aus, dann sieht man schon: ist das ein normales T-Shirt von kik oder so was, sind das exklusive Uhren...."

Lediglich Fundstücke wie Teddybären, die eindeutig Kindern gehören, genießen bei Udo Feld eine verlängerte Aufbewahrungsfrist. Denn der Vater von zwei Kindern weiß:

Vergesslichkeit ist groß

"Das sind Treiber. Die treiben die Eltern manchmal in den Wahnsinn. Da kümmern sich die Eltern drum, dass das doch noch vielleicht zurückgegeben wird. Sie können es zwar neu kaufen, aber so ein Ding muss immer riechen, schmecken und muss sich anfühlen. Wenn sie versuchen das Kind zu veräppeln, da kommt nix bei raus."

Trotz vieler Dienstjahre kann der Leiter des zentralen Fundbüros über die Vergesslichkeit von manchen Zugreisenden noch immer staunen. Etwa über gefundene Zahnprothesen.

"Man wundert sich nur, wie die Leute dann im Speisewagen sitzen und nicht merken, dass die Zähne nicht drin sind, ja."

Den Verlust eines japanischen Kendoschwertes sollte man allerdings auch ziemlich schnell bemerken. Für ein Fundstück  findet Udo Feld allerdings keine Erklärung.

"Kurios ist für mich im Moment das Paar Brustimplantate, was ich im Fundus habe. Original verpackte Silicon-Brustimplantate. Wahrscheinlich aus Frankreich. Die will ja keiner mehr. Werden wir auch nicht versteigern, ist ganz klar. Aber man fragt sich natürlich, was macht jemand im Zug mit zwei original verpackten Brustimplantaten."

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