Samstag, 20.04.2019
 
Seit 03:00 Uhr Nachrichten
StartseiteKommentare und Themen der WocheDie riskante Großfusion17.03.2019

Deutsche Bank und CommerzbankDie riskante Großfusion

Die beiden größten deutschen Privatbanken, die Deutsche Bank und die Commerzbank, nehmen Gespräche über eine mögliche Fusion auf. Dass sie das öffentlich machen, ist zu begrüßen, meint Mischa Ehrhardt - auch um Spekulationen einzudämmen. Aktuell spreche aber vieles gegen eine Fusion der beiden Banken.

Von Mischa Ehrhardt

Deutsche Bank und Commerzbank in Frankfurt vor grauem Himmel als Symbol für die Krise der Finanzistitute und deren möglicher Fusion.  (Picture Alliance/ Klaus Oehlenschläger)
Vereinigte Deutsche Commerzbank ? - Deutsche Bank und Commerzbank sprechen über Fusionspläne (Picture Alliance/ Klaus Oehlenschläger)
Mehr zum Thema

Deutsche Bank und Commerzbank Finanzminister Scholz bestätigt Fusionsgespräche

Deutsche Bank Der Danske Bank Geldwäsche-Skandal und die Folgen

Finanzwirtschaft Die Deutsche Bank im Niedergang

Deutsche Bank Fusion mit der Commerzbank zweifelhaft

Nun also ist es offiziell – die beiden größten Spieler der deutschen Privatbankenbranche sprechen darüber, ihre Stärken in einer vereinigten Deutschen Commerzbank zu bündeln. Sie werden also ausloten, ob sie zusammen schlagkräftiger sein können als vorher allein. Mit den Gesprächen haben beide Banken endlich das Heft des Handelns wieder in die Hand genommen, nachdem vor allem aus Berlin immer wieder Vorstöße in Richtung einer Fusion kamen.

Die Gespräche sind deswegen zu begrüßen. Denn sie nehmen allen möglichen Spekulationen bis auf Weiteres den Wind aus den Segeln. Vor allem in Berlin hat es in den vergangenen Monaten immer wieder Aussagen gegeben, dass man Fusionen ins Auge fassen sollte. Deutschland brauche eine große nationale Bank, die Unternehmen und Wirtschaft auf ihren internationalen Handelswegen begleiten könne, sagte etwa Bundesfinanzminister Olaf Scholz. Ob eine solche Großbank aber wirklich nötig und wünschenswert ist, das darf man bezweifeln. Und zwar aus mehreren Gründen.

Rechtsfälle mit auf den Rücken laden

Zum einen ist fraglich, ob eine fusionierte Großbank wirklich die erhofften Vorteile bringt. Einige Beobachter haben daran berechtigte Zweifel. Vor allem zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber wäre eine Fusion riskant: Zwar ist die Deutsche Bank beim Abarbeiten ihrer zahlreichen Rechtsfälle vorangekommen – allerdings bleiben noch etliche davon übrig. Dieses Risiko würde sich die Commerzbank bei einer Heirat mit auf den Rücken laden. Noch prüfen zum Beispiel die Behörden in den USA den Fall der Danske Bank, die über eine Tochter der Deutschen Bank dubiose Gelder in die USA geschleust hat. Aus der Vergangenheit weiß man: Die US-Behörden sind bei Strafen für ausländische Unternehmen wenig zimperlich. Davon kann Volkswagen ein Lied singen, die Deutsche Bank hat darin aber auch schon eigene schmerzliche Erfahrungen machen müssen.

Zum anderen sind beide Banken noch sehr damit beschäftigt, ihre eigenen Hausaufgaben zu erledigen, um wieder auf Kurs zu kommen. Die Deutsche Bank hat es gerade wieder in die Gewinnzone geschafft, hinkt der internationalen Konkurrenz in Sachen Profitabilität aber noch weit hinterher. Der Konzernumbau ist in vollem Gang, und noch ist auch die Postbank nicht vollständig in die Bank integriert. Seit Jahren laboriert die Deutsche Bank an dieser Aufgabe bereits herum.

Über Jahre mit sich selbst beschäftigt

Nach einer Fusion der Deutschen mit der Commerzbank wären beide Banken wieder über Jahre mit sich selbst beschäftigt, während andere Banken sich um die eigentlichen Geschäfte kümmern würden. Zudem erhöht sich im Fall eines Zusammenschlusses auch das Risiko für den Steuerzahler. Die Deutsche Bank ist jetzt schon in hohem Maß systemrelevant.

Im Fall der Schieflage einer fusionierten Großbank würde die Rettung noch um einiges teurer werden als jetzt schon. Deswegen ist es aus Sicht des Steuerzahlers unverständlich, warum gerade aus Berlin der Druck kommt, beide in eine Fusion zu drängen. Die Regierung müsste es doch eigentlich besser wissen: Nach der Übernahme der Dresdner Bank ist die Commerzbank während der Finanzkrise so in Schieflage geraten, dass der Staat sie mit Steuermilliarden retten musste.

Man reibt sich aber auch deswegen über die Vorstöße aus Berlin verwundert die Augen, weil die Fusion zwangsläufig Arbeitsplätze kosten wird. Möchte Bundesfinanzminister Olaf Scholz am Ende wirklich erklären, warum er der Treiber einer riskanten Fusion war, die Schätzungen von Beobachtern zu Folge 30 bis 50.000 Arbeitsplätze kosten könnte?

Schließlich darf man auch fragen, warum man in Berlin keine europäische Perspektive einnimmt. Denn im europäischen Verbund sollte man doch eigentlich argumentieren: Es braucht mindestens eine große Europäische Bank, die mit der internationalen Konkurrenz mithalten kann und die europäischen Unternehmen auf ihren Wegen begleiten kann. Aktuell spricht vieles gegen, aber nur wenig für eine Fusion von der Deutschen mit der Commerzbank. 

Mischa Ehrhardt (©privat)Mischa Ehrhardt (©privat)Mischa Ehrhardt, geboren 1974 in Bayern, studierte Philosophie und Soziologie in Tübingen und Frankfurt. Nach seinem Studium absolvierte er ein Volontariat an der Evangelischen Journalistenschule in Berlin. Es folgten Moderationen und Planung von Wissenschafts- und Mediensendungen beim Hessischen Rundfunk, dort war er lange Jahre dann als Wirtschaftsjournalist tätig. Nach sechs Jahren im ARD-Börsenstudio für das Radio arbeitet er schließlich als Wirtschaftskorrespondent für den Deutschlandfunk in Frankfurt.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk