Samstag, 29.02.2020
 
StartseiteWirtschaft und GesellschaftMehr Pünktlichkeit nur noch ein Fernziel17.01.2019

Deutsche BahnMehr Pünktlichkeit nur noch ein Fernziel

Mehr Investitionen, mehr Personal, besserer Service, weniger Staus auf der Schiene: Mit einem Maßnahmenpaket will die Deutsche Bahn aus der Krise und die Pünktlichkeit der Züge verbessern. Aber das geht zu langsam, und deshalb bestellte der Bundesverkehrsminister den Bahn-Chef zum Rapport ein.

Von Nadine Lindner

Die Zug-Anzeige der Abfahrten im Münchner Hauptbahnhof informiert über die Verspätungen im Fernverkehr (dpa/Matthias Schrader)
Im vergangenen Jahr waren nur knapp Dreiviertel aller Züge der Deutschen Bahn pünktlich (dpa/Matthias Schrader)
Mehr zum Thema

Krisentreffen im Verkehrsministerium "Die Bahn hat ihre Hausaufgaben nicht gemacht"

Deutsche Bahn DB und Politik suchen Wege aus der Krise

Missstände im Schienenverkehr Ferlemann setzt Bahn Ultimatum

Konzernumbau bei der Bahn Die Politik ist Schuld am Bahn-Chaos

Es ist kompliziert und es bleibt kompliziert auf der Schiene. Das ist das wichtigste Fazit nach dem erneuten Frühstücks-Treffen von CSU-Verkehrsminister Andreas Scheuer, der Konzernspitze der Bahn sowie Fachpolitikern der Koalition. Der Bundesverkehrsminister: "Wer jetzt erwartet, jetzt kommen 300 neue Maßnahmen, die einfach vom Himmel fallen, der versteht das System Bahn nicht. Natürlich brauchen wir einen länger Anlauf auf diesem System."

Das Verkehrsministerium hat den Druck auf den Staatskonzern Bahn erhöht. Nach einem ersten Gespräch am frühen Dienstagmorgen war klar, dass die vorgelegten Ideen dem Verkehrsminister noch nicht reichen. Die Bahn musste nachlegen und tat das mit einem Konzeptpapier, das nach dem Treffen bekannt wurde. Ein Punkt: Mehr Personal. Damit soll es ab sofort mehr Zuverlässigkeit geben, durch mehr Lokführer, mehr Fahrdienstleiter, mehr Instandhalter.

Scheuer: "Das ist als positive Botschaft zu vermelden. Nach 24.000 Mitarbeitern in 2018 wird die Bahn in 2019 22.000 Mitarbeiter einstellen wollen; das heißt, eine Jobmaschine."

Besseres Baustellenmanagement und schnellere Kommunikation

Weitere zentraler Punkt ist das Baustellenmanagement auf viel befahrenen Strecken, dort soll der Verkehr besser organisiert werden. Zwischen Köln und Dortmund habe es in einem Versuch schon ermutigende Ergebnisse gegeben, jetzt soll der Großraum Hamburg und die viel befahrene Strecke Fulda - Mannheim folgen.

Die Leittechnik soll dort schneller arbeiten, um Dominoeffekte bei Verspätungen zu verhindern. Das ist ein zentraler und schwieriger Punkt. Denn um die Bahn langfristig zu verbessern, muss viel neu gebaut werden, was aber wiederum zu mehr Verspätungen führt.

Doch auch kleine Dinge sollen sich für die Bahnkunden verbessern: Die Bahnhöfe sollen sauberer werden, über veränderte Wagenreihungen, quasi ein Klassiker der Fahrgastärgernisse, soll schneller und zuverlässiger informiert werden. 

Als Fern-Ziel für das Jahr 2023 wird in dem Papier der Bahn die Pünktlichkeit mit 81 Prozent definiert. Im vergangenen Jahr lag der Wert bei 76 Prozent, was für massive Kritik gesorgt hatte. Am 30. Januar wollen Ministerium und Bahn ihre Gespräche fortsetzen. Dann geht es um die dicken Bretter: die Struktur der Bahn und die Finanzierung. 

Kritik von vielen Seiten

Von der Opposition hat sich der Grüne Fraktionsvorsitzende Anton Hofreiter geäußert, er bezeichnete den Plan als "Stückwerk". Hier hakt auch der Bundesrechnungshof ein. Kay Scheller mahnte bei einem Termin in Bonn an die Adresse des Bundes, dem Eigentümer der Bahn: "Der Bund hat tatenlos zugeschaut in den letzten zehn, 15 Jahren, wie die Bahn hier in eine schlechte Entwicklung gekommen ist und muss sich drum kümmern, dass es besser wird", so Scheller in der ARD.

Für den Fahrgastverband Pro Bahn sagte Karl-Peter Naumann, mehr Personal und besseres Baustellenmanagement seien zwar gut, könnten aber die Versäumnisse der Vergangenheit nicht ausgleichen. Der Fahrgastverband schloss sich fast wortgleich dem Bundesrechnungshof an: "Man hat ja jahrzehntelang in die Bahn viel zu wenig investiert und das rächt sich jetzt. Dass eben die Anlagen sowohl veraltet sind, wie auch, dass viel zu wenig neu gebaut worden ist, um die Wünsche der Reisenden zu befriedigen."

Es bleibt eine Mammut-Aufgabe. Denn laut Koalitionsvertrag soll sich die Zahl der Fahrgäste bis 2030 verdoppeln.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk